Verein in Senftenberg
: Lausitzer Bergleute wollen an die Ampeln - aus diesem Grund

Seit 2001 gibt es den Verein Lausitzer Braunkohle Senftenberg. Viele Projekte haben die Mitglieder umgesetzt. Jetzt plant der Bürgermeister mit ihnen einen neuen Coup im Stadtbild.
Von
Torsten Richter-Zippack
Senftenberg, Geierswalde
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Anlässlich des 25. Gründungstages des Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg durfte Mitglied Wolfgang Pietrzak die Fahne zur Festveranstaltung an der Geierswalder Grubenlampe tragen.

Anlässlich des 25. Gründungstages des Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg durfte Mitglied Wolfgang Pietrzak die Fahne zur Festveranstaltung an der Geierswalder Grubenlampe tragen.

Torsten Richter-Zippack
  • Senftenberg plant Ampeln mit Bergmann-Symbolen – Behörden prüfen, Orte noch offen.
  • Anlass ist das 25-jährige Bestehen des Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg.
  • Der Verein bewahrt Bergbauerbe: Bagger­schaufel am Koschener Kanal, Schieber-Denkmal am See.
  • Bürgermeister betont: Region und Strukturwandel sind ohne Bergbau nicht zu verstehen.
  • Senftenberg profitiert von Kohle-Geldern, etwa für Neue Bühne und Niederlausitzhalle.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Um das Jahr 1860 ist in Senftenberg erstmals Braunkohle entdeckt worden. Und vor nunmehr 160 Jahren, anno 1866, hatte der Senftenberger Mühlenmeister Heinrich Schönerstedt den Schacht Heinrich teufen lassen. Nur drei Jahre später kauften die Henkelschen Kohlenwerke die Anlage. In den nachfolgenden Jahren nahmen immer mehr Braunkohlengruben und Brikettfabriken ihren Betrieb auf.

Senftenberg wuchs nach und nach zur Hauptstadt des Lausitzer Braunkohlenreviers heran. Zählte die Stadt im Jahr 1875 noch knapp 2900 Einwohner, waren es im Jahr 1985 mehr als 32.000 Einwohner. Heute leben rund 23.000 Menschen in der Stadt, einschließlich ihrer sechs Ortsteile.

Es ist ein spannendes Gedankenspiel: Wie sähe Senftenberg heute aus, hätte es den Bergbau in der Region nicht gegeben? Vielleicht hätte die Stadt schätzungsweise 8000 bis 10.000 Einwohner, wäre mehr oder weniger bedeutungslos, besäße keinen See und kein Seenland, ebenso kein Klinikum in dieser Größe. Auch das Theater würde es wahrscheinlich nicht geben. Die meisten Arbeitnehmer müssten in die Ferne pendeln.

Tatsächlich scheint heute die Erinnerung an die fast anderthalbhundertjährige Senftenberger Bergbauzeit zu schwinden. Den See beispielsweise nähmen viele Besucher gar nicht mehr als geflutete Braunkohlengrube wahr. Das hat Helmut Franz, Vorsitzender des Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg, gesagt. Der Verein hat jetzt in Geierswalde sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Er war im Jahr 2001 gegründet worden. Als Hauptziel haben sich die Bergmänner und Bergfrauen die Bewahrung des Wissens um den Bergbau in der Region auf die Fahnen geschrieben.

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Mehrere Projekte wurden bereits umgesetzt. So erinnert eine Baggerschaufel am Koschener Kanal an die Braunkohlenzeit. Und am Senftenberger See sorgt das Schieber-Denkmal dafür, dass niemand vergisst, als der Tagebau Niemtsch mit Wasser aus der Schwarzen Elster zum Senftenberger See geflutet wurde. Das war übrigens von 1967 bis 1972. Und am 1. Juni 1973 wurde der erste Badestrand in Großkoschen freigegeben.

Zur 50-jährigen Wiederkehr dieses Ereignisses hatte der Traditionsverein Braunkohle Senftenberg im Juni 2023 eine Landesbergparade mit rund 300 Teilnehmern aus mehreren Bundesländern auf die Beine gestellt.

