Die Interessengemeinschaft der Lausitzer Gästeführer bestätigt einen Komplettausfall der Aufträge fürs Frühjahr. Stadt- und Parkführungen sind abgesagt, Radwanderungen und Busreisen storniert. Ganze Freizeitprogramme liegen auf Eis.

Lausitzer Gästeführer machen schwere Zeiten durch

Barbara Matthias, im Vorstand der Interessengemeinschaft verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, hat unter den 26 Mitgliedern der IG Lausitzer Gästeführer herumgefragt. „Alle bestätigen den heftigen Einbruch. Die einen trifft das existenziell, andere können die Einbußen abfedern. Wir tun es ohnehin vor allem mit Herz“, erklärt sie.

Und obwohl Barbara Matthias noch auf den Mai hofft, bewege sich die Stornierungswelle bereits bis in den Juni hinein. „Wir sichten derzeit die Hilfsprogramme der Regierung für Soforthilfen. Was wir dabei erfahren, was uns motiviert, das teilen wir uns mit – per Mail oder besser gleich am Telefon“, sagt Barbara Matthias. Sie ist Optimistin und schätzt Märchen.

Am 23. März hat sie an die Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben. „Wir sind schließlich beide gleich alt“, erklärt Barbara Matthias. Mit einer Antwort rechnet sie nicht. „Ich habe ja nichts gefragt.“ Sie musste Angela Merkel einfach ermuntern, keine Angst zu haben, Entscheidungen zu treffen. Selbst vor Fehlentscheidungen solle sich die Kanzlerin nicht fürchten.

Wie ein Märchen werde auch die Corona-Krise insgesamt ein gutes Ende finden, da ist sich Barbara Matthias sicher. Nur dass die Menschen danach grundsätzlich geläutert sind, glaube sie nicht. „Wenn ein Virus unsere Tiere heimsucht, können wir sehr pragmatisch entscheiden, wann gekeult wird“, sagt sie, „aber diesmal trifft der Virus mit seinen Mutationen uns Menschen.“

Lausitzer Gästeführer setzen sich für sanften Tourismus ein

Es sei gut gewesen, dass der 5. Deutsche Gästeführertag in Straubing in Ostbayern noch stattfinden konnte – und der Weltgästeführertag am 22. Februar in Lübben. Davon zehren die Gästeführer. Der sanfte und nachhaltige Tourismus war erneut Thema. Maren Richter, die Vorsitzende des Bundesverbandes Gästeführer Deutschland, sagte in Straubing: „Wir vermitteln eine neue Sicht auf unsere Orte und Regionen und bieten ein authentisches Erlebnis.“ Automatisierbar sei dieser Beruf deshalb nicht, sondern da stehe ein Gästeführer, eine Gästeführerin mit einem speziellen Wissen, einem Leben, einem Gesicht.

Gesicht zeigen wollen die Gästeführer der Lausitz deshalb auch jetzt ganz ohne Reisegruppen: von Birgit Kalz aus Schlabendorf, Vorsitzende der Lausitzer IG, und ihren Stellvertreter und Cottbuser Postkutscher Ronne Noack bis zu Cornelia Schnippa in Tätzschwitz in Sachsen, Gisela Christl in Lübben oder Manfred Kliche aus Raddusch. Wie Barbara Matthias erklärt, werde weiter an Schwerpunktthemen gearbeitet. Ein Positionspapier zu Gästeführungen in der Stiftung Park und Schloss Branitz sei zum Beispiel gerade fertiggestellt worden.

Zudem stehe das Motto für den Weltgästeführertag 2021 fest: „Musik liegt in der Luft“. Ein weites, fröhliches Thema, welches viele Möglichkeiten zur Umsetzung bietet. Eingereicht hatte das Motto Simone Hülsenbeck-Lindenberg für den Verein der Stadtführer von Magdeburg, Geburtsstadt von Georg Philipp Tlemann.

Lausitzer Gästeführer sind geübt im touristischen Spagat

Die Gästeführer sind seit Jahren geübt im Spagat zwischen kulturellen und natürlichen Denkmalen und den Trends im Tourismus. Barbara Matthias führt sonst Gäste durch Spree-Neiße und das Seenland. Und sie führt mit ihrem Mann den Pinokkio-Hof in Bloischdorf, Ortsteil der Gemeinde Felixsee. Sie bietet dort Kurse und Vorträge an, hat immer wieder Besucher, die den Nutzen regenerativer Mikroorganismen im Naturkreislauf auf dem kleinen Hof lernen wollen.

Auch ein Stück Wald gehört zu dem, was sie „beackern“. „Gerade sind wir von einem Waldeinsatz mit unserem Pferd Tessa zurück. Zum zweiten Mal haben wir dort eine Familie getroffen“, erzählt Barbara Matthias, „diesmal eine Familie mit drei Kindern, die auf Geocaching-Suche waren.“ Ein Geocach ist am Wald versteckt, am alten Waldfriedhof. Vor der Coronakrise waren ihr dort nie Suchende aufgefallen.