Friedenskirche Lauchhammer: Namen Gefallener verewigt – Nachfahren gesucht

Norbert Pietsch, der sich als Ehrenamtler für die Werkskirche in Lauchhammer engagiert, zeigt die bronzierten Eisenplatten mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitarbeiter vom ehemaligen Lauchhammer-Werk, heutige Takraf und Kunstgießerei.
Rita Seyfert- Namen gefallener Erster Weltkrieg-Mitarbeiter vom Lauchhammer-Werk auf Eisenplatten verewigt.
- Platten in Friedenskirche Lauchhammer aufgehängt; Nachfahren der Gefallenen werden gesucht.
- Bronzetafeln im Depot des Kunstgussmuseums wiederentdeckt; 15 Tafeln mit Namen, guter Zustand.
- Jugendliche sollen in Projekten die Geschichte erforschen; Sanierung der Werkskirche geplant.
- Bürgerforum gut besucht; Ideen für Nutzung als „Kirche für alle“ gesammelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kurt Solbrig, geboren am 12. Juli 1891, gefallen am 8. Juni 1915, so steht es in altdeutscher Schrift auf einer Eisenplatte, die im Depot vom Kunstgussmuseum in Lauchhammer wiederentdeckt wurde. Als er starb, war er erst 23 Jahre alt. Der junge Mann, ein Mitarbeiter im Lauchhammer-Werk, heutige Takraf und Kunstgießerei Lauchhammer KG, ließ im Ersten Weltkrieg sein Leben an der Front.
Seine Arbeitskollegen Otto Ebeling (geboren am 24. Januar 1871, gefallen am 21. Oktober 1914), Georg Fiebig (geboren am 30. Mai 1892, gefallen am 24. Juni 1915) und etwa 150 weitere Männer teilen sein Schicksal. Sie alle waren im arbeitsfähigen Alter und im Lauchhammer-Werk tätig, bevor sie in den Krieg eingezogen wurden.
Warum die Namenstafeln zur Friedenskirche dazugehören
Im Gedenken an ihr Schicksal