Von Torsten Richter-Zippack

Wer nach dem Ruhlander Mordstein sucht, muss schon sehr genau hinschauen. Denn der rund einen Meter hohe Sandstein befindet sich zwar nur 15 Meter von der Landstraße Ruhland - Arnsdorf entfernt, ist aber durch wilden Flieder und Eichenzweige kaum sichtbar.

Darüber hinaus fehlt seit Jahren die entsprechende Gedenktafel, bemängelt der Ruhlander Heimatforscher Wilhelm Zimmerling. „Das erste Exemplar wurde zerstört. Das zweite Exemplar ist spurlos verschwunden“, berichtet der Ruhlander, dessen Parkaktiv um den Gedenkstein einst Blausterne und Veilchen anpflanzte. „Durch die Trockenheit sind diese Pflanzen eingegangen“, hat Zimmerling festgestellt.

„Es ist einfach schade um diesen Erinnerungsort. Zumindest eine neue Tafel wäre wünschenswert. Denn sonst wissen die Leute ja gar nicht, warum dort dieser Stein steht.“ Das Exemplar war im Jahr 2002 von Heimatforscher Dieter Lehmann im Gestrüpp wieder entdeckt und anschließend restauriert worden.

Der Stein erinnert an den Arnsdorfer Bauernjungen Paul Skadock. Der 15-Jährige war am 18. März 1905 auf dem Heimweg vom Ruhlander Bahnhof an dieser Stelle ermordet worden. Skadock hatte in der Brikettfabrik in Lauchhammer gearbeitet. Der Täter hatte es auf den Arbeitslohn abgesehen und erstach den Arnsdorfer. Laut Wilhelm Zimmerling wurde der Täter nie gefasst. Allerdings schlug das Verbrechen weite Kreise. Denn, so hat Zimmerling recherchiert, gab es seinerzeit darüber sogar einen Artikel in einer US-amerikanischen Zeitung im Bundesstaat Indiana unter der Überschrift „Neuigkeiten aus Deutschland“.

Wie es indes mit dem Skadock-Stein weitergeht, ist ungewiss. Die Straßenmeisterei ist indes nicht zuständig, wie Dr. Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen anmerkt. „Für uns gibt es keine Unterhaltungspflicht, da er sich nicht auf dem Straßengrundstück befindet.“ Das Ruhlander Parkaktiv unter Wilhelm Zimmerling ist mit der Pflege diverser Grünanlagen im Oberlausitzer Städtchen genug beschäftigt, heißt es.