Von Jan Augustin

Ein 38-jähriger anerkannter Flüchtling aus Syrien sorgt für viel Ärger in seiner neuen Heimat Oberspreewald-Lausitz. Vor einer Woche ist der Mann in der Asyl- und Ausländerbehörde in Senftenberg ausgerastet. Er schmeißt Stühle um, drischt gegen Scheiben und brüllt die Mitarbeiter an. Dabei ist er nur dort, weil er seinen Aufenthaltstitel verlängern muss. Ein Formalie – vergleichbar mit der Antragstellung für einen neuen Personalausweis. Doch der Mann tickt aus. Warum, weiß keiner. Die Polizei spricht von einem „psychischen Ausnahmezustand“ und nimmt Z. in Gewahrsam.

Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß. Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) macht sich große Sorgen: „Er ist eine tickende Zeitbombe.“ Gegen den Mann laufen beziehungsweise liefen 13 Ermittlungsverfahren seit seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 2015. Die schwerste Straftat bringt ihn für anderthalb Jahren hinter Gitter, nachdem er bei einem Klinikaufenthalt in Lübben eine Krankenschwester mit einer Schere attackiert hat. Die Strafe hat er bis Ende Dezember 2018 abgesessen. „Seitdem macht er uns kreisweit wieder Ärger“, so Heinze. Er belästigt ohne sichtbaren Grund Leute auf der Straße, in Gaststätten, Läden oder Behörden, so der Verwaltungschef. „Meine Leute haben Angst. Wir haben die Sorge und Befürchtung, dass eine Eskalation eintritt“, betont der Landrat. Alle Versuche, ihn auf die gerade Bahn zu lenken, seien bisher gescheitert. Sozialarbeit? „Er lehnt alles ab“, sagt Heinze.

Das bestätigt Sebastian Liedtke von der Flüchtlingsinitiative Buntes Lübbenau, die den Fall Z. von Beginn an kennt. Liedkte beschreibt den 38-Jährigen als streitlustig und unberechenbar. Anfangs habe er noch gedacht, dass das möglicherweise traumatische Folgen des Krieges sein könnten. Doch in Gesprächen mit Landsleuten habe sich herausgestellt, dass er schon in Syrien auffällig gewesen sein soll. Die Lübbenauer Initiative, die vielen Flüchtlingen erfolgreich mit Sprachunterricht und Jobvermittlung hilft, gibt Z. lange Zeit nicht auf, versucht immer wieder, zu ihm durchzudringen. Doch es misslingt. Selbst seine Landsleute sollen sich nach viel Engagement verzweifelt von ihm abgewandt haben. „Die Syrer wollen nichts mit ihm zu tun haben“, sagt Sebastian Liedtke, der ratlos ist: „Es ist schwierig und traurig. Aber wir sind am Ende.“ Z. sei psychisch krank und geistig gestört. Außerdem habe er ein Drogenproblem.

Auch Landrat Heinze weiß nicht weiter. Persönliche Gespräche mit Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hätten noch keine Lösung gebracht. Und der Kontakt zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sei bisher erfolglos geblieben. „Er gehört abgeschoben“, fordert Siegurd Heinze. Dafür aber müsste es eine gesetzliche Grundlage geben, konsequent und zeitnah. Derzeit gilt für das als nicht sicher eingestufte Syrien jedoch ein Abschiebestopp.

Unser Kommentar zum Thema: Politik muss Lösung im Fall Z. anbieten

Straffälliger Syrer macht viel Ärger in Oberspreewald-Lausitz Politik muss Lösung im Fall Z. anbieten

Senftenberg/Lübbenau