Zum Spremberger Heimatfest gibt es jede Menge zu sehen. Vivien Gold, die Schlager-Newcomerin des Jahres 2021, steht auf der Bühne am Markt. Beim großen Festumzug in der Trachtenkapelle in der Mitte links im Zug läuft der Schwager mit. Und die Enkelin hat ihren ersten Auftritt in der Showtanzgruppe.
Doch wenn plötzlich der Zuschauer vor einem das Handy hochhält und mit dem Filmen gar nicht wieder aufhören will, lässt sich der Auftritt kaum noch genießen. Darf der das überhaupt?

Urheberrecht ist unbedingt zu bedenken

Kleingedruckt steht es zum ersten Mal auf den Flyern fürs Spremberger Heimatfest: Es dürfen von Darbietungen der Künstler ohne dessen ausdrücklicher Genehmigung keine Film-, Ton- und Fotoaufnahmen vorgenommen werden. Cornelia Hansche, die Heimatfestkoordinatorin, hatte nach einem noch umfangreicheren Text zum Datenschutz in der Heimatfest-Pressemappe schon Mühe, die lokalen Medien zu beruhigen. Mit dem Hinweis zu den Film- und Fotoaufnahmen wolle die Stadt die Künstler und sich als Veranstalter schützen, sagt sie.
Und wie Frank Kulik, der stellvertretende Bürgermeister, betont, sollen zudem die Besucher einfach sensibilisiert werden. Denn wer Beiträge der Künstler filmt und das Ergebnis per Handy gleich noch sämtlichen Freunden und Bekannten schickt, verstößt gegen das Urheberrecht. „Und das kann sogar strafrechtliche Konsequenzen haben“, sagt Frank Kulik.

Für ein Foto mitten auf die Bühne?

Erlebt worden sei selbst auf Spremberger Heimatfesten schon Unschönes. So erinnern sich noch Spremberger, wie jemand betrunken auf die Bühne sprang, um ein ganz besonderes Foto vom Star zu machen. Davor will Cornelia Hansche ihre Künstler schützen. Aber auch wer mit einem Mitschnitt des ganzen Konzertes noch Geld verdienen will, verstößt eindeutig gegen Urheberrechte. Und die liegen meist nicht nur beim Künstler auf der Bühne, sondern auch bei Produzenten, Komponisten, die Schreiber der Liedtexte...
Wo kein Kläger, da kein Richter? Wenn einer erst damit anfängt, ermutigt das bei großen Konzerten Tausende. Deshalb könnte es sich für Klagende durchaus auch mal lohnen. Was geht, ohne den Künstler zu fragen, ist die Aufnahme eines Liedes oder eines Fotos, wenn man es ausschließlich privat verwendet: Sich das Lied immer mal wieder abspielt, um in den Erinnerungen zu schwelgen, oder das Foto an den Kühlschrank hängt.

Manager macht selbst mal eine Aufnahme vom Konzert

Vivien Gold aus Cottbus genießt, wenn die Menschen für ihre Musik interessieren. „Heutzutage werden die Erinnerungen mit dem Handy festgehalten, um sie mit anderen Menschen zu teilen. Wenn dadurch auch andere Menschen auf meine Musik aufmerksam werden, ist das wunderschön.“
Locker gehen damit auch die „Fellberg Granaten“ um. Die Musiker aus dem Erzgebirge laufen als einer der Geheimtipps im Heimatfestprogramm. Hubert Koch, der Manager, vermutet eher die GEMA hinter solch einer Klausel zum Datenschutz. Es seien ja keine perfekten Aufnahmen, die da den Fans vor der Bühne gelingen. Dafür produzierten sie immer noch CDs.
„So ein Live-Auftritt ist ein Original“, sagt Koch, „das jeweilige Lied spielen wir nur dieses eine Mal so. Da passieren auch mal Fehler, und beim nächsten Mal ist es wieder ein klein wenig anders.“ Er freue sich mit den Musikern auf Spremberg. „Wir sind alle nett, und wenn die Spremberger noch ein Foto mit uns machen wollen, dann schaffen wir das auch am Rande oder in einer Pause.“

Der Sinn der Autogrammstunde

Vivien Gold hat extra eine Selfie- und Autogrammstunde nach ihrem Konzert eingeplant. „Sie ist für mich die Zeit, in der ich mich mit den Fans persönlich austauschen kann.“ Auch während ihrer Auftritte versucht sie, das Publikum mit einzubeziehen. „Eine Umarmung oder ein gemeinsames Foto bedeuten den Menschen so viel, sie können mir Feedback zu meiner Musik geben und erzählen von ihren Erlebnissen.“
Klar, schicken ihr die Fans auch die Fotos. In der Facebook-Fangruppe tauschen sich die Fans mit Videos und Bildern aus. Das gibt der Sängerin, die aus Cottbus stammt, das Gefühl, dass sie gern an ihrer Welt teilhaben. „Natürlich sind das oft keine professionellen Bilder. Und manchmal denk‘ ich, ups, da bin ich aber komisch getroffen“, sagt sie und lacht, „aber sie zeigen uns Künstler eben auch so, wie wir sind, mit verschiedenen Facetten.“

Adele macht Schlagzeilen

Und wenn die Handys in den vorderen Reihen nerven? Dann gibt es Künstler, die das wahrnehmen und beherzt darauf reagieren. Die Pop- und Soul-Sängerin Adele hatte damit vor ein paar Jahren Schlagzeilen gemacht. Eine Besucherin, die sie während eines Konzerts filmte, bat sie direkt, damit aufzuhören. Sie sei doch hier – in echt. Sie solle einfach die Show genießen, statt durch die Kamera zu schauen.
„Schade wäre, wenn Menschen aufhören mitzusingen und am Geschehen nicht mehr aktiv teilnehmen“, sagt Vivien Gold. Denn dieser Moment löse viel mehr Emotionen in ihr aus, als ein Bild. „Deshalb“, so die Sängerin, „sollten wir alle diese Momente einfach leben und genießen. Ich glaube, in der Musik können wir das alle gemeinsam immer noch sehr gut.“

Aufnahmen während des Heimatfestes

Auch die Spremberger Stadtverwaltung lässt sich fürs Heimatfest Bild- und Tonaufnahmen genehmigen. Das bestätigt die Heimatfestkoordinatorin Cornelia Hansche. „Zum Beispiel vorab von allen Vereinen, die im Festumzug am Samstagvormittag durch Sprembergs Innenstadt ziehen“, sagt sie. Und das sind nach dem aktuellen Stand immerhin 15 Vereine. „Will ein Verein das nicht, machen wir auch keine Bilder von ihm. Aber wir brauchen einfach Fotos vom Heimatfest, um auch in den künftigen Jahren Flyer und Hefte gestalten zu können“, so Cornelia Hansche. Dass zum Fest durch Privatpersonen, Medien und auch kommerzielle Filmer und Fotografen im Auftrag der Stadt Aufnahmen anfertigen, sollen deshalb auch die Besucher der Veranstaltungen unbedingt zur Kenntnis nehmen.