Nach einer wahren Odyssee sind acht Putten, also nackte oder wenig bekleidete Kindergestalten, und die beiden Sandsteinfiguren Amor und Flora jetzt wieder in Schloss und Park Altdöbern im Landkreis Oberspreewald-Lausitz zu bestaunen. Nach fast 60 Jahren der Abwesenheit. Dahinter stecken tragische Ereignisse um große Kunst.
Mit tiefer Trauer hat die Fach- und Kunstwelt vor sieben Jahren tragische Schicksalsschläge in einer Bildhauer-Dynastie zur Kenntnis genommen. Binnen zwei Wochen verstarben in Dresden der Steinmetz- und Steinbildhauermeister Christian Hempel mit 77 Jahren und auch sein Sohn Julius im Alter von 44 Jahren.
In Altdöbern haben sich gleichermaßen Beileid wie auch quälende Ungewissheit breit gemacht. Die Sandsteinfiguren aus dem Schlosspark waren in der Werkstatt. Acht Putten, die Sinnbilder einer Gutswirtschaft. Neben dem Ackerbau, der Schafzucht, Milchwirtschaft und dem Gemüsebau sind es die Branntweinbrennerei, Bäckerei, die Bierbrauerei und Jägerei.
Auch die Putti, die die Bierbrauerei symbolisiert, ist zurückgekehrt nach Altdöbern.
Auch die Putti, die die Bierbrauerei symbolisiert, ist zurückgekehrt nach Altdöbern.
© Foto: Uwe Hegewald

Altdöberner Putten und der sächsische Hof in Dresden

Zugeschrieben werden die Putten dem sächsischen Hofbildhauer Christian Kirchner (1691 bis 1732), der mit seinen Kinderfiguren und typischen Körperhaltungen seinerzeit den Nerv des sächsischen Hofes zu treffen wusste. Bereits in den 1960er-Jahren wurden einzelne Exemplare von ihren Sockeln gehoben und zum Restaurieren in die Bildhauerwerkstatt Hempel transportiert.
Die Parksommerträume in Altdöbern locken viele Besucher in den Park vor die Kulisse des Schlosses.
Die Parksommerträume in Altdöbern locken viele Besucher in den Park vor die Kulisse des Schlosses.
© Foto: Uwe Hegewald
Nachkomme Sebastian Hempel hatte sich nach den Todesfällen in der Familie für einen Rücktransport nach Altdöbern eingesetzt. Doch „der Wert der Putti ist bereits von den Altdöberner Gemeindevertretern Ende der 1950er-Jahre erkannt worden, die eine Einlagerung in Dresden forciert haben“, erzählt Landschaftsarchitekt Stefan Hohmann.

Meisterwerke der Bildhauerkunst stark beschädigt

Darin eingeschlossen sind zwei weitere Meisterwerke, die dem berühmten deutschen Bildhauer Gottfried Knöffler (1715 bis 1779) gesichert zugeordnet werden. Dabei handelt es sich um die unsanierten Skulpturen Amor und Flora. Während bei der römischen Göttin der Blumen und Jugend die imposante Blütenraute fehlt, ist es beim Gott der Liebe (Amor) der Kopf.
„Beide Teile sind aber noch vorhanden und könnten wieder angebracht werden“, stellt Helwig M. Hooss in Aussicht. „Vorausgesetzt, die beiden Figuren werden an entsprechender Stelle ebenso wertgeschätzt, wie von uns“, sagt der Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlössergesellschaft.

Schon Schlossherr von Witzleben hat über Vandalismus geklagt

Mit dem Ansehen der 34 bekannten Sandsteinwerke im Altdöberner Schlosspark war es in den zurückliegenden Jahrhunderten nicht immer zur gewünschten Zufriedenheit bestellt. Die Dauer der Aufstellzeit im Freien und Witterung haben diesen sichtbar zugesetzt. In den zurückliegenden Jahren kam blinder Vandalismus hinzu, insbesondere an Objekten im Französischen Garten.
Selbst Graf Heinrich von Witzleben, der auf Schloss Altdöbern residierte, wunderte sich über mangelnde Wertschätzung. So habe er die acht Putti aus feinem Pirnaer Sandstein 1880 in einem Schuppen entdeckt. Ausgewogen geformt und äußerst fein modelliert gelten sie als Zeugen großen künstlerischen Talents. In ihrer Qualität können die Figuren, die zu Zeiten des Generalmajors Alexander Dietrich von Eickstedt (um 1660 bis 1727) geschaffen wurden, problemlos den Putten im Dresdener Zwinger und am Schloss Moritzburg zur Seite gestellt werden.
Von Carl Heinrich von Heineken aus Dresden sind diese zwischen 1750 und 1755 auf dem Kunstmarkt erworben und auf seinen Land- und späteren Hauptwohnsitz nach Altdöbern gebracht worden. Interessierten, wie couragierten Personen ist es zu verdanken, dass die Figuren nach Altdöbern zurückgeholt, zwischengelagert und wieder aufgestellt wurden.
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Altdöbern

Parksommerträume im Schlosspark Altdöbern

Nach der wiederholter Zwangspause finden am 13. und 14. August 2022 die nunmehr 9. Parksommerträume im Schlosspark Altdöbern statt.
„Geboren in Altdöbern – verbunden mit Altdöbern“ lautet das Motto des Festes im Schlosspark unter der Schirmherrschaft des Cottbuser Oberbürgermeisterst Holger Kelch (CDU), der in Altdöbern geboren ist. Thematisch wird die Geschichte der Frauenklinik betrachtet. Eine Zeitreise-Ausstellung im Zelt neben dem Heckentheater ist zu erleben.
Mit Musik und Kleinkunst wird gefeiert. Auch abseits des Festgeschehens lädt der idyllische Schlosspark zum Flanieren und Verweilen ein. Dazu gibt es wieder einen eigens eingerichteten Bereich zum Entspannen unterm Blätterdach.