Von Andrea Budich

Die mobile Betonmischanlage für den Bau der Autobahnkilometer 116 bis 124 in Höhe Ortrand hat sich in den vergangenen Wochen ziemlich heiß gelaufen und hat die Stimmung vor allem im nur 50 Meter entfernten Wohnviertel der Kamenzer Straße ordentlich aufgemischt.

Die Zutaten für das explosive Baugemisch sind: Wohnhäuser, die nur einen Steinwurf vom Betonmischer entfernt stehen, Schule und Kindergarten in der Nähe, mehr als 30 Lastwagen, die in der heißen Bauphase täglich im Einsatz sind, um frischen Beton zum Autobahnstück zu bringen. Lärm und dicke Staubwolken waren zu ertragen, abgeknickte Straßenlaternen und heruntergefahrene Borde gehören zu den bleibenden Hinterlassenschaften.

„Die Frage ist doch, wie viel müssen wir Anwohner ertragen und kommentarlos schlucken“, bringt der Stadtverordnete Sven Wielk (Bürgervereinigung Ortrand) die Ohnmacht der Bürger auf den Punkt. Ohne jedwede Information wurde den Anwohnern die Anlage im Sommer vor die Nase gesetzt, obwohl es in der Stadt für solcherlei Zwecke auch ein Gewerbegebiet gibt und auch entlang der Autobahn genügend freie Flächen zur Verfügung gestanden hätten.

Ortrander sammeln Unterschriften gegen Betonmischanlage

Die umstrittene Standortwahl mitten in der Stadt hat inzwischen für einigen Wirbel gesorgt. Die Anwohner haben Unterschriften gesammelt und die Petition an den OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) übergeben. Bürgermeister Niko Gebel (CDU) hat sich bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung dazu regelrecht in Rage geredet.

Die mangelnde Kommunikation ist für ihn das Schlimmste an der ganzen Geschichte. Als Bürgermeister war er von der Wahl des Standortes auf dem Gelände des alten Sägewerkes genauso überrascht wie die betroffenen Anwohner. „Die private Vermietung ist die eine Sache. Ich hätte mir aber gewünscht, dass nach anderen Alternativen gesucht worden wäre“, sagt Gebel.

Bei der Klärung im Mischanlagen-Zoff kann auch das Amt Ortrand nur die Arme heben. „Wir müssen es wohl ertragen“, bringt der stellvertretende Amtsdirektor Rico Heinze das Ergebnis der behördlichen Nachforschungen auf den Punkt.

„Man lässt uns im Regen stehen und speist uns mit nichtssagenden Antworten ab“, fasst er die unbefriedigende Situation zusammen.

Betonmischanlage in Wohnhausnähe ist genehmigungsfrei

Denn die Errichtung der mobilen Betonmischanlage in Wohnhausnähe ist als Baustelleneinrichtung genehmigungsfrei. Das bestätigt der Persönliche Referent des Landrates, Stephan Hornak. Eine Änderung der Brandenburgischen Bauordnung aus dem Jahr 2016 erlaubt sogar, dass Baustelleneinrichtungen sich nicht unmittelbar an der Baustelle befinden müssen.

„Maßgebend für die Einrichtung ist lediglich der Bezug zu einer Baustelle“, erklärt Hornak, warum die Ortrander damit leben müssen, dass der Betonmischer für den nahen Autobahnbau ihnen ziemlich auf die Pelle rückt.

Der Landesbetrieb Straßenwesen als Auftraggeber für den Autobahnbau verweist indes auf die bauausführende Firma Matthäi aus Freienhufen. „Es ist nicht die Aufgabe des Landesbetriebes, sämtliche Randbedingungen zur Erfüllung seines Bauauftrages zu organisieren bzw. zu kontrollieren“, so Pressesprecherin Dr. Cornelia Mitschka.

Standortwahl für den Betonmischer in Ortrand

Der Ärger um die Standortwahl für den Betonmischer hat inzwischen auch Michael Gollee, Geschäftsführer von Matthäi Freienhufen, erreicht. Er erklärt, dass das Bauunternehmen aus Freienhufen selbst keinen Autobahn-Beton macht und daher mit dem Nachauftragnehmer Berger Bau aus Passau eine Arbeitsgemeinschaft gebildet habe. Der Standort des alten Sägewerkes für die mobile Betonmischanlage habe sich als ideal herausgestellt.

„Wir haben dort sogar schon einen Wasseranschluss vorgefunden“, erklärt er die Wahl. Auf der grünen Wiese auf einer Fläche an der Autobahn indes hätte zunächst der Mutterboden aufwändig abgeschoben werden müssen, um später Schotter aufzubringen. Um die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, wurde entlastend eine Baustraße aufgeschüttet, so dass die Lkw jetzt ohne Umweg durchs Wohngebiet direkt zur Landesstraße rollen können.

„Wir sind aus der Region, wir wollen es uns mit den Lausitzern doch nicht verscherzen“, schlägt Gollee versöhnliche Töne an. Schäden, die von der Beton-Lkw-Flotte verursacht wurden, werden daher zeitnah behoben, verspricht er. Zusätzlich werde über ein „Trostpflaster“ für die betroffenen Anwohner nachgedacht.

Das Schlimmste haben die Ortrander aber ohnehin überstanden. Die Betonarbeiten auf der Autobahn sollen bis Dienstag im Wesentlichen abgeschlossen sein. Die Mischanlage wird dennoch stehen bleiben und nicht wie ursprünglich geplant rückgebaut, bestätigt Gollee. Der Nachauftragnehmer Berger Bau beabsichtigt dafür, einen neuen Mietvertrag abzuschließen.