Das Arbeiten mit Weiden besitzt eine mehr als 2000 Jahre alte Tradition. Es hat auch in der Gegenwart seine Faszination nicht verloren. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unendlich. Körbe oder Windlichter sind etwas Besonderes im Haus oder auch im Garten. Am vergangenen Wochenende trafen sich mehrere Liebhaber des natürlichen Materials im Kommandantenhaus der Schloss- und Festungsanlage Senftenberg.

Peter Lehmann aus Lübbenau leitet die Kurse, die im Freilandmuseum Lehde und in der Senftenberger Festung stattfinden: „Wir machen heute ein Vogelhaus aus Weiden“, beschreibt der selbstständige Korbflechter und Gästeführer die Aufgabe. „Weiden sind das älteste Material für Behältnisse in unserer Region“, zeigt sich der Dozent vom Material begeistert. „Sie wachsen in unserer Gegend in verschiedenen Farbtönen und geben den Gegenständen ein wunderschönes Farbspiel“, fügt er hinzu.

Die Teilnehmer des Kurses kommen aus Cottbus, Meißen und Senftenberg. Im vergangenen Monat erst in Senftenberg sesshaft geworden ist Anja Fischer. Familiär hat sie ihre Wurzeln zwar in Kamenz, sie ist aber als Weltenbummlerin frisch aus Münster nach Senftenberg gekommen: „Ich war zum Weihnachtsmarkt in Lehde und habe dort eine Korbflechterin gesehen und da habe ich Lust bekommen, es selbst zu probieren“, beschreibt sie ihre Intention. Neben ihr sitzt die Senftenbergerin Ute Grieger: „Ich bastele gern und möchte es mal probieren.“ Zwischendrin gibt Dozent Peter Lehmann immer wieder Hinweise: „Die Weide für den Boden darf nicht stärker sein als die Steher“, lauten seine Anweisungen, wenn sich der Boden des Vogelhäuschens wieder einmal selbstständig macht. Alexander Körner aus Niederlommatzsch bei Meißen zeigt sich da sehr geschickt und hat seinen Boden des Vogelhäuschens als Erster fertig: „Ich habe den Flechtkurs meiner Lebenspartnerin zu Weihnachten geschenkt. Damit sie nicht allein nach Senftenberg muss, bin ich einfach mitgefahren“, lächelt er. Seine Partnerin Madlen Breitsprecher, im kreativen Bereich mit der Werkstatt Kreativ mit Wolle & Deko selbstständig, hat natürlich viel Spaß: „Es ist schon ganz schön Kräfte aufreibend, die Weide zu bändigen, aber das Resultat entschädigt für die Anstrengung“, gesteht sie. Beide wollen sich nach dem Flechtkurs noch Senftenberg anschauen.

Dass das Weidenflechten ganz schön anstrengend ist, geben auch Sandra Edelmann und Sarina Watzig aus Kroppen zu: „Die Hände werden schon nach dem Bodenflechten müde“, stöhnen beide. Tochter Celine Watzig (14) hat da eher mit der Form zu kämpfen: „Eigentlich soll der Boden rund sein“, überlegt sie stirnrunzelnd, als sie ihren doch mehr rechteckigen Boden des Vogelhäuschens anschaut.

Nach der Mittagspause machten sich die Kursteilnehmer daran, die Wände des Vogelhäuschens in die Tat umzusetzen. Dass zum Ende nicht alles im Lot ist, stört niemanden. Wichtig ist eine positive Erfahrung mit dem Material Weide gemacht zu haben und das gute Gefühl, etwas selbst hergestellt zu haben. Für die meisten der Teilnehmer steht sowieso fest, dass sie weitere Kurse des Weidenflechtens besuchen werden. Die nächsten Kurse von Flechtmeister Peter Lehmann finden am 22. und 23. Februar im Freilandmuseum Lehde statt.