Der Kampf um den Erhalt des „Blauen Wunders“ am Lausitzring ist verloren. „Wir haben wirklich alles versucht, um den Schaufelradbagger zu retten. Aber der Aufwand ist beim besten Willen finanziell nicht machbar“, sagt Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU). „Die Schäden durch Vandalismus und Diebstahl sind so immens, dass der Bagger mittlerweile nicht mehr betreten werden kann.“ Allerdings bietet der Rathauschef einen kleinen Kompromiss für die über 50 Meter hohe, über 170 Meter lange und bereits fünfeinhalb Jahrzehnte alte Stahlkonstruktion an: „Wir werden versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Ich denke da beispielsweise an Typenschilder und die Eimerschaufeln. Diese originalen Teile wollen wir in unserer Gemeinde an repräsentativen Standorten ausstellen.“ Klaus Prietzel weist darauf hin, dass für sehr viel Geld zwar eine Sanierung des Baggers möglich sei, die Kommune aber spätestens in zehn Jahren wieder vor dem gleichen Problem stünde.

Das stößt auf Unmut. Mit Einzelteilen will sich Klaus Rohde aus Schipkau nicht zufrieden geben. „Ich würde heulen, wäre ich Bergmann. Traditionspflege, und dazu zähle ich den Erhalt des Baggers, betrachte ich auch als einen Teil des Strukturwandels in der Lausitz.“ Rohde, so sagt er selbst, hatte sich seinerzeit dafür engagiert, dass der Schaufelradbagger an seinen heutigen Standort gekommen ist.

Ursprünglich war gleich nach der Außerdienststellung im Jahr 2002 die Verschrottung geplant. Doch die Kommunen Senftenberg, Großrä­schen und Hörlitz hatten sich für den Erhalt des Tagebaugerätes als weithin sichtbare Landmarke ausgesprochen. Daraufhin wurde der Stahlkoloss mit der Typenbezeichnung SRs 1500 an den nördlichen Ortsrand von Hörlitz gefahren.

Da sich diese Stelle allerdings fernab von bewohntem Gebiet befindet, haben Diebe und Vandalen leichtes Spiel. Gemeindevertreter Günter Kern (SPD), der einst selbst den Bagger steuerte, berichtet, dass selbst die oberste Scheibe des Baggers in einer Höhe von rund 55 Metern beschädigt sei. „Man kann dort nicht mehr hochsteigen, ohne sich in Gefahr zu bringen.“ Eine Sanierung sei nur mittels eines riesigen Krans denkbar. Und das könne niemand bezahlen. „Die bereits am Bagger zerstörten Teile sind gar nicht mehr aufzuzählen. Hinzu kommt die fortgeschrittene Korrosion. Daher finde ich es gut, zumindest ein paar Relikte zu erhalten und öffentlich zu präsentieren“, so Kern.

Wann der Bagger tatsächlich in seine Einzelteile zerlegt wird, steht nach Angaben der Gemeinde Schipkau noch nicht fest. Der Kontakt zu Abbruch-Spezialisten sei bereits geknüpft, sagt Bauamtsleiter Martin Konzag.

Das 3000 Tonnen schwere Arbeitsgerät aus Stahl ist Mitte der 1960er-Jahre im Schwermaschinenwerk Lauchhammer hergestellt worden. Der Bagger war vorwiegend im Tagebau Meuro, heute der Großräschener See, im Einsatz. Mitte der 1980er-Jahre arbeitete das Gerät zeitweise auch im Tagebau Welzow-Süd. Zwischen 1999 und 2002 ist der Bagger in der Sanierung der inzwischen ausgelaufenen Meuroer Grube eingesetzt gewesen. Seit dem Jahr 2003 befindet er sich am jetzigen Standort. Die Bezeichnung „Blaues Wunder“ hat der Schaufelradbagger wegen seines hellblauen Korrosionsanstriches. Mit am besten ist er vom Hörlitzer Aussichtsturm zu sehen. Noch.