Entweder ein Künstler hat eine Idee für ein Motiv von vornherein im Kopf und geht zielgerichtet vor oder aber die Idee entwickelt sich mit der Zeit aus der Form und Struktur des Holzes. Der Künstler Ronny Sommer zählt eindeutig zu den Erstgenannten. „Ich habe oft zuerst die Idee, dann entsteht die Skulptur. Die ist dann fertig, wenn ich meine Zielvorstellung erreicht habe“, erklärt Ronny Sommer.

Der 47-Jährige hat mit der Holzbildhauerei im Jahr 2004 begonnen. „Damals bei meinem Hausbau war noch ein Holzbalken drüber. Den wollte ich nicht wegwerfen. Also habe ich eben etwas Dekoratives daraus geschnitzt“, erzählt er. So richtig intensiv widmet er sich dieser Kunst erst seit den vergangenen vier Jahren in seinem eigenen Atelier, das er einfach Werkstatt nennt. Im vergangenen Jahr hatte er eine Ausstellung im Spremberger Heimatmuseum, aber so viele Skulpturen hat er eigentlich noch gar nicht kreiert, dennoch wurde er im Oktober für den Kunstpreis Brandenburg sowie vor wenigen Tagen auch für den Publikumspreis der Art A10 in Wildau ausgelobt.

„Ich war bei der Siegerehrung wirklich baff, bekam nur wenig Worte heraus. Ich hatte nicht damit gerechnet. Die Qualität der ausgestellten Exponate ist wieder auf einem hohen Niveau gewesen“, berichtet Sommer, der seinen Preis von Stefan Ludwig, Justizminister des Landes Brandenburg entgegengenommen hat. Ludwig hatte die Schirmherrin, die Kulturministerin des Landes Brandenburg Dr. Martina Münch, vertreten.

Fern von Akademien und Kursen

Bei der Art A10, die Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei zeigt, ist es erwünscht, als Aussteller einen erfolgreichen Abschluss an einer anerkannten Kunstakademie zu haben. Allerdings werden auch Autodidakten, die Kunst auf hohem Niveau präsentieren, zugelassen. Ronny Sommer hat nie eine Kunstakademie von innen gesehen. Nicht mal einen Holzbildhauer-Kurs absolvierte er. Er hat sich vieles selbst beigebracht.

Auf seine beiden Werke „Gegenwind“ und „Was bleibt“ ist er besonders stolz. Während die Skulptur „Gegenwind“ zwei recht gegensätzliche Gesichter auf einem gespaltenem Holzstück zeigt, windet sich bei „Was bleibt“ eine nackte Frau mit Hingabe aus einem Holzstück heraus. Der Bauchnabel der Frau ist dunkler gefärbt und entpuppt sich als ein Astbruch im Stamm. Ronny Sommer schafft es, mit sehr vielen Details zu überzeugen. Er verwendet für seine Skulpturen gerne natürlich gewachsenes Holz. „Der Antrieb meiner Arbeit ist wie eine Analogie zum realen Leben: Nimm es wie es gewachsen ist, und forme es mit deinen Ideen und Gefühlen“, sagt Sommer. Auch die Fachjury der ART A10 lobte, dass seine Werke nie aufgezwungen wirken, sondern sie so aussehen, als ob sie schon immer so da gewesen wären.

Dabei hat der Spremberger noch zahlreiche weitere Ideen im Kopf. Sie kommen aus Liedtexten, die er gerne hört; Erlebnissen, die ihm begegnen oder Gefühlen, die ihn bewegen. So entstehe ein ganzes „Ideenarchiv“. „Ist eine Idee reif im Kopf, beginne ich, das entsprechende Holz zu suchen. Ich arbeite am liebsten mit Obst- oder Laubgehölzen. Dann fängt der Grobschnitt an und alles wird immer feiner und detailierter bearbeitet“, beschreibt er.

20 bis 200 Stunden Arbeit

Seine Werke sind meist figürlich. Die Details bestechen. „Manche Skulpturen erschaffe ich in nur 20 bis 30 Stunden, bei anderen können es auch schon mal mehr als 200 Stunden sein“, so Sommer. Er brauche das einfach: In seiner kleinen, etwa 15 Quadratmeter großen Werkstatt zu sitzen, an seinen Werken zu feilen, seine Ideen in Form zu bringen, weil er sich damit am besten ausdrücken kann. Die fertigen Skultpuren zieren sein Wohnzimmer, hängen im Treppenflur oder werden verschenkt. „Ich habe mit der Holzbildhauerei für mich selbst angefangen, weil es mir auch einen Ausgleich zum Berufsalltag als Notfallsanitäter schafft“, spricht er über seine Motivation.

Mit dem Kunstpreis Brandenburg hat er nun mehr Aufmerksamkeit bekommen. Doch Ronny Sommer bleibt ruhig: „Ich weiß noch nicht, wohin mich das führt, aber es wird sich schon alles fügen“, ist er optimistisch. So wie sich für seine Ideen im Kopf meist auch ein Holzstück findet.

Der Kunstpreis der Art A10


Mehr als 200 Künstler hatten sich bei der Art A10 beworben. 27 Künstler durften letztendlich ihre neuesten Werke im A10-Center in Wildau für 18 Oktobertage ausstellen. Unter diesen hat dann eine Fachjury die besten Drei für die Kunstpreise ausgewählt. Ronny Sommer erhielt mit seinen eingereichten und ausgestellten sechs Skulpturen den ersten Preis, der mit 3000 Euro dotiert ist. Wer mehr Einblicke in die Arbeit des Holzbildhauers Ronny Sommer aus Spremberg bekommen möchte, kann seine Webseite unter www.ambielance.de besuchen.