Auf der einen Seite gibt es die Schöne. Schauspielerin Clara Luna Deina darf an der Neuen Bühne Senftenberg in eine der beiden Hauptrollen im neu aufgelegten Klassiker „Die Schöne und das Biest“ schlüpfen. Belle gilt als hilfsbereit, warmherzig und bescheiden. Ihr Vater liebt sie über alles. Allerdings zieht dieser die Wut eines Prinzen auf sich, der mit einem Fluch belegt wurde. Das Biest, in Persona Patrick Gees, präsentiert die zweite Hauptrolle.
Die Anfangsszene in der Premiere, in der eine böse Fee (Lena Conrad), die den Prinzen heiraten will, diesen wegen seiner Ablehnung mit Blitz und Donner aber verflucht, sorgt gleich für heftige Reaktionen in den vorderen Reihen des Publikums. Mindestens ein Kleinkind bricht in Tränen aus und kann sich über längere Zeit nicht beruhigen. Nun gut, die untere empfohlene Altersgrenze gibt die Neue Bühne mit sechs Jahren an.

Die meisten Kinder fürchten sich nicht

Luise ist fast sechs Jahre, Anton sieben und Charlyn zwölf. Gespannt verfolgen sie, was auf der Bühne so geschieht. Tränen fließen bei dem Trio jedenfalls nicht. Stattdessen kommentiert ABC-Schütze Anton: „Das ist doch kein Biest, das ist ein Papiermonster.“ Tatsächlich wirkt das Kostüm des vermeintlichen Unholds von den Zuschauerrängen eher wie Karneval. Für Furcht scheint es jedenfalls nicht zu sorgen. Antons Schwester Luise will nicht nachstehen und wirft ein, dass sie Biests Kostüm an bunten Müll erinnere. „Das gefällt mir auch am besten, das ist lustig“, lautet der Kommentar des Vorschulmädchens. Warum: „Weil das Biest die Nudeln einfach mit seinen Händen in den Mund gestopft hat.“
In der Tat entsagt der Bösewicht nach dem misslungenen Essen mit der schönen Belle sämtlichen Tischmanieren und verschlingt das Gericht auf tierische Weise. Gegruselt haben sich Anton und Luise jedenfalls während des gesamten Stückes nicht wirklich. Auch blieben die vor Beginn der Aufführung befürchteten Hände vor dem Gesicht aus. Schließlich, so finden beide Welzower Kinder, sei ja das Biest nicht vollständig verkleidet gewesen. „Ein bisschen vom Kopf habe ich gesehen“, merkt Anton an.

Besonders cool: die böse Fee und die einfühlsame Opernsängerin

Auch die zwölfjährige Charlyn kann ihre Freude über das soeben Gesehene kaum im Zaum halten. „Vorher war ich ein Stück weit skeptisch. Ich dachte, da wird was richtig Langweiliges gezeigt. Aber es hat mir sehr gut gefallen.“ Zwei Charaktere haben es der jungen Cottbuserin besonders angetan. Zum einen die hässliche ältere Frau, die zu Beginn den Prinzen verflucht. „Durch ihr Rumgeschreie und ihren rot-orangenen, stark verschmierten Lippenstift wollte sie unbedingt im Mittelpunkt stehen. Aber das ist ihr nicht wirklich gelungen. Denn da waren ja die Schöne und das Biest.“
Zum anderen verweist Charlyn auf die Opernsängerin Madame Divine, gespielt von Alessa Kordeck, die zwar zurückhaltend agierte, aber immer ihre klare Meinung äußerte. „Und sie gute wirklich gut singen“, verschweigt die Cottbuserin nicht. Charlyns Lieblingsszene ist übrigens das Einschlaflied der Madame Divine im Duett mit dem Maler (Erik Brünner) und dem Haushofmeister (Matthias Manz). „Es wurde zwar leise, aber sehr gefühlvoll vorgetragen“, befindet der kleine Gast.

Alle drei kleine Zuschauer: Daumen hoch für „Die Schöne und das Biest“

Auf jeden Fall können alle drei Kinder das Theaterstück vorbehaltlos weiterempfehlen. Allerdings, so rät Charlyn, sollten sich unvoreingenommene Gäste nicht zu stark am originalen Märchen von „Die Schöne und das Biest“ orientieren. Dafür seien die Handlungen zu verschieden.
Letztlich hätten die Senftenberger Theaterleute „etwas richtig Tolles auf die Bühne stellt, einschließlich der prächtigen Dekoration und Kulissen.“ Also ein direktes Lob an Regisseur Mirko Böttcher, sein Schauspielerteam und die Protagonisten hinter der Bühne.

„Die Schöne und das Biest“ - die nächste Aufführungen in Senftenberg

Nach der Premiere des neugestalteten Theaterstücks „Die Schöne und das Biest“ von Catharina Fillers nach dem gleichnamigen französischen Volksmärchen gibt es eine ganze Anzahl weiterer Aufführungen an der Neuen Bühne Senftenberg. Die nächsten finden am Sonntag, 27.11. (15 Uhr), am Montag, 28.11. (jeweils um 10 und um 15 Uhr), am Dienstag, 29.11. (jeweils um 9 und um 11 Uhr), am Mittwoch, 30.11. (jeweils um 9 und um 11 Uhr), sowie am Mittwoch, 7. Dezember (jeweils um 9 und um 11 Uhr), statt.