Von Annett Igel-Allzeit

Das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Schwarze Pumpe der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) darf bis Ende Oktober einen leicht erhöhten Epichlorhydrin-Wert haben. Statt 0,0001 Milligramm je Liter, wie ihn die deutsche Trinkwasserverordnung als Grenzwert vorschreibt, gestattet das Gesundheitsamt Spree-Neiße bis zum 31. Oktober dem Wasserwerk in Schwarze Pumpe einen Wert von bis zu 0,000645 Milligramm je Liter. Wie das Bergbauunternehmen versichert, gefährde der höhere Grenzwert nicht die Gesundheit der Verbraucher.

Epichlorhydrin komme im Grundwasser selbst nicht vor, sagt die Leag in ihrer Pressemitteilung. Es sei eine synthetisch hergestellte Chemikalie. Sie gilt als krebserregend, soll auch genetische Schädigungen hervorrufen können.

Deshalb steht sie inzwischen auf der Liste der mehr als 20 Stoffe der europaweiten Richtlinie über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder Mutagene bei der Arbeit.

Warum ist die Chemikalie im Trinkwasser von Schwarze Pumpe?

Verwendet werde Epichlorhydrin laut Leag-Pressesprecherin Kathi Gerstner vornehmlich in der Kunststoffproduktion, insbesondere für Epoxidharze. Auch bei der Herstellung spezieller Papiere findet es Anwendung. Für Schlagzeilen sorgte vor einigen Jahren Epichlorhydrin in der Teebeutelpapierherstellung.

Warum das Gesundheitsamt des Landkreises Spree-Neiße bei seiner Trinkwasserüberwachung im Wasserwerk Schwarze Pumpe überhaupt einen höheren Wert, als die Trinkwasserverordnung zulässt, festgestellt hat, konnte am Montag noch niemand erklären. Die Ursachenforschung laufe.

„Sollte sich bestätigen, dass es sich tatsächlich um eine Grenzwertüberschreitung handelt, wird die Leag unverzüglich die Eintragsquelle des Epichlorhydrin identifizieren und beseitigen“, so Dr. Thomas Koch, der die Wasserversorgung des Bergbauunternehmens leitet.

Gleichzeitig wirbt er um Vertrauen. Unabhängig von der Ursachensuche dürfe das Trinkwasser aus dem Wasserwerk in Schwarze Pumpe weiter ohne Einschränkungen wie gewohnt verwendet werden. „Auch zum Trinken, Kochen und zur Zubereitung von Speisen und Getränken“, erklärt Thomas Koch.

Mehrere Wasserverbände nutzen das Wasserwerk Schwarze Pumpe

Wie Kathi Gerstner, Pressesprecherin der Leag, bestätigt, nutzen mehrere Wasserverbände im Umland das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Schwarze Pumpe für die Versorgung ihrer Haushalte. Das Wasserwerk Schwarze Pumpe beliefere die Betriebsführungs GmbH des Wasserverbandes Lausitz (WAL) in Senftenberg, die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH, die Stadtwerke in Weißwasser, den Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband (SWAZ) und die ASG Spremberg GmbH, die es den Unternehmen im Industriepark Schwarze Pumpe selbst zur Verfügung stellt.

Würde die Gesundheit der Verbraucher in Gefahr sein, hätte das Gesundheitsamt für Nutzungsbeschränkungen entschieden, betont die Leag. Zudem habe bisher nur das vom Gesundheitsamt beauftragte Labor die Abweichung vom Grenzwert 0,0001 Milligramm pro Liter festgestellt. Andere Labore, die die Leag mit Vergleichsanalysen zur Quellensuche beauftragt hat, haben im Wasserwerks-Wasser kein Epichlorhydrin nachweisen können, so die Leag.