Sana Kliniken Niederlausitz: Neues Angebot für Opfer sexualisierter Gewalt

Ralf Schröder, leitender Oberarzt und Leiter der zentralen Notaufnahmen in Senftenberg und Lauchhammer, hat das neue Angebot zur "Vertraulichen Spurensicherung" mitorganisiert.
Rita Seyfert- Seit Juni bietet das Krankenhaus Lauchhammer vertrauliche Spurensicherung nach Vergewaltigung an.
- Betroffene können medizinische Untersuchungen und Spurensicherung ohne Polizei durchführen lassen.
- Spuren werden zehn Jahre anonym aufbewahrt; Kontakt zur Opferhilfe wird empfohlen.
- Angebot richtet sich an Frauen, Männer und Kinder; Diskretion ist oberstes Gebot.
- Standort: Friedensstraße 18, Lauchhammer; Erweiterung des Versorgungsnetzes auf 13 Kliniken.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dr. med. Ralf Schröder hat in seinem Berufsleben schon einiges erlebt. Als leitender Oberarzt und Leiter der zentralen Notaufnahmen in Senftenberg und Lauchhammer wurden ihm in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder Opfer sexualisierter Gewalt von der Polizei zur Untersuchung vorgestellt. „Manchmal zweimal im Monat“, berichtet er.
Sobald die Polizei von einem sexuellen Übergriff erfährt, müsse sie tätig werden und dem Fall nachgehen, erklärt Ralf Schröder. Die Opfer können jedoch frei entscheiden, welche Untersuchungsabschnitte sie über sich ergehen lassen wollen. Doch die Hemmschwelle, einen sexuellen Übergriff überhaupt polizeilich zur Anzeige zu bringen, ist bei vielen Betroffenen hoch.
Wie die Idee zur vertraulichen Spurensicherung entstand
Die neue „Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung nach Vergewaltigung“ im Krankenhaus Lauchhammer soll Barrieren abbauen. Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor der Sana Kliniken Niederlausitz, Dr. Volkmar Hanisch, initiierte Mitorganisator Ralf Schröder das neue Angebot nach einer rechtsmedizinischen Weiterbildung. Im rechtsmedizinischen Institut des Landes Brandenburg mit Sitz in Potsdam wurde er auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht.
Im Rahmen der „vertraulichen Spurensicherung“ haben Betroffene von sexualisierter Gewalt die Möglichkeit, medizinische Untersuchungen und eine Spurensicherung unabhängig von der Polizei durchführen zu lassen. Mögliche Spuren werden dabei von rechtsmedizinisch geschulten Ärzten gesichert und für ein eventuell folgendes Verfahren über zehn Jahre anonymisiert aufbewahrt.
Vertrauliche Spurensicherung in Lauchhammer: Wozu ein Arzt rät
Ralf Schröder empfiehlt, die Spurensicherung möglichst zeitnah vornehmen zu lassen. „Spätestens nach ein bis zwei Tagen“, sagt er. Nach einer Woche könne nicht mehr viel nachgewiesen werden. Doch in der Realität durchlaufen die Betroffenen mitunter erst einen Verarbeitungsprozess, bevor sie bereit sind, einen solchen Schritt überhaupt zu gehen.
„Notfälle in dieser Form finden meist in der Dienstbereitschaftszeit zwischen 15.30 und 7 Uhr statt“, erzählt Ralf Schröder. An der Rezeption sei oft nicht sofort klar, worum es geht. Die Scham sei groß. Gelegentlich sind die Betroffenen auch männlichen Geschlechts, es sei daher wichtig, dass neben dem weiblichen Personal auch Männer in den Notaufnahmen tätig sind.
Sana in Lauchhammer: An wen sich das neue Angebot richtet
Auch Männer seien Opfer sexualisierter Gewalt, stellt der Arzt klar. Betroffen seien aber deutlich mehr Frauen. Immer wieder komme es aber auch vor, dass auch die Pädiatrie mit von sexualisierter Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Zahlen werden keine erhoben.
Diskretion sei oberstes Gebot. „Was geschehen ist, bleibt absolut vertraulich“, so der Arzt. Neben der Spurensicherung wird vor Ort auch die psychische Grundsituation begutachtet. Außerdem bestehe die Möglichkeit, sich prophylaktisch Antibiotika gegen sexuell übertragbare Krankheiten oder die „Pille danach“ verschreiben zu lassen. Auch eine HIV-Postexpositionsprophylaxe sei möglich.
Kontaktaufnahme mit der Opferhilfe: So geht es weiter
Weiterhin haben die Betroffenen die Möglichkeit sich zu informieren, wie ihnen bei der Bewältigung der Geschehnisse geholfen werden kann. „Wir empfehlen die Kontaktaufnahme mit der Opferhilfe des Landes Brandenburg“, so Dr. Ralf Schröder.
Die Betroffenen bekommen in Anschluss an die Untersuchung eine Chiffre. Diese können sie zu einem späteren, selbstgewählten Zeitpunkt den Strafverfolgungsorganen mitteilen, wenn sie sich zur Erstattung einer Anzeige entschließen. Das neue Angebot der vertraulichen Spurensicherung der Sana Kliniken Niederlausitz in Lauchhammer besteht seit 1. Juni 2025.
Vertrauliche Spurensicherung in Lauchhammer
Seit 1. Juni 2025 haben Betroffenen von sexualisierter Gewalt am Krankenhausstandort in Lauchhammer (Friedensstraße 18) die Möglichkeit, medizinische Untersuchungen und eine vertrauliche Spurensicherung unabhängig von der Polizei durchführen zu lassen. Das teilt das Ministerium für Gesundheit und Soziales mit. Ziel sei, dass Betroffene zunächst die notwendige Unterstützung erhalten und erst im zweiten Schritt eine Strafverfolgung in Betracht gezogen werden kann, wenn gewünscht. Damit wird das bestehende Versorgungsnetz für das Angebot SOS nach Vergewaltigung durch die Aufnahme der Sana Kliniken Niederlausitz auf insgesamt 13 Kliniken im Land erweitert. Das Angebot der vertraulichen Spurensicherung wird seit 2019 vom Brandenburgischen Landesinstitut für Rechtsmedizin koordiniert.


