Lesermeinung
: Internet-Empörte mit Pseudo-Problemen

Ich möchte mich bei den Alleswissern, Allesbeobachtern und Alleskommentierern recht herzlich dafür bedanken, dass sie meine kurzsichtigen Augen geöffnet haben.“ So beginnt Leonore Stieber aus Spremberg ihren Brief zur Diskussion um das Design der neuen Straßenbahnen für Cottbus („Cottbusverkehr reagiert auf Nazi-Vorwürfe“, LR vom 27. Februar, „Facebook-Nutzer missbrauchen Bild“, LR vom 1. März).
Von
LR Café-Tester
Spremberg
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Vorläufige Designstudie der Skoda Transportation Gruppe für die neuen Straßenbahnen in Cottbus. Wegen der Farbwahl gab es zuletzt Diskussionen.

SKODA Transportation Gruppe

Paranoides Hineininterpretieren

Ich, acht Jahre nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg geboren und in manchen Dingen bis Ende der 60er-Jahre um gewisse Dinge des Alltags kämpfen müssend, habe den Entwurf von Cottbusverkehr für die neuen Straßenbahnen begeistert hingenommen und nicht im Geringsten in die Nähe des Deutschen Kaiserreiches oder Nazi-Deutschlands gebracht. So etwas gelingt nur, wenn man vor Übersättigung nicht mehr weiß, was man sonst noch kritisieren soll.

Bitte nicht falsch verstehen, ich habe mit genannten Epochen keinerlei Sympathie. Aber was manche Leute in bestimmte Dinge oder Situationen hineininterpretieren, erscheint mir schon paranoid. Also Leute, mir bleibt die Spucke weg. Das gleiche Thema flammte vor Kurzem auf, als irgendeine Politikerin ein schwarzes Kleid, mit schwarz-weiß-rotem Saum bei einem Interview anhatte. Es wurde das gleiche Lied angestimmt in den sozialen Netzwerken und die Frau wegen des Kleides in die Nazi-Ecke geschoben. Das ist mir dann zu viel des Guten. Wie mein ehemaliger Klassenlehrer immer sagte: Wer zum Inhalt nichts beizutragen hat, achtet auf die Form.

Mein Vorschlag an Cottbusverkehr: bleibt beim Farbvorschlag und macht damit Werbung für Cottbus und Brandenburg. Fügt an geeigneten Stellen den Brandenburger Adler und/oder das Cottbuser Wappen ein. Dann ist die Symbolik eindeutig. Habt Mut! Dagegen dürfte es keine Einwände geben.

⇥Leonore Stieber, Spremberg