Neonazi-Konzert bei Senftenberg: Minderjährige auf rechtsextremer Szene-Party

Etwa 50 Personen, darunter zahlreiche Jugendliche, nahmen an einem Neonazi-Konzert bei Senftenberg teil. Einige Teilnehmende wurden zuvor über den Bahnhof Ruhland zum Veranstaltungsort gebracht.
Recherche-Nord- Neonazi-Konzert in Klettwitz bei Senftenberg: Rund 50 Teilnehmende, darunter Minderjährige.
- Veranstaltung von „Junge Nationalisten“ mit rechtsextremen Musikern, darunter Benjamin Gruhn.
- Teilnehmer trugen Kleidung mit rechtsextremen Symbolen, Verkaufsstände boten entsprechende Artikel.
- Mindestens ein 13-jähriger Teilnehmer war anwesend, Staatsschutz beobachtete die Veranstaltung.
- Keine polizeibekannten Vorfälle, Fotos aus dem Gebäude zeigen NS-Symbolik und Propaganda.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Nachmittagssonne strahlt auf den Bahnhofsvorplatz in Ruhland, im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Südbrandenburg. Verschiedene Gruppen Jugendlicher und Kinder beanspruchen den Bahnhofsplatz für sich – das Wochenende wird eingeläutet. Eine Gruppe Kinder rast mit ihren Fahrrädern vor dem Bahnhof auf und ab.
Es ist kurz vor 17 Uhr an diesem Freitagabend. Ein Zug fährt ein, Reisende steigen aus. Der Vorplatz füllt sich kurz mit Menschen, die von der Arbeit kommen, andere schieben ihre Koffer über den Asphalt. Und auch eine neue Gruppe Jugendlicher bildet sich.
Sie tragen T-Shirts mit dem Schriftzug „JN“ darauf. Die Abkürzung der Jungen Nationalisten, der Jugendorganisation der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD). Es braucht nicht lang, bis rund zehn Männer im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zusammenstehen.
Neonazi-Liederabend in Südbrandenburg
Das Treffen ist kein Zufall. Die Jungen Nationalisten haben für diesen Abend einen Liederabend in Südbrandenburg angekündigt. Treffpunkt ist der Bahnhof Ruhland um 17 Uhr. Ein paar Minuten später hält ein weißer Kleinbus bei der Gruppe.
Ein junger Mann nach dem anderen steigt ein. Dann fahren sie los. Ihr Ziel ist 15 Fahrminuten entfernt: Klettwitz. Dieses Nachrichtenportal hat sich zusammen mit dem Team von Recherche-Nord für den rechtsextremen Liederabend unter falscher Identität angemeldet, um an die Informationen der Veranstaltung zu gelangen.
Das Gebäude, vor dem der Kleinbus anhält, ist bereits wiederholt Veranstaltungsort für die Szene gewesen. Ein weiß-hellbraunes Haus mit abgenutztem Putz, das schon etwas in die Jahre gekommen ist. Die Jungen Nationalisten dulden für ihre Veranstaltung keine Schaulustigen. Der Eingang beim Gartentor ist mit einer blickdichten weißen Plane versehen, und die Jalousien im Haus sind heruntergelassen.
Für den Liederabend sind Musiker aus der rechtsextremen Szene angekündigt. Einer von ihnen ist Benjamin Gruhn. Er wird in den Verfassungsschutzberichten der zurückliegenden Jahre sowohl aus Brandenburg als auch Sachsen aufgeführt. Gruhn trat in den letzten Jahren bei diversen Konzerten von Neonazis und Rechtsextremen auf.
Veranstaltungsort von Neonazi-Konzert: Immobilie in Klettwitz
Der Konzertbeginn ist für 19 Uhr vorgesehen. Im Laufe des Abends kommen immer mehr Teilnehmende, vorrangig Männer zum Haus nach Klettwitz. Manche reisen mit dem Auto an oder werden gebracht, andere wiederum kommen mit dem Fahrrad.
Bei der Anreise verdecken ein paar Teilnehmer ihr Gesicht, allem Anschein nach wollen sie nicht mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht werden. Und auch mit ihrer Kleidung bringen sie ihre Ideologie zum Ausdruck. Ein Konzertbesucher trägt Kleidung der Gruppe „Brigade 8“, diese wurde in der Vergangenheit mit dem verbotenen Netzwerk „Combat 18“ in Verbindung gebracht.
Was ist Combat 18?
