Von Peter Aswendt

„Wir haben viel in unsere Wohnungen investiert. Gerade auch in der Neustadt III haben wir mit den hydraulischen Aufzügen einen hohen Eigenbedarf an Strom“, steigt Geschäftsführer Jörg Gärtner in die Erklärung seiner Idee ein. Aber warum nur an den Eigenbedarf denken, wenn auch die Mieter von alternativen Möglichkeiten bei der Energieversorgung profitieren können? Deshalb wurde gemeinsam mit einem Partner für Solarstrom ein Projekt entwickelt, um die Mieter der GWG Lauchhammer mit günstigem, grünem Solarstrom vom Dach zu versorgen. Inwieweit „grün“ und „günstig“ die Mieter überzeugen, weiß selbst Geschäftsführer Jörg Gärtner nicht: „Wir haben bei uns viele Mieter im Erstbezug, die ihr Berufsleben mit dem Bergbau verbunden haben“, weiß er von den Zweifeln seiner Mieter zu berichten. Angefragte Mieter wollten sich zu dem Thema nicht endgültig positionieren, aber man spürt, dass der avisierte Preisvorteil eine nicht unerhebliche Rolle beim Vertragsabschluss einnehmen wird.

Unabhängig von den Mieterverträgen wird die GWG Lauchhammer auf ihren Häusern in der Einsteinstraße und Weinbergstraße Solarmodule installieren: „Ideal sind natürlich unsere Wohnblöcke mit den Flachdächern, um die Module zu installieren“, weiß der Geschäftsführer. Dass der grüne Strom schon erheblich die Kosten beim Eigenbedarf der Wohnungsgesellschaft senkt, ist Grund genug, um mit der Installation zu beginnen. Dabei ist das finanzielle und technische Risiko für die GWG sehr gering: „Wir bekommen sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket“, lacht Jörg Geiger. Das heißt, von der Planung bis hin zur Installation sowie Wartung und Vertrieb, wird alles vom Solarstromanbieter geregelt: „Wir stellen praktisch nur unsere Dachflächen zur Verfügung“, zeigt sich der Geschäftsführer pragmatisch.

Für die Mieter bedeutet das geringere Nebenkosten, aber auch beim eigenen Stromvertrag kann gespart werden, denn der Strompreis ist bei derlei Mieteraktionen gesetzlich gedeckelt. „Der Mieterstromanbieter muss gesetzlich 13 Prozent unter dem Preis des Grundversorgers bleiben“, weiß Jörg Gärtner, und wenn die Sonne einmal nicht mehr scheint, dann kauft der Betreiber natürlich Strom hinzu, ohne einen Preisaufschlag für den Mieter. Aber vorrangig kommt der Strom wirklich vom eigenen Dach.

Neben dem guten Gefühl, den Strom vom eigenen Dach zu bekommen, kann sich schon im ersten Jahr eine finanzielle Ersparnis von über 100 Euro für den Mieter ergeben, die sich mit dem weiteren Betrieb der Solaranlage sogar noch steigern kann. Dazu kommt, dass durch die Deckelung des Mieterstroms sozusagen eine Strompreisbremse für den Mieter wirksam wird. Nicht zu vergessen, dass der grüne Strom vom eigenen Dach bis zu 180 000 Kilogramm CO2 im Jahr spart. Was sicherlich positive Folgen für die Nebenkosten bei der zu erwartenden CO2-Steuer hat.

Damit der Strom vom Dach fließen kann, werden 1351 Solarmodule auf den Dächern der Weinbergstraße und Einsteinstraße in Lauchhammer verbaut. Damit werden im Jahr circa 352 Megawattstunden an Strom erzeugt. Langfristig gesehen können auf diese Weise insgesamt Einsparungen im sechsstelligen Bereich bei der GWG erzielt werden, die den Mietern zu Gute kommen.

Mit einem ersten  Zehn-Jahresvertrag und entsprechenden Optionen zur Weiterführung gibt sich Geschäftsführer Jörg Gärtner nicht zufrieden: „Unser Plan ist es, die erzeugte Energie auch zwischenspeichern zu können, denn eine Netzabgabe von überschüssig erzeugter Energie nützt uns als Genossenschaft nichts“, zeigt er Weitblick. Auch kann sich der Geschäftsführer E-Tankstellen an seinen Parkplätzen vorstellen: „Das Thema Elektromobilität wird früher oder später auch von unseren Mietern an uns heran getragen werden. Mit unserem Mieterstrom können wir dort flexibel reagieren“, so der Geschäftsführer.

Über den genauen Start der Installationsarbeiten konnte Jörg Gärtner noch keine Angaben machen, da zurzeit noch einige Dachbereiche geprüft werden. Inwiefern das Projekt in der Neustadt III von Lauchhammer auch auf den restlichen Wohnungsbestand Anwendung findet, bleibt abzuwarten. Natürlich auch unter Berücksichtigung der Stadtbauplanung.