Das haben die Senftenberger Bergleute als Nächstes vor

Und jetzt planen die Bergleute ihren nächsten Coup. Beziehungsweise der Senftenberger Bürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU), der auch Mitglied im Traditionsverein Braunkohle Senftenberg ist. Pfeiffer kündigt an, die Bergbautradition für jedermann sichtbar im Stadtbild etablieren zu wollen.

Konkret sollen künftig Ampelmännchen in Form von Bergleuten Passanten sicher den Weg über die Straße weisen. Also statt der „normalen“ Ampelmännchen könnten, sofern die zuständigen Behörden ihren Segen erteilen, grüne und rote Bergleute den Verkehr regeln. Ab wann und wo genau dieses Projekt umgesetzt wird, hat Pfeiffer noch nicht verraten.

Vielleicht weist statt des Ampelmännchens bald ein Bergmann den Weg über die Senftenberger Kaufhauskreuzung. Das Ganze wird derzeit geprüft.

Vielleicht weist statt des Ampelmännchens bald ein Bergmann oder ein Bergmännchen den Weg über die Senftenberger Kaufhauskreuzung. Das Ganze wird derzeit geprüft.

Torsten Richter-Zippack

Fakt ist, dass es derzeit in Senftenberg um die 15 Ampelanlagen gibt. Prädestiniert wäre etwa die reichlich frequentierte Kaufhauskreuzung. Dort treffen Steindamm, Westpromenade und Bahnhofstraße aufeinander.

Andreas Pfeiffer: Region ohne Bergbau nicht zu begreifen

In der Vergangenheit war kritisiert worden, dass es in Senftenberg kein zentrales Bergbaudenkmal gebe. Besonders der Künstler Götz Wendt hatte dies moniert. Vonseiten der Stadt wird indes auf die Hinweise und Informationen in der Landschaft direkt an Ort und Stelle verwiesen. Für Bürgermeister Pfeiffer ist es wichtig zu wissen, dass die „Region ohne den Bergbau nicht zu verstehen sei“. Und den heutigen Strukturwandel, der mit Milliarden Euro den Kohleausstieg in Deutschland fördert, hätte es ohne Bergbau nie gegeben.

Senftenberg profitiert von den Geldern aus dem Lausitzer Kohletopf mehrfach. Beispielsweise durch die Förderung der Erweiterung des Werkstattgebäudes an der Neuen Bühne, dem ehemaligen Theater der Bergarbeiter. Oder durch die Umgestaltung der Niederlausitzhalle zu einem modernen Multifunktionsbau, dessen Schwerpunkt die sportliche Nutzung bleibt.

Nicht zuletzt wäre Senftenberg heute kein staatlich anerkannter Erholungsort. Denn ohne den See wären die entsprechenden Voraussetzungen nicht gegeben. Die Seestadt darf diesen Titel bereits seit nunmehr zehn Jahren führen. Kein Wunder, dass auch das zentrale Motto der Touristiker „Vom Bergmann zum Seemann“ lautet.

Der Traditionsverein Braunkohle Senftenberg – ein Steckbrief

Die Idee zur Gründung eines Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg ist bereits Ende der 1990er-Jahre entstanden. Ein Protagonist war der damalige Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff. Am 11. Januar 2001 fand eine entsprechende Versammlung im Barbarasaal von Bergbausanierer LMBV statt. Die eigentliche Gründung wurde am 22. Februar 2001 vollzogen.

Von den acht Gründungsmitgliedern sind heute noch fünf aktiv. Dabei handelt es sich um Herbert Ertelt, Walter Karge, Wolfgang Kaiser, Heinz Müller und Kathrin Winkler. Der Traditionsverein Braunkohle fühlt sich der wechselvollen Geschichte der Bergleute im Senftenberger Revier verpflichtet.

Bereits am 17. Juni 1900 hatte der Bergmannsverein für Senftenberg und Umgebung „Glück Auf“ seine Fahnenweihe mit einem Festzug durch die namensgebende Stadt gefeiert. Dabei waren Vereine aus Bokcwitz (heute Lauchhammer-Mitte), Kostebrau, Klettwitz und Rauno.