Senioren in Oberspreewald-Lausitz: Neues Bürgerbüro hilft Älteren durchs Ämter-Labyrinth

Bei allen Fragen rund ums Leben im Alter: Bettina Lehmann (v.li.), Katrin Lange, Ines Bärsch und Renate Reetz beraten jeden dritten Freitag im Monat im neuen Senioren-Bürgerbüro im Haus der Begegnung in Schwarzheide.
Rita SeyfertScham ist ein Grund, warum Menschen keine Hilfe beantragen, obwohl diese ihnen zustehen würde. Manche befürchten vielleicht, dass die Verwandten vom Amt herangezogen werden, um Unterhalt zu leisten. Andere wiederum trauen sich einfach nicht auf die Behörden. Die anonyme Atmosphäre schreckt viele Menschen ab.
Das neue Senioren-Bürgerbüro will helfen. Die Idee gibt es seit Corona. Bettina Lehmann, stellvertretende Chefin vom Seniorenbeirat der Stadt Schwarzheide, brachte den Stein ins Rollen. Seniorenbeirat-Chefin Renate Reetz unterstützt sie. „Gerade ältere Menschen wünschen sich für ihre Probleme einen vertraulichen Umgang“, erzählt die Initiatorin. Denn es sei leichter, sich jemandem anzuvertrauen, den man kennt.
„Wohin?“ – Senioren-Bürgerbüro berät und vermittelt zu den Ämtern
Die Fragestellungen, denen sich die Damen vom Senioren-Bürgerbüro ab sofort immer jeden dritten Freitag im Monat im Haus der Begegnung (Geschwister-Scholl-Straße 27) annehmen, sind komplex. Sie reichen unter anderem von der Grundsicherung im Alter und Wohngeld über Hilfe zur Pflege oder Hilfe für Blinde bis zur Tagespflege.
„Wir können nur niederschwellige Angebote machen“, erklärt Bettina Lehmann. Heißt also, keine Rechtsberatung. Dafür gibt es jede Menge Informationen und Orientierung zur Frage: „Wohin?“. Wer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz die Ansprechpartner in den verschiedensten Situationen sind, dazu hat sich Bettina Lehmann eine Liste erstellt. Kontakte herstellen und Termine für die Betroffenen vereinbaren, darin sieht sie ihre Aufgabe.
Das Senioren-Bürgerbüro kooperiert mit Sozialberaterinnen
Und zu den konkreteren Fragen, wie man welche Anträge stellt oder wie man sich beispielsweise auf die Begutachtung für den Pflegegrad vorbereitet, dazu kooperiert das Senioren-Bürgerbüro mit Sozialberaterinnen. Eine von ihnen ist Diplom-Sozialarbeiterin Katrin Lange, Mitarbeiterin der Volkssolidarität. Wenn sie nicht im Senioren-Bürgerbüro sitzt, dann führt sie auch kostenlose soziale Beratungen im Pflegeheim „Da.Heim“ (Am Schillerplatz 1) in Schwarzheide durch.
„Wer im Alter keinen Partner mehr hat, ist oft einsam“, sagt Katrin Lange. Der Pflegedienst übernehme nur die Grundpflege. Zeit zum Plaudern fehle aber oft. Deswegen vermittelt Katrin Lange unter anderem „Alltagsbegleiter“. Die Ehrenamtler – meistens Rentner, die noch eine Aufgabe übernehmen wollen – helfen bei der sozialen Betreuung.
Zum Arzt oder Einkaufen: Auch Alltagsbegleiter werden vermittelt
Alltagsbegleiter leisten aber nicht nur Gesellschaft, sie übernehmen beispielsweise auch das Einkaufen, oder sie begleiten auf dem Weg zum Arzt. „Ich hätte noch Kapazitäten für Betroffene“, wirbt Katrin Lange. Kosten entstehen keine. Das Angebot wird über einen Pflegegrad finanziert. Auch Ehrenamtler werden immer wieder gesucht.
Auch der Sozialverband Deutschland (SOVD) gehört zu den Kooperationspartnern vom neuen Senioren-Bürgerbüro. Neben der Stadt Schwarzheide erstreckt sich das Einzugsgebiet von Sozialberaterin Ines Bärsch auf die ländlichen Regionen in Südbrandenburg. In ihrem vollausgestatteten „Sozialmobil“ – einem umgebauten Transporter mit Büro, Bibliothek und Rollstuhlrampe – trifft man sie in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Spree-Neiße und Dahme-Spree.
Beantragung eines Pflegegrades – so bereitet man sich vor
Ein Thema der kostenfreien Sozialberatungen von Ines Bärsch ist die Beantragung eines Pflegegrades. „Das ist ein ganz kompliziertes Verfahren“, sagt sie. Viele Antragsteller würden ins offene Messer rennen, wenn sie blind oder unvorbereitet den Antrag stellen. „Man ist dann überfahren und beantwortet die Fragen womöglich zum eigenen Nachteil“, erzählt sie.
„Zur Vorbereitung auf die Feststellung der Hilfsbedürftigkeit empfehle ich den Antragstellern daher, erstmal ein Pflegetagebuch anzulegen“, sagt sie. Wie klappt das Treppensteigen oder die Körperpflege inklusive An- und Ausziehen, Waschen und Rasieren? Mithilfe des „Pflegetagebuchs zur Selbsteinschätzung“ sollten sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mindestens vier Wochen mit der Thematik auseinandersetzen.
Antrag abgelehnt? Hilfe beim Einlegen eines Widerspruchs
Ob Pflegegrad, Schwerbehinderung oder Erwerbsunfähigkeitsrente – mehr als jeder zweite Antrag werde inzwischen von den Ämtern abgeschmettert. Ein Widerspruch kann sich lohnen. Auch beim Schreiben der rechtssicheren Begründung vermittelt Sozialberaterin Ines Bärsch an die Anwälte vom SOVD – vorausgesetzt, man schließt dort vorher eine Mitgliedschaft ab.