Combat 18 ist eine rechtsextreme, gewaltorientierte Neonazi-Gruppe, die 1992 in Großbritannien gegründet wurde.
Der Name steht für die Initialen Adolf Hitlers (A=1, H=8). In Deutschland wurde Combat 18 im Januar 2020 vom Bundesinnenministerium verboten.
Die Gruppe gilt als besonders gefährlich und ist international mit anderen rechtsextremen Netzwerken verknüpft.
Die Konzertteilnehmer sind alles andere als gesprächig. Auf die Frage, warum sie heute nach Klettwitz gekommen sind, wollen sie nicht antworten. Stattdessen entgegnen sie mit wüsten Beschimpfungen. Andere wiederum drohen. „Wenn du mich noch einmal fotografierst, haue ich dir aufs Maul“, sagt ein junger Mann.
Geplant hat die Veranstaltung der Jugendbeauftragte der Partei „Die Heimat“, er heißt Nico Koal. Vor Veranstaltungsbeginn tritt er vor das Haus. Im Gespräch bezeichnet er sich selbst als „Nationaldemokrat“. Er erklärt: „Wir wollen die Demokratie in die Richtung lenken, dass sie zuerst dem deutschen Volke dient.“ Zu seiner Nation würden ausschließlich jene gehören, die deutsches Blut hätten.
So möchte die Partei „Die Heimat“ Jugendliche ansprechen
Ein anderer Mann, der sein Gesicht mit einem Schlauchschal der Jungen Nationalisten bedeckt, sagt, dass man bei der Veranstaltung mit 40 bis 50 Personen rechne. Er trägt ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Übermensch“, unterhalb der Schrift sind diverse Runen zu erkennen. Auf seinem Unterarm ist ebenfalls eine Rune zu sehen. Er trägt ein Tattoo mit der sogenannten Odal-Rune.
Erklärt: die Odal-Rune
Die Odal-Rune (ᛟ) steht ursprünglich für Besitz, Heimat oder Erbe.
Im 20. Jahrhundert wurde sie von nationalsozialistischen Organisationen missbraucht und wird heute teilweise von rechtsextremen Gruppen als Symbol verwendet.
Das öffentliche Zeigen der Odal-Rune ist in Deutschland strafbar, wenn es im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Organisationen oder zur Verherrlichung des Nationalsozialismus geschieht.
Liederabende im Jahr 2025 wirken etwas aus der Zeit gefallen, sie verfolgen allerdings ein klares Ziel. Zur Rolle solcher Veranstaltungen schreibt der Verfassungsschutzbericht: „Zudem wird derzeit der Trend beobachtet, dass die Szenemusik über das klassisch neonationalsozialistisch geprägte Milieu hinaus immer anschlussfähiger wird.“
Minderjährige auf Neonazi-Liederabend
Die Partei hofft, mit der Musik neue Interessenten an sich zu binden. An diesem Freitagabend kommen Jugendliche und Kinder in Kontakt mit neonazistischer Ideologie. Zumindest eine teilnehmende Person ist erst 13 Jahre alt, wie aus dem Austausch mit dem Teilnehmer mit der Odal-Rune zu erfahren ist.
Nach Informationen dieser Redaktion gab es keine polizeibekannten Zwischenfälle bei der Veranstaltung. Vor Ort sollen Mitarbeiter des Staatsschutzes gewesen sein.
In den Sozialen Medien veröffentlichen Teilnehmer am selben Abend Bilder vom Innenraum des Gebäudes in Klettwitz. Verkaufsstände mit Stickern und Kleidung sind aufgebaut. Besonders ein Sticker mit dem Schriftzug „Her zu uns“ kokettiert in seiner Ästhetik stark mit jener des Nationalsozialismus.

Ein Sticker der Jungen Nationalisten (r.) hat starke Ähnlichkeit mit einem anderen, der aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt.
Montage von Recherche-NordWer in der Nacht an dem Haus vorbeigeht, würde nicht ahnen, was drinnen vor sich geht. Nur wer ganz genau hinhört, kann einzelne Melodien wahrnehmen. Wenig Licht strahlt nach außen. Die Fenster sind verhangen. Wie auf einem Bild in den Sozialen Medien zu sehen ist, wurde eine große schwarz-weiß-rote Flagge vor die Fenster gespannt. Darunter ist ein Schriftzug: „Volkserhalt statt Multikulti“ zu sehen.





