Die Jubiläumsparty zum zwanzigjährigen Bestehen der Kita „Land-Kinder-Land“ galt noch vor wenigen Wochen als der Höhepunkt des Jahres in Wadelsdorf. Doch Corona veränderte nicht nur die Welt, sondern auch den Kindergartenalltag im Wadelsdorfer Gutshaus. Notbetreuung und Kontaktbeschränkungen – aufgrund von Auflagen – erschwerten den Kita-Alltag zusehends. So blieb den Erziehern letztlich nur der Schritt, die Feierlichkeiten zum Jubiläum 2020 auf den Mai/Juni des kommenden Jahres zu verschieben. Da die Einladungen für den Jahrestag bereits zum Beginn der Corona-Krise verteilt wurden, mussten diese wieder rückgängig gemacht werden – meist telefonisch.
„Ein gehöriger Aufwand, da wir mit circa 150 Gästen gerechnet haben. Um den Feierlichkeiten passenden Rahmen und genügend Platz zu bieten, sollte auf dem Hornower Sportplatzgelände gefeiert werden“, so die Chefin Andrea Neitsch. Ein Kinderprogramm war für diesen Tag bereits gebucht. Die Wadelsdorfer Mädchen und Jungen hätten dafür sogar eigens eine Show konzipiert. Darüber hinaus waren auch lustige, dorftypische Spiele, wie beispielsweise Strohballenrollen, geplant. Doch auf eine traditionelle Veranstaltung der Kita Land-Kinder-Land hofft das sechsköpfige Erzieherteam um Andrea Neitsch in diesem Jahr noch immer: den Lampionumzug im November 2020 in Hornow.

Kapazitäten der Wadelsdorfer Kita ausgelastet

Doch nicht nur die abgesagte Feier erschweren die aktuelle Kita-Situation redlich. Durch die Notbetreuung dürfen nämlich nicht alle Kinder die Einrichtung besuchen. Derzeit sind es nur 20 Kinder täglich. 18 Kinder müssen aufgrund der Corona-Auflagen zu Hause bleiben und stattdessen von der Familie betreut werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wadelsdorfer Kindergartenkinder nicht ausschließlich aus dem Kita-Ort kommen. Im „Normalfall“ reisen sie aus Hornow, Lieskau, Wolfshain, Klein Loitz, Reuthen, Spremberg, Sellessen und Groß Luja an. Die Kapazitäten der Einrichtung sind voll ausgelastet und laut Aussagen, wird für „Kindernachschub“ stets gesorgt.
Obwohl der regelmäßige Schwimmhallenbesuch im Spremberger Bad durch die Corona-Krise schon seit Wochen nicht mehr stattfindet, lassen die Wadelsdorfer keine Langeweile aufkommen. So wird einmal wöchentlich das Walddomizil aufgesucht. Selbstverständlich in unterschiedlichen Gruppen und zu unterschiedlichen Zeiten. Der „Waldtag“ steht bereits schon lange hoch im Kurs bei den Kindern.
„Seit Jahren haben wir die Zustimmung des Waldbesitzers, dass wir den Wald in der Nähe der Kita nutzen dürfen. Dieser Ausflug gilt bei unseren Kindern geradezu als Highlight“, sagt Kita-Leiterin Andrea Neitsch. Dort können die Kinder Buden bauen, klettern oder den Wald erkunden. Trotz des munteren „Flohzirkus“ sei es im Wald stets erholsam, ergänzt die 49-Jährige.
Obwohl alle Wadelsdorfer das Ende der Corona-Beschränkungen herbeisehnen, sorgt ein anderes Ereignis für ungleich mehr Aufregung:
Denn die ehemalige Schule, ein Flachbau aus den 70er Jahren, wird demnächst abgerissen. Das Objekt steht mit auf dem Kita-Gelände und war noch bis vor circa fünf Jahren in Betrieb. Seit dem vergangenen Jahr steht nun allerdings fest, dass für die Wadelsdorfer auf diesem Areal eine neue Kita entstehen soll. Auf jeden Fall wird der Bau mit Fördermitteln bezuschusst.

2022 soll neue Kita in Wadelsdorf öffnen

Geplant ist die Fertigstellung der Kita für 2022. Die Erzieher hoffen derweil, dass dieses Ziel trotz Corona eingehalten werden kann. Der dann neu gebaute Flachbau soll in die Bereiche Krippe, Kita und Hort geteilt werden. Der alte Baumbestand wie Eichen, Buchen und Linden soll dafür nicht etwa weichen, sondern wird in die Gestaltung integriert. Schließlich wolle man von den Schattenspendern im Sommer profitieren. Weiterhin sind auch ein Bewegungsraum und Terrassen in der Planung verankert. Die Erzieher und Kinder freuen sich schon jetzt, wenn sie von ihrem jetzigen Gutshaus aus die Entstehung der neuen Kindereinrichtung hautnah miterleben können.

Hornow/Wadelsdorf

Eigentümer des Hauses ist die Stadt Spremberg und der Verein gilt als Mieter. Schon jetzt sind sich die Erzieher einig: Die neue Kita bringt auf jeden Fall Arbeitserleichterung und kürzere Wege. Doch besonders die langjährigen Mitarbeiter wissen, dass das Gutshaus seinen ganz eigenen Charme hat. Erzieherin Ramona Krautz gehört dort zum Urgestein und beobachtete schon längst, dass „ihre Kinder“ sportlich geblieben sind. „Der Grund dafür sind die hohen Treppen, die sich im Gutshaus befinden. Unsere Kinder sind einfach Treppen steigen über Jahre gewöhnt und haben keine Höhenangst“, so Ramona Krautz, die damals die Idee für das Kita-Konzept als Verein lieferte.

Geschichte der Wadelsdorfer Kindereinrichtung


Das Gutshaus wurde seit 1984 als Krippe im Ort genutzt. Nach der Wende ist es zur Kindertagesstätte umfunktioniert worden. Damals wurden 80 Kita- und Hortkinder betreut. Die 58-jährige Ramona Krautz ist mit diesem Haus fest verwurzelt, war sie doch mehr als 30 Jahre lang Leiterin des Objekts, bevor 2007 Andrea Neitsch das Zepter übernahm. „Es war eine arbeitsreiche und aufregende Zeit mit vielen Veränderungen. Es mussten viele Entscheidungen getroffen werden. Aber wir haben immer das Beste daraus gemacht“, sagt Ramona Krautz, die zudem versichert, den anstehenden Kita-Neubau genau zu verfolgen. Der „Noch-Spielplatz“ am Gutshaus ist für die 58-Jährige schon heute Nostalgie pur.