Heinz-Dieter Kallbach
: Tollkühne Landung von Interflug-Pilot in Stölln vor 35 Jahren

Deutschlands legendärster Flugpilot Heinz-Dieter Kallbach, ein Sohn aus Lauchhammer, landete vor 35 Jahren tollkühn auf einem Acker in Stölln – und damit auch im Guinness-Buch.
Von
Rita Seyfert
Lauchhammer
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Heinz-Dieter Kallbach landete am 23. Oktober 1989 am Gollenberg in Stölln.

Es war ein tollkühnes Spektakel und Husarenstück: Fliegerlegende Heinz-Dieter Kallbach aus Lauchhammer landete am 23. Oktober 1989 mit einer ausrangierten Interflug-Maschine IL62 auf einem Acker am Gollenberg in Stölln.

Weber
  • Heinz-Dieter Kallbach landete 1989 tollkühn eine IL62 auf einem Acker in Stölln, was ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch einbrachte.
  • Kallbach, auch bekannt für das Retten von 148 Menschen 2000, war der jüngste Offizier der NVA und älteste in Pension gehende Pilot Deutschlands.
  • Die Landung der IL62, jetzt "Lady Agnes", in Stölln war für ein Museum gedacht und ist eine Touristenattraktion.
  • Kallbach lebt in Bad Saarow und bildet weiterhin Piloten aus.
  • Die Interflug war eine wichtige Fluglinie der DDR, bekannt für günstige Preise und schnelle Verbindungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Heinz-Dieter Kallbach (84), ein Sohn aus Lauchhammer, hat sich als „Teufelskerl“ der Interflug einen Namen gemacht. Er besiegte unter anderem einen Selbstmordattentäter und rettete damit 148 Menschen das Leben. Und er schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Wenn es so etwas gibt, dann ist er der „eine“ Flieger in Berlin und Brandenburg, vielleicht sogar in ganz Deutschland.

Geboren in Essen, wuchs Heinz-Dieter Kallbach in der Lausitz auf. Als 1942 die Bombenangriffe kamen, floh seine Mutter mit dem damals zweijährigen Jungen nach Brandenburg zu ihren Eltern. „Es war ihr wohl mit mir einfach zu gefährlich“, erzählt er.

So kam Fliegerlegende Heinz-Dieter Kallbach nach Lauchhammer

Kallbachs Mutter stammte aus Bückgen bei Großräschen, einem Ort, der der Grube Ilse, dem späteren Tagebau Meuro weichen musste. Später lebte die Familie in Koyne. Das war eine Siedlung mit vier massiven Häusern und ein paar Baracken. Zur Schule ging Kallbach in Kleinleipisch, dem heutigen Lauchhammer-Nord.

Pilot war erstmal gar nicht sein Traumberuf. Nach einem Ausflug mit einem Raddampfer in der Sächsischen Schweiz fasste er eigentlich den Entschluss zur See zu fahren. Die blauen Uniformen der Schiffsbesatzung mit den goldglänzenden Knöpfen hatten es ihm angetan. Am Ende wurde er dann aber doch Pilot, allerdings über einen Umweg.

Welchen Beruf Heinz-Dieter Kallbach eigentlich ergreifen wollte

„Ich war 14, als ich mit der Schule fertig war“, erzählt er. Sein Vater wollte unbedingt, dass er mal studiert. Aber er war Alleinverdiener und deshalb musste er erst einmal einen „anständigen Beruf“ erlernen und mit Geld verdienen. Und so wurde Heinz-Dieter Kallbach im Bagger-, Förderbrücken- und Gerätebau Lauchhammer zum Dreher ausgebildet.

Dort blieb er aber nicht lange. Kallbach wurde kurz darauf Militärflieger. Sein weiterer Lebensweg lässt sich mit vielen Superlativen beschreiben. Er war der jüngste Offizier der Nationalen Volksarmee, der jüngste Flugkapitän, und der im Jahr 2005 mit 65 Jahren älteste in Pension gehende Pilot einer deutschen Fluggesellschaft. Kallbach, der inzwischen in der Kurparkresidenz in Bad Saarow lebt, bildet bis heute Piloten am Flugsimulator für moderne Verkehrsflugzeuge, Boeing und Airbus aus.

Was Pilot Kallbach über die Interflug erzählt

Wohl kaum ein Pilot hat so viele Kilometer am Himmel verbracht. Fast sein ganzes Leben saß er im Cockpit eines Flugzeuges. Die Hälfte davon für die Interflug, für westliche Reisende die erste Billigfluglinie, die es gab. „Viele Westdeutsche und West-Berliner sind damals mit uns in den Urlaub geflogen, weil das für sie extrem preisgünstig war“, erzählt er.

Die Interflug hatte zu dieser Zeit die schnellste Verbindung nach Peking. Während die Lufthansa über Dubai 16 Stunden brauchte, schaffte die Interflug das via Moskau in zehn Stunden. „Und wir haben beispielsweise mit unseren Flugzeugen auch Besatzungen der Hochsee-Fischereiflotte der DDR, Polens und der Sowjetunion nach Montevideo geflogen“, berichtet er. Die Schiffe blieben im Südatlantik und die Besatzungen wurden getauscht.

Wie Heinz-Dieter Kallbach 148 Menschen das Leben rettete

Heinz-Dieter Kallbach schaut auf ein turbulentes Fliegerleben zurück. Zehn Triebwerksausfälle hat er gemeistert, zwei brennende Maschinen sicher zu Boden gebracht, einen Selbstmordattentäter, der den aus Teneriffa kommenden Ferienflieger zum Absturz bringen wollte, nach einem fünfminütigen Kampf auf Leben und Tod im Cockpit überwältigt. Nach der Landung kam Kallbach mit zahlreichen Blessuren ins Krankenhaus, und er wurde erneut als Held gefeiert. Das war im Jahr 2000.

Bereits ein gutes Jahrzehnt zuvor ging Kallbach in die Geschichtsbücher ein, oder besser gesagt ins Guinnessbuch der Rekorde. Für die wohl verrückteste Landung einer Iljuschin IL 62, die es je gegeben hat. Im Oktober 1989 hob der Interflug-Kapitän mit der Maschine in Schönefeld ab. Zielort war Stölln. Die IL 62 sollte dort das Museum für Otto Lilienthal bereichern.

So landete Heinz-Dieter Kallbach im Guinnessbuch der Rekorde

Für die Punktlandung der ausrangierten Interflug-Maschine hatte Heinz-Dieter Kallbach nur knapp 1000 Meter. „Es ist nicht üblich, mit Verkehrsflugzeugen dieser Größenordnung auf einem solchen Acker zu landen“, hatte er damals dem Journalisten erklärt. Eine „leichtsinnige, unverantwortliche Schnapsidee“, argumentierten die Kritiker.

Die als Verkehrsflugzeug ausgesonderte Maschine sollte auf dem Segelflugplatz am Gollenberg in Stölln im Havelland ein zweites Leben bekommen. Stölln, so heißt die kleine Gemeinde, in der jährlich das Lilienthal-Fest gefeiert wird. Von hier aus hatte Flugpionier Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts etliche Flugversuche gestartet. Bei seinem letzten im Jahr 1896 war er dort abgestützt und gestorben.

Mit der Landung einer IL 62 in Stölln wurde Kallbach zur Legende

Zur Demonstration dessen, was Otto Lilienthal einmal angefangen hat und wo Stölln heute steht, sollte in dem Flugzeug ein Museum eingerichtet werden. Der Vorsitzende des damaligen Otto-Lilienthal-Komitees, zugleich Generaldirektor der Interflug, hatte die Idee. Heinz-Dieter Kallbach, damals Chefpilot der IL-62-Staffel bei der DDR-Fluggesellschaft, wurde mit der Aufgabe betraut.

Die Maschine für den Transport erst in Berlin-Schönefeld auseinander- und in Stölln wieder zusammenzubauen, wurde als zu teuer abgelehnt. Für den Landtransport war der Jet zu groß. Er hätte unter keiner Brücke durchgepasst. Nur der Luftweg blieb. Doch eine IL-62 braucht zum Landen eine 2500 Meter Betonpiste. In Stölln gab es aber nur den 850 Meter langen Acker.

Ein unmögliches Unterfangen: So klappte es am Ende doch

Kallbach, früher auch Testpilot für diesen Flugzeugtyp, stellte Berechnungen an. Ein unmögliches Unterfangen, zu diesem Ergebnis kam er zunächst immer wieder. Die Maschine war mit 83 Tonnen einfach zu schwer. Ballast musste raus. Also ließ Kallbach die Sitze ausbauen, ebenso die schwere Hilfsenergieanlage sowie das Stützfahrwerk mit dem Getriebe im Heck. Dadurch konnten sieben Tonnen reduziert werden.

Dann, beim dritten Anlauf am 23. Oktober, passte alles, Wetter, Wind und Technik. Gegenwind blies. Dadurch wurde der Bremsweg verkürzt. Auch die Sicht von Schönefeld bis Stölln war gut. Denn die Besatzung flog nach Karte. Der Boden auf dem Acker der viel zu kurz wirkenden, holperigen Graslandebahn war trocken und tags zuvor noch von Vibrationswalzen fester gerüttelt worden.

Die Stöllner taufen die IL 62 auf den Namen „Lady Agnes“

Alle hielten den Atem an, als der große Vogel gegen alle Vorschriften sicher aufsetzte und schließlich in einer riesigen Staubwolke auf dem Acker zum Stehen kam. Die Mannschaft schwebte auf dem Jubel der Zuschauer. Pilot Heinz-Dieter Kallbach hatte das Unmögliche möglich gemacht.

Heute ist die ausrangierte Maschine eine Touristenattraktion. Die Stöllner taufen die IL 62 auf den Namen „Lady Agnes“, zu Ehren von Otto Lilienthals Ehefrau. Die Verwaltung richtete ein Standesamt in dem Flugzeug ein. Darin haben sich bis heute über tausend Paare das Ja-Wort gegeben.