Welche Gebiete Brandenburgs sind von den Forstschädlingen besonders betroffen

Martin Hasselbach: Es gibt Schwerpunkte südlich von Berlin. Gemeint sind insbesondere die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Auch in der Lausitz existieren diese Insektenkalamitäten. Die hiesigen Wälder sind keinesfalls schadlos.

Welche Auswirkungen haben die aktuell hohen Mengen an Schadholz auf den Holzpreis?

Hasselbach: Durch Wetterkapriolen und Insektenfraß sind bundesweit zwischen 45 und 50 Millionen Kubikmeter Holz entwertet worden. Für Brandenburg gibt es bislang keine Zahlen. Fest steht allerdings, dass der Holzmarkt total übersättigt ist. Somit ist Schadholz fast entwertet, es bringt so gut wie keine Erlöse mehr.

Was empfehlen Sie den betroffenen Waldbesitzern?

Hasselbach: Am günstigen ist die Eigenverwertung, in erster Linie natürlich als Brennholz. Bestenfalls lässt sich Holz in diversen Heizkraftwerken verwerten. Ansonsten sind wir in dieser Frage ziemlich ratlos.

Wie lange wird dieser Zustand noch anhalten?

Hasselbach: Auch das lässt sich gegenwärtig nicht voraussagen. Im Gegensatz zu den schweren Stürmen der Vergangenheit, beispielsweise Vivien, Wiebke oder Kyrill, als zeitlich eng begrenzte Ereignisse wissen wir nicht, wie lange die aktuellen Insektenkalamitäten noch anhalten. Hinzu kommt, dass die Brandenburger Wälder durch das extreme Dürrejahr 2018 geschädigt und damit weniger widerstandsfähig gegen Schäden sind.

Wie beurteilen Sie das kürzliche Aus des Insektizid-Einsatzes gegen Forstschädlinge in Brandenburger Wäldern?

Hasselbach: Ich bezeichne dieses Verbot als aggressiven Akt gegen unsere Landbevölkerung. Denn viele Familien bewirtschaften kleine und Kleinstwälder. Und diese werden ihnen von den Insekten jetzt förmlich weg gefressen. Die Initiatoren des Befliegungsverbots vom Naturschutzbund Deutschland müssen in der Regel die Folgen nicht tragen, die Leute auf dem Lande dagegen schon. Die meisten nutzen ihren Wald als Zusatzeinkommen. Das wird durch solche Entscheidungen bedroht.

Die vernichteten Waldflächen müssen wieder aufgeforstet werden. Gibt es dazu Unterstützung vonseiten des Landes?

Hasselbach: Klar kostet die Wiederaufforstung viel Geld. Es gibt zwar entsprechende Förderinstrumente. Allerdings wird dadurch die waldbauliche Freiheit eingeschränkt, da die Gelder an bestimmte Baumarten gebunden sind. So werden nicht zwingend die Interessen der Waldbesitzer unterstützt, sondern die forstlichen Leitbilder der Landesregierung.

Auf was ruhen jetzt Ihre Hoffnungen?

Hasselbach: Nun, wir hoffen in erster Linie auf einen normalen, möglichst niederschlagsreichen Sommer. Das bedeutet Erholung für unsere Wälder. Möglicherweise kommen wir dann ab dem kommenden Jahr wieder in ruhigeres Fahrwasser.

Mit Martin Hasselbach sprach Torsten Richter-Zippack

Elbe-Elster

Hoyerswerda