Von Andrea Budich

Die Taschen sind gepackt, die zwei Transporter bestellt und das Equipment ein letztes Mal überprüft – auf nach London! An diesem Freitag, Punkt 7 Uhr, starten 13 Studenten aus dem Team „Lausitz Dynamics“ zum Shell Eco-Marathon in der Mercedes Benz-World in London. Zum Gepäck gehören auch zehn Ersatzreifen.

Die BTU-Studenten aus Lübbenau, Schwarzheide, Senftenberg und Forst sind dabei, wenn 161 Teams aus 25 Ländern Europas und Afrikas ihre Ideen von künftiger Mobilität und innovativem Design präsentieren.

Dieselfahrverbote, Tempolimit auf Autobahnen, Fridays for Future, Elektromobilität – selten war die Gemengelage, in der Studenten zum Shell Eco-Marathon antreten, aktueller als diesmal. Die Nachwuchs­ingenieure aus Senftenberg gehen dabei mit einem wasserstoffbetriebenen Automobil an den Start.

Ihr „Lupus“ – zu Deutsch der Wolf – liegt schnittig auf der Teststrecke. Vor allem bei den beiden Fahrern Niklas Richter und Pascal Fritzsche ist die Nervosität groß, als „Lupus“ am Dienstagabend lautlos an den Start rollt, um auf dem Testoval vor der Skihalle einige Runden zurückzulegen. Die Rückschläge der vergangenen Wochen stecken noch in ihren Knochen. Erst die Lieferschwierigkeiten bei den Bremsen, die nicht rechtzeitig eingebaut werden konnten. Dann die ausgefallene Testfahrt auf dem Lausitzring. Und schließlich das Regen-Desaster bei der Feuertaufe von „Lupus“ in der Vorwoche.

„Die Konkurrenz schläft aber nicht“, stellt Niklas Richter klar. Der 23-jährige Maschinenbaustudent hat schon Erfahrungen als Pilot aus dem Vorjahr. Damals gingen die BTU-Studenten noch mit „Mammut“ an den Start. Das Energiesparmobil schaffte es beim Wertungslauf in London aber nicht ins Ziel. Das soll dieses Mal besser laufen. Dafür haben die Jung-Ingenieure von der BTU alles gegeben. Bei Lupus ist bis zur letzten Schraube alles in Eigenregie entwickelt worden. Monatelang haben sie an „ihrem Baby“ im Werkzeug-Maschinenlabor getüftelt, geschraubt, gesägt und geleimt.

Zwischen „Mammut“ und „Lupus“ liegen daher Welten. Nicht nur, was den Namen betrifft. Mammut - das klingt  schwer, träge und behäbig. „Lupus“ hingegen geschmeidig und leicht. „Der in der Lausitz wieder heimisch gewordene Wolf soll uns in diesem Jahr mehr Glück bringen“, erklärt Peter Laube, künftiger Wirtschaftsingenieur aus Münster. Neben dem Unterboden, der neuen Telemetrie und dem neuen Bremssystem, gibt es viele kleinere Veränderungen. Die Cartschale als Fahrersitz zum Beispiel spart ziemlich viel Gewicht. Und der weiße Lack wurde gewählt, damit sich das Auto durch die starke Sonneneinstrahlung nicht mehr so schnell aufheizt.

Für London hat die eingeschworene Truppe nur ein Ziel: Den Wertungslauf zu schaffen und somit besser zu sein als im Vorjahr. Mit den neuen technischen Details erhoffen sich die Studenten eine gute Platzierung in der Kategorie  Urban Concept, bei der die Autos für den Straßenverkehr tauglich sein müssen.

Damit der „Weiße Wolf“ in London läuft, wünschen sich die Nachwuchsingenieure für die vier Wertungsläufe kühle 20 Grad und  eine ordentliche Luftfeuchte. „ Wenn die Brennstoffzellen befeuchtet sind, ist der Wirkungsgrad höher“, erklärt der Elektrotechnikstudent Ramon Roy (20), der erstmals in der Tüftler­werkstatt mitgewirkt hat.

Für das Senftenberger Zukunftsmobil, das in London gegen die internationale Konkurrenz antritt, haben sich 30 Unterstützer aus der Region gefunden. Unterm Strich sind für „Lupus“ 8000 Euro zusammengekommen. „Wir würden uns wünschen, dass die Sponsorensuche einfacher wäre“, sagt Christin Faulstich, die seit zehn Jahren das Projekt begleitet und auch dieses Mal als gute Seele des Teams  mit dabei ist. „Wir veranstalten damit kein Halligalli, sondern wollen die jungen Leute  realistisch ins Berufsleben bringen“, erklärt sie.

Den „Lupus“-Machern indes ist ihr Automobil sehr ans Herz gewachsen. Obwohl die Semester-Abschlussprüfungen anstehen, sind sie auf die London-Schlacht fokussiert. „Lupus wird  laufen und zeigen, wie zäh er ist“, zeigt sich Pascal Fritzsche aus Schwarzheide überzeugt. Der Maschinenbaustudent im 6. Semester ist einer der zwei Fahrer von „Lupus“. „Im Cockpit ist es sehr eng und ziemlich heiߓ, freut sich der 21-Jährige schon auf seine Feuertaufe beim  Shell Eco-Marathon.