Tag des offenen Denkmals
: Schrotholzhaus in Lieske – was sich im alten Gebälk verbirgt

Alljährlich im September öffnen sonst verschlossene Denkmale ihre Pforten für jedermann. Auch in und um Senftenberg warten Schätze, wie das Schrotholzhaus in Lieske.
Von
Torsten Richter-Zippack
Senftenberg
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Einst verbarg sich der Giebel des Schrotholzhauses hinter einer Steinwand. Diese wurde inzwischen entfernt. Jetzt beschützen ältere Bäume das Häuschen.

Einst verbarg sich der Giebel des Schrotholzhauses hinter einer Steinwand. Diese wurde inzwischen entfernt. Jetzt beschützen ältere Bäume das Häuschen.

Einst verbarg sich der Giebel des Schrotholzhauses an der Liesker Dorfstraße hinter einer Steinwand. Diese wurde entfernt. Jetzt beschützen ältere Bäume das Häuschen vor dem Verkehr auf der nahen B156 bei Senftenberg.

Torsten Richter-Zippack

Die B156 ist eine eigenwillige Bundesstraße. Sie führt zunächst von Bautzen nach Bad Muskau gen Nordost, wechselt dann aber abrupt gen Westen, um über Spremberg in Richtung Senftenberg zu eilen. Mehr noch: Zwei Mal gibt es den Ort Lieske an dieser Bundesstraße. Eines liegt an der Spree, das andere am Sedlitzer See. Letzteres besticht mit einer reizvollen Fachwerkkirche und einem gepflegten Anger.

Doch ein weiterer, nicht minder spannender Schatz verbirgt sich hinter hohen Bäumen, aber immer noch direkt an der B156. Besucher dürfen anlässlich des Tages des offenen Denkmals an diesem Wochenende einen Blick hinter das windschiefe Tor mit der Nummer 30 werfen. Denn dort wartet der Dreiseitenhof von Cornelia Schnippa. Sofort ins Auge fällt das aus Holzbohlen erbaute Wohnhaus, das einst als erste Schule in Lieske diente. „Baujahr 1716“, sagt Cornelia Schnippa nicht ohne Stolz. Ein echtes Lausitzer Schrotholzhaus. Früher gab es gerade in der waldreichen mittleren Lausitz Tausende davon.

Was die Besucher in Lieske erleben können

Wer über die Schwelle tritt, spürt sofort den Charme längst vergangener Zeiten. Neben dem behaglich anmutenden Wohnzimmer warten die schwarze Küche sowie weitere architektonische Höhepunkte. Cornelia Schnippa hat das Gebäude in den vergangenen sieben Jahren durch heimische Firmen sanieren lassen. Jetzt seine die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Das Bemühen hat sich gelohnt: Für ihr Projekt gewinnt die heute in Tätzschwitz lebende Frau den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis 2024.

Sowohl am 7. als auch am 8. September, jeweils von 10 bis 17 Uhr, wartet auf die Besucher Geschichte zum Anfassen. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Markt, Musik und Mummenschanz. Zudem werde das Dorfleben der Sorben/Wenden präsentiert. Parkplätze vor dem Anwesen in der Liesker Dorfstraße 30 sind jedoch knapp. Wer mit dem Auto anreist, kann dieses bereits auf dem großen Parkplatz am Ortseingang aus Richtung Senftenberg oberhalb des Sedlitzer Sees abstellen.

Was Lauchhammer und Ruhland zu bieten haben

Auch in Lauchhammer wird zum Denkmaltag eingeladen. Im Kunstgussmuseum lädt Kustodin Antje Bräuer am 8. September um 14 Uhr und um 15.30 Uhr zu Führungen unter der Überschrift „Lauchhammer in aller Welt“ ein. Das Kunstgussmuseum im Stadtteil Ost wurde einst als Volksschule erbaut und diente später als Bronzeschule.

Kustodin Antje Bräuer (50), Chefin im Kunstgussmuseum Lauchhammer, hat den Überblick über den etwa 2800 Stücke umfassenden Modellfundus – wiederentdeckt vor mehr als 30 Jahren auf dem Dachboden der Kunstgießerei.

Kustodin Antje Bräuer (50), Chefin im Kunstgussmuesum Lauchhammer, ist stolz auf den etwa 2800 Stücke umfassenden Modellfundus - wiederentdeckt vor mehr als 30 Jahren auf dem Dachboden der Kunstgießerei.

Kustodin Antje Bräuer, Chefin im Kunstgussmuseum Lauchhammer, hat den Überblick über den etwa 2800 Stücke umfassenden Modellfundus. Am Tag des offenen Denkmals bietet Bräuer mehrere Führungen durch ihr Haus an.

Rita Seyfert

In Ruhland kann diesen Sonntag von 13 bis 18 Uhr die evangelische Stadtkirche auf dem Kirchplatz von innen besichtigt werden. Vor genau 250 Jahren war der Neubau des Gotteshauses eingeweiht worden. Dessen Vorgänger fiel dem großen Stadtbrand von 1768 zum Opfer. Laut der örtlichen Kirchengemeinde soll zum Tag des offenen Denkmals die Entwicklung des Kirchenbaus präsentiert werden.

Das Gutshaus Schwarzbach öffnet am 7. und 8. September zur Besichtigung. Es gibt mehrere Führungen. Darüber hinaus lädt am 8. September zwischen 15 und 18 Uhr die Kita Schlossgeister Schwarzbach zum Tag der offenen Tür ein. Im Nachbarort Guteborn kann am 8. September zwischen 11 und 17 Uhr ein Blick auf das Gesindehaus am ehemaligen Schloss geworfen werden. Eine Außenbesichtigung ist möglich. Darüber hinaus soll das originale Wappen und ein Modell von Schloss Guteborn präsentiert werden.

Bahnhofsgeschichte in Ortrand, Schlossfest in Großkmehlen

In Ortrand wird zum Tag des offenen Denkmals an den Bahnhof eingeladen. Das ehemalige Empfangsgebäude aus dem Jahr 1867 kann besichtigt werden. Eine Führung ist für Sonntag, 8. September, um 14 Uhr vorgesehen. Gleich nebenan befindet sich der Güterschuppen mit Badehaus. Auch dieses fast hundertjährige Gebäude darf gern unter die Lupe genommen werden. Es war in den Jahren von 2013 bis 2015 saniert worden.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das Wasserschloss Großkmehlen. Das ansonsten meist verschlossene Gebäude öffnet am 8. September zwischen 13 und 15 Uhr seine Pforten. Restauratorin Marina Dürrschmidt bietet mehrere Führungen an. Das Kommen lohnt sich gleich doppelt. Denn an diesem Wochenende findet auf dem Gelände der Vorburg das Schloss- und Hopfenfest statt. Die Stände sind zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. Dort will sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz präsentieren (13-15 Uhr).

Tag des offenen Denkmals im nördlichen OSL-Kreis

Auch in der Region zwischen Altdöbern, Calau und dem Spreewald laden am Denkmaltag mehrere Einrichtungen zur Besichtigung ein. Dazu gehören das Rittergut Kemmen (Sonntag, 10 bis 17 Uhr), das Schloss Groß Jehser (Sonntag, 11 bis 17 Uhr) sowie von 14 bis 16 Uhr die benachbarte Dorfkirche sowie das Schloss Groß Mehßow (Sonntag, 10 bis 17 Uhr). Dort können erstmals die Räume im Obergeschoss angeschaut werden.