„Jede einzelne selbstlose Handlung, die nicht auf Geld, Ruhm oder Ehre aus ist, beeindruckt mich zutiefst. Das kann der Junge von nebenan sein, der einen Nachbarschaftsflyer ausdruckt und im Flur aufhängt, oder die alleinerziehende Mutter, die für die Nachbarin einkauft; die Verkäuferinnen im Supermarkt, die trotz angespannter Situation noch lächeln, die Schwestern, Pfleger, Ärzte, Polizisten“, sagt die Senftenbergerin Maria Meschkat. Die 38-Jährige hat zusammen mit dem Cottbuser Christian Mewes die Webseite „brandenburghilft.de“ ins Leben gerufen. Eine Plattform, die Helfer und Hilfesuchende zusammenführt.

Interaktive Karte im Internet bringt Helfer und Hilfesuchende zusammen

„Auf einer interaktiven Karte können sich Hilfesuchende und Helfer eintragen. Die Zahl der registrierten Helfer steigt täglich“, erklärt Maria Meschkat. Erst im März online gegangen, besteht das Netzwerk schon jetzt aus fast 700 Personen. „Ich denke sogar noch interessanter ist, dass die letzte Vernetzung von Suchendem und Helfendem binnen einer Stunde erfolgt ist“, meint Christian Mewes.

„Was die Helfer und Unterstützer speziell in unserem Kreis OSL betrifft, muss ich sagen, läuft es ein wenig zaghaft. Doch in den letzten Tagen habe ich tolle Menschen kennengelernt, die Projekte ins Leben gerufen haben, die einfach toll sind“, ergänzt Maria Meschkat. So zum Beispiel den Betreuer Martin, der in einem Senftenberger Pflegeheim arbeitet und Bands dazu aufrief, vor dem Heim zu spielen. Das Kulturstream-Studio Hörlitz konnte die Band „Krähe“ für die Aktion gewinnen, die anschließend ein Konzert auf dem Parkplatz veranstaltete, erzählt sie.

Senftenbergerin bietet Nachbarschaftshilfe lange vor Corona

Die Idee, die Nachbarschaftshilfe zu fördern, habe sie schon lange. Im Februar setzte sie sie dann mit einer Facebook-Gruppe in die Tat um. „Die Nachfrage war schnell da und auch der Zuspruch. So, als ob jeder darauf gewartet hat“, sagt die Senftenbergerin. Corona spielte dabei keine Rolle. „Es ist der Gedanke solidarischen Handelns, der, wie ich finde, leider sehr leise geworden ist“, erklärt sie.

Doch bei der Facebookseite wollte sie es nicht belassen. „In der Cottbuser Nachbarschaftshilfe-Gruppe traf ich auf Christian Mewes und Claudia Eckert. Christian war schon am Entwickeln einer Webseite und ohne es richtig greifen zu können, fanden wir uns alsbald im Chat wieder und tauschten Ideen, Ansichten und Wissen aus. So ergab es sich, dass nach nicht ganz 48 Stunden mit wenig Schlaf, aber viel Kaffee www.brandenburghilft.de entstand“, berichtet Maria Meschkat.

Senftenberg

Das Informationsportal bündelt alle Angebote der Regionen und Städte. So sollen Helfer und Hilfesuchende zusammengebracht werden. „Wir dürfen nicht vergessen, was Solidarität heißt. Jetzt in der Krise, aber vor allem auch danach. Und dabei muss nicht immer alles mit Geld abgegolten werden. Es ist doch viel schöner, jemandem ein Lächeln zu entlocken, weil man ihm gerade geholfen hat“, ist sich die Dozentin für Deutsch als Fremdsprache sicher.

Diese Genugtuung kennt sie selbst auch. Seit Beginn der Corona-Krise erledigt sie für ihre Nachbarn die Einkäufe. „Ich habe auch einigen Nachbarn, die mir am Herzen liegen, meine Hilfe direkt angeboten. Nicht jeder sah aber die Notwendigkeit dafür“, sagt sie.

Die Senftenbergerin hält Solidarität auch nach Corona für wichtig

Durch die Coronakrise haben die Menschen wieder zusammengefunden, glaubt sie. „Nicht nur die Hilfsbereitschaft ist größer geworden, sondern auch die Bereitschaft Hilfe anzunehmen“, ist sie sich sicher. Sie hofft, dass dies ein Zustand ist, der Bestand haben wird. So wie ihre Webseite „brandenburghilft.de“.

„Die Webseite und die dazugehörige Facebookseite bedient ja kein einmaliges Phänomen“, erklärt Maria Meschkat. Und Christian Mewes ergänzt: „Themen wie Einsamkeit, Immobilität, Armut oder einfach fehlende Möglichkeiten haben vor Corona bestanden und werden fortbestehen. Es ist an uns, dies als Aufgabe für uns zu erkennen und auch über die Krise hinaus diese Themen mit Solidarität zu bekämpfen.“

Brandenburg hält zusammen


Seit Beginn der Corona-Krise ist die Solidarität und Hilfsbereitschaft unter den Menschen groß. Verschiedenste Angebote sollen sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen durch die Krise bringen.

Die Webseite „brandenburghelfen.de“ ist ein Projekt der Brandenburgischen Tourismuswirtschaft. Auf der Internetseite können Gutscheine unter anderem für Restaurants, Hotels und Geschäfte gekauft werden. So können Unternehmen in dieser schwierigen Zeit finanziell unterstützt werden. Die Gutscheine können eingelöst werden, sobald die entsprechenden Läden wieder geöffnet sind.

Die Telefon-Hotline „SFB hilft!“ ist ein Angebot der Auszubildenden der Stadtverwaltung Senftenberg und des Kinder- und Jugendparlaments. Immer dienstags und donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr nehmen sie unter der Nummer 03573 701-442 Einkaufslisten entgegen.