„Es kann nur ein Wolf gewesen sein. Oder mehrere“, ist sich Frank Seidling vom Mückenberger Reit- und Fahrverein sicher. Mit Schrecken denkt der Lauchhammeraner Kremser-Unternehmer an den Gründonnerstag zurück, als er am Waldrand, direkt neben seiner gepachteten Pferdekoppel, auf einen toten Rehbock stieß. Von dem Tier waren lediglich Kopf, Vorderläufe und der ausgefressene Rumpf übrig. „Und einen Tag später war auch noch der Rest aufgefressen“, erinnert sich Seidling. Mehr noch: Bereits am Ostermontag sind mehrere Rehe an der Senftenberger Straße aufgetaucht. Das heißt, der Wolf muss immer noch vor Ort sein“, glaubt der Lauchhammeraner.

Mehr noch als den Wildtieren gilt seine Sorge den eigenen Pferden, die eigentlich längst auf der Koppel zwischen der Senftenberger Straße und der Bahntrasse in Lauchhammer-West hätten grasen sollen. „Ich habe Angst, meine Tiere jetzt dorthin zu transportieren. Stattdessen befinden sie sich auf dem Gehöft und müssen zugefüttert werden. Ein teurer Spaߓ, resümiert Frank Seidling.

Bereits im Herbst 2018 hätten sich seine Rösser eigenartig verhalten. „Sie waren total hektisch. Das habe ich vorher so noch nicht erlebt“, bekennt der Landwirt. Auch da können seinen Angaben zufolge nur Wölfe im Spiel gewesen sein. Die Pferde ist Seidlings Lebensversicherung. Schließlich benötigt er die Tiere für seine Kremsertouren. „Davon lebe ich“, sagt er.

Den Vorfall mit dem toten Rehbock bestätigt Matthias Leisner, der ebenfalls Pferde auf der Koppel in Lauchhammer-West zu stehen hat. Ebenso, dass bereits im Vorjahr acht Pferde durchgegangen sind, möglicherweise wegen der Nähe eines oder mehrerer Wölfe. Bei den offiziellen Stellen gemeldet worden sei der jüngste Vorfall vom Gründonnerstag allerdings bislang nicht.

Kein Wunder, dass der Lauchhammeraner Wolfsbeauftragte Frank Raden bis dato nichts vom dem gerissenen Rehbock wusste. Der Experte ist weit vorsichtiger bezüglich der Aussage, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsangriff gehandelt haben könnte. „Normalerweise frisst der Wolf die Vorderläufe von Rehen immer komplett auf. Das ist in diesem Fall nicht der Fall.“ Zudem seien Raden auch Wolfshunde bekannt, die in Lauchhammer gehalten werden. Auch die Tatsache, dass die Überbleibsel des Bockes einen Tag später fast gänzlich verschwunden waren, wundert den Fachmann nicht: „Füchse haben die Angewohnheit, den Kadaver auseinander zu nehmen und die Teile an einem sicheren Ort für später zu verbuddeln.“ Zudem seien bei totem Wild auch Kolkraben schnell zur Stelle. Selbst Wildschweine, die Allesfresser sind, verschmähen solche Bissen nicht. „Wenn die Schwarzkittel am Werk waren, kann es anschließend wie im Schlachthaus aussehen“, weiß Frank Raden aus Erfahrung.

Um ihre Pferde bräuchten sich die Halter indes wenig Sorgen machen. Raden sagt, dass ihm kein Fall bekannt sei, dass sich die Graupelze an Pferden vergehen.

Wie dem auch sei, Wölfe gibt es auch in und um Lauchhammer. Nördlich der Stadt lebt nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) das Grünhauser Rudel, südlich das Ruhlander-Heide-Rudel. Darüber hinaus ist im Westen das Prösaer Rudel ansässig, östlich die Wolfsfamilien von Hohenbocka, Senftenberg und Großräschen.

Mit Stand Jahreswechsel 2018/2019 gab es brandenburgweit 39 Wolfsvorkommen plus 13 grenzüberschreitende Vorkommen. Die höchste Dichte erreichen die Graupelze in der Niederlausitz.