Von Torsten Richter-Zippack

Der Rostige Nagel, der Aussichtsturm am Sedlitzer See bei Senftenberg, ist der Anziehungspunkt im Lausitzer Seenland schlechthin. Fast jeder Gast der Region kennt den 111 Tonnen schweren und 30 Meter hohen Turm aus Cortenstahl, sagen die Touristiker. Seit gut zehn  Jahren bietet seine Plattform einen weiten Blick über drei neue Seen.

„Die Konstruktion hat einen sehr großen Wiedererkennungswert. Die Leute können ihn sofort dem Seenland zuordnen“, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Mittlerweile sei der Nagel selbst in Tschechien bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder, kommt doch rund ein Zehntel der Feriengäste im Lausitzer Seenland aus dem Nachbarland. „Die Architektur ist sehr prägnant. Genauso muss es sein“, urteilt die Expertin.

Prof. Rolf Kuhn gehört zu den geistigen Vätern der Landmarke. „Die Idee kam aus unserer Internationalen Bauausstellung (IBA) heraus“, erinnert sich der einstige IBA-Chef. „Als ich den Turm im Bau erstmals gesehen hatte, er war damals zwischen fünf und zehn Meter hoch, war ich total begeistert. Da wusste ich, dass unsere Idee zu einem Symbol des Lausitzer Seenlandes werden würde.“ Schließlich verweise die Konstruktion dank ihrer rostbraunen Farbe auf das einstige Industriezeitalter in der Lausitz. Hinzu komme der „jugendlich frisch“ wirkende Treppenaufgang. „Und natürlich der fantastische Ausblick von der Plattform auf drei Seen als Zukunft der Region“, merkt Rolf Kuhn an. „Die Lausitzer dürfen stolz auf ihren Rostigen Nagel sein. Und das sind sie auch“, fügt er an. Die volkstümliche Bezeichnung für die Landmarke bewertet der Großräschener als Kosenamen, als Auszeichnung. „Denn er zeigt, dass die Bevölkerung ihren Turm mag.“

Dabei war der Weg zum Rostigen Nagel vor über einem Jahrzehnt alles andere als einfach. Der damalige Senftenberger Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU) erinnert sich an manche Sitzung der Stadtverordneten, in denen erbittert um den Turm gerungen worden war. „Wir mussten eine Summe von über einer Million Euro schultern“, berichtet Graßhoff. „In Sedlitz wollte der Ortsbeirat das Projekt sogar in Gänze kippen. Allerdings konnten wir die Bürger vom Nutzen dieser Investition überzeugen.“

Auch die Senftenberger waren anfangs skeptisch. „Als am Eröffnungstag die ersten Einheimischen auf der Plattform standen, gab es die Beschwerde, dass man die Kreisstadt nicht sehen könne“, erzählt der Altbürgermeister. Aber darum gehe es bei der Landmarke gar nicht. „Sie soll ja den Blick in die Landschaft ermöglichen. Wer unsere Stadt von oben sehen will, kann ja auf den Kirchturm steigen.“

Der Münchener Architekt Stefan Giers hat den Rostigen Nagel entworfen. Oder eigentlich auch nicht, wie er anmerkt: „Das Bauwerk hat sich eigentlich selbst geplant. Die Idee kam ja aus der Region, und ich bin nur diesem Vorschlag gefolgt.“ Rein architektonisch gesehen hätte er das Bauwerk problemlos zehn Meter höher planen können. „Aber die 30 Meter Maximalhöhe waren ja im damaligen Architekturwettbewerb vorgesehen“, begründet der Experte.

Wie viele Besucher den Turm pro Jahr besteigen, kann Detlef Wurzler, Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) als Eigentümer, nicht sagen. „Wir zählen sie nicht.“ Er selbst, dass gibt der Schwarzheider unumwunden zu, gehörte einst zu den Skeptikern. „Ich konnte mir vor über zehn Jahren nicht vorstellen, wie diese 111 Tonnen Stahl auf das Seenland wirken würden. „Aber ich wurde letztendlich positiv überrascht.“

Wurzler kündigt an, dass das Turmumfeld perspektivisch weiter entwickelt wird. So sei neben einer Buswendeschleife ein neuer Parkplatz mit 30 bis 40 Stellflächen vorgesehen. Eine größere Gastronomie als der jetzige Imbisskiosk „Rostlaube“ werde indes nicht geplant. „Ich denke, die Rostlaube reicht aus. Touristikerin Kathrin Winkler sieht die Lage etwas anders: „Spätestens wenn der Sornoer Kanal befahren werden kann, brauchen wir hier am Standort eine Vollgastronomie. Schließlich ist der Rostige Nagel längst das Wahrzeichen des Lausitzer Seenlandes, und das wollen alle sehen.“

Kleinkoschen/Sedlitz

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Senftenberg/Hoyerswerda