(ang) Rund 100 Grundschüler des Lausitzer Haus des Lernens, das sich in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Familienwerkes befindet, haben in den vergangenen Projekttagen viel über den Kontinent Afrika gelernt. Das Projekt „Kontinent der Vielfalt – Afrika erleben“, das von Engagement Global durchgeführt und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird, soll den Kindern die Vielfalt des Kontinents Afrika näher bringen.

Jede Klassenstufe hat sich daher mit einem anderem Schwerpunktthema beschäftigt.  Die zweite Klasse hat sich dem Plastik gewidmet. Plastik ist inzwischen überall. In Verpackungen, in Trinkbechern – ja sogar in den Tiefen der Ozeane. Laut Schätzungen werden jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik im Meer entsorgt. Die Kinder haben gelernt, dass Meerestiere aufgrund des Plastikmülls qualvoll verenden. Sie haben aber auch erfahren, dass afrikanische Länder wie Ruanda, Eritrea und Kenia harte Anti-Plastik-Gesetze erlassen haben. Gerade Kenia hat 2017 das schärfste Plastiktütengesetz der Welt verabschiedet. Bis zu vier Jahre Haft  oder 40 000 US-Dollar Strafe können Plastiktütensündern dort drohen. In Ruanda ist es bereits seit 2008 verboten, Plastiktüten zu importieren, zu produzieren, zu verkaufen oder auch einfach nur zu besitzen. Und dieses Verbot setzt die Regierung rigoros durch. Die Grundschüler in Spremberg zählen Alternativen auf: „Man kann Dinge auch in Pappe, Papier, Stoff oder Glas verpacken“, berichtet Helena stolz. Afrikanische Länder können demnach auch Vorbilder sein.

Erschreckend fanden Til, Joanna und Elias aus der fünften Klasse, wer denn am meisten beim Verkauf von Bananen verdient. Es seien nicht die Plantagenarbeiter, die mühevoll die Früchte im Kamerun pflücken, sondern die Unternehmen und Supermärkte. „Bei dem Verkauf von einem Kilogramm Bananen für etwa einen Euro verdient der Supermarkt 41 Prozent daran. Die Plantagenarbeiter aber nur sieben Prozent“, erklärt Joanna. Sie hat gelernt, dass Kamerun weltweit ein starkes Land in der Bananenproduktion ist. Kameruns Bananenproduktion boomt. Doch viele Einheimische erhalten nur einen Hungerlohn. Das findet Joanna schade. Einige Völkerstämme in Kamerun geraten auch in die Zwangsarbeit.

Die Schüler der dritten Klasse haben sich mit Trommeln beschäftigt. Sie konnten das Trommeln auf so genannten Djembes selbst ausprobieren und lernten, dass Trommeln früher zur Nachrichtenübermittlung genutzt wurden. Sie dienten aber auch zur Unterstützung von Kampfhandlungen. Besonders wichtig war das Trommeln bei Festen und Ritualen, zum Beispiel bei Geburten oder Beerdigungen.

Die vierte Klassenstufe hingegen hat das Thema  Arm und Reich genauer unter die Lupe genommen. Die Schüler haben erfahren, dass Menschen des afrikanischen Kontinents oft als arm gelten, aber nicht alle sind arm. In Südafrika leben einige Afrikaner in Prunkvillen, während andere in Elendsvierteln an den Stadträndern leben. „Ob einer arm oder reich ist, kann man zum Beispiel an den Frisuren erkennen. Ein Friseurbesuch ist in Afrika nämlich teuer“, berichtet Jette aus der vierten Klasse. Sie erfahren aber auch wie sich die Afrikaner kleiden, mit was sie spielen oder wie sie auf langen Wegen Wasser transportieren.

„Unsere Kinder sollen durch die Sicht auf den anderen Kontinent Werte wie Toleranz erfahren. Sie sollen merken, dass es nicht allen so gut geht wie uns hier“, erläutert Schulleiterin Ute Schenk. Auch der Namenspatron der Schule Albert Schweitzer hatte sich einst als Arzt sehr für den afrikanischen Kontinent stark gemacht.

Am Nachmittag hatten die Schüler letztendlich noch die Gelegenheit ihre Ergebnisse dem Entwicklungsminister Gerd Müller und ihren Eltern vorzustellen und zu präsentieren.