Erstmalig in Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) drei Brandenburger Landkreise in die Liste der FSME-Risikogebiete aufgenommen: Achtung, erhöhte Zeckengefahr heißt es nun auch in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Oder-Spree. Zudem ist der sächsische Kreis Görlitz als Risikogebiet neu ausgewiesen worden. Der Landkreis Bautzen war es schon zuvor. Mit dem schönen Frühlingswetter nimmt die Zeckengefahr aktuell wieder zu.
  • Ist eine Zeckenschutzimpfung für alle Einwohner in Risikogebieten sinnvoll?
  • Wer sollte sich impfen lassen?
  • Wie gefährlich ist die Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME)
Sollen sich in den neuen Risikogebieten nun alle Einwohner eine Zeckenschutzimpfung abholen? „Impfungen sind zu empfehlen, wenn Menschen sehr viel draußen arbeiten oder sich gerne und häufig in waldigen und grasreichen Gebieten aufhalten. Nicht jede oder jeder muss sich impfen lassen, aber empfehlenswert ist es“, sagt Dr. Frank Dörner. Der Allgemeinarzt ist Impfexperte im Centrum für Gesundheit der AOK Nordost in Berlin.

Neue FSME-Risikogebiete in Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Oder-Spree und Görlitz

Achtung, erhöhte Gefahr durch das von Zecken übertragene FSME-Virus heißt es nun auch in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Oder-Spree. Zudem ist der sächsische Kreis Görlitz als Risikogebiet ausgewiesen worden. Der Landkreis Bautzen war es schon zuvor.
Achtung, erhöhte Gefahr durch das von Zecken übertragene FSME-Virus heißt es nun auch in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Oder-Spree. Zudem ist der sächsische Kreis Görlitz als Risikogebiet ausgewiesen worden. Der Landkreis Bautzen war es schon zuvor.
© Foto: Schubert/LR
Bei häufigen Aufenthalten in Risikogebieten sei eine Impfung sinnvoll, um der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) vorzubeugen. Frank Dörner warnt: Die FSME kann als eine Form der Hirnhautentzündung bezeichnet werden, die schwere Komplikationen mit sich bringen kann.
Zecken übertragen Erkrankungen, die langfristige Folgen haben können und sollten daher ernstgenommen werden, betont der Allgemeinmediziner. Generell sei eine gute (Bein-)Kleidung und das Kontrollieren nach Spaziergängen in waldigen und grasreichen Gebieten sinnvoll. Das ist trotz möglicher Immunisierung gegen FSME wichtig. Denn eine Schutzimpfung gegen eine bakteriellen Infektion, die Borreliose, gibt es nicht.
Dr. Frank Dörner ist Allgemeinarzt und Impfexperte im Centrum für Gesundheit der AOK Nordost in Berlin.
Dr. Frank Dörner ist Allgemeinarzt und Impfexperte im Centrum für Gesundheit der AOK Nordost in Berlin.
© Foto: Frank Dörner

Zur Person: Dr. Frank Dörner

Dr. Frank Dörner 56 Jahre und Facharzt für Allgemeinmedizin im Centrum für Gesundheit der AOK Nordost seit 2015. Neben der Allgemeinmedizin leitet er das Wundzentrum. Er war 2015 Mitbegründer der Seenotrettungs-Organisation Sea Watch und war seit 1998  für „Ärzte ohne Grenzen“ unter anderem in Guatemala, Myanmar und Sudan tätig. Von 2008 bis 2014 war er Geschäftsführer von „Ärzte ohne Grenzen“ in Berlin. Im November 2014 war er in Sierra Leone während der Ebola-Epidemie tätig. Frank Dörner ist verwitwet und hat einen Sohn.

Mediziner warnt vor FSME und langfristigen Folgen durch Zeckenbiss

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Infektion, die durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen wird und weit verbreitet ist. Erste Anzeichen einer Infektion sind runde Hautrötungen um die Einstichstelle herum (Wanderröte) einige Tage oder auch Wochen danach.
Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektion in Europa. Das Risiko, eine Infektion mit Borrelien zu bekommen, ist um vieles größer als bei FSME. Durch ein schnelles Entfernen der Zecke unmittelbar nach dem Einstich kann eine Infektion zwar meistens vermieden werden. Das Problem: Da die Zecke beim Stich ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel verabreicht, bleibt der Stich oft lange unbemerkt und wird zu spät oder gar nicht behandelt.

Frühe Behandlung mit Antibiotika bei Borreliose

Die Infektion kann verschiedene Organe betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Dr. Frank Dörner: „In unseren Gefilden kommt nur die sogenannte Lyme-Borreliose endemisch vor, auf anderen Kontinenten gibt es weitere Formen. Die Erkrankung beginnt oft mit Hautrötung nach wenigen Tagen und kann Haut, Gelenke und das Herz betreffen.“ Eine frühe medikamentöse Behandlung mit Antibiotika könne aber eine schnelle Heilung erzielen. Immerhin: Eine direkte Übertragung der Borrelien von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt; erkrankte Personen sind also nicht ansteckend.

Borreliose: Fälle in Deutschland, Brandenburg und Sachsen

2021 gab es landesweit nach der RKI-Übersicht insgesamt 1911 Borreliose-Fälle, die meisten davon in Dresden, dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und dem Erzgebirgskreis.
Der lästige Blutsauger breitet sich im Bundesgebiet immer weiter ausvon Süden nach Norden. Besonders hoch ist die Zeckengefahr in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen.
Im Freistaat sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) seit Jahresbeginn bis vergangene Woche 139 Neuinfektionen mit Borreliose gemeldet worden, das sind 42 weniger als zum gleichen Zeitpunkt 2021, wo 181 zu Buche standen.
Borreliose Selbsthilfegruppe Brandenburg Wenn Zecken das Leben zur Hölle machen

Cottbus

Thema Zecken und Impfen verstärkt in den Medien

In Brandenburg wurden bisher 67 Infektionen gemeldet und damit so wenige wie in diesem Zeitraum seit 2013 nicht mehr. Allerdings schwanken die Infektionszahlen wegen unterschiedlicher Wetter- und Temperaturverhältnisse von Jahr zu Jahr teils deutlich, wie ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums bestätigt.
Möglicherweise habe auch die stärkere Berichterstattung über das Thema in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass sich Menschen vorsichtiger verhalten würden. Auch mit der noch bis zum 30. April laufenden Europäischen Impfwoche soll die Bevölkerung für die Bedeutung von Impfungen sensibilisiert werden. Ziel sind höhere Impfquoten.

Das sind die Fakten zur Zeckenschutz-Impfung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, auch FSME genannt, ist eine Viruserkrankung, die zu Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündung führen kann. Übertragen werden die Viren durch Zeckenstiche. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher allen Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten, sich gegen FSME impfen zu lassen.
Das FSME-Virus wird von Zecken übertragen und kann zu einer Hirnhautentzündung führen. Die sogenannte Zeckenschutzimpfung schützt nicht vor der ebenfalls von Zecken übertragenen Borreliose, auch „Wanderröte“ genannt, die von Bakterien verursacht wird, erklärt die AOK Nordost auf ihrer Internetseite. Die Krankenkasse empfiehlt die drei Impfungen für alle, die in FSME-Risikogebieten in Deutschland leben oder in diese reisen: „Lassen Sie diese Grundimmunisierung bei bestehendem Risiko regelmäßig bei Ihrem Hausarzt auffrischen.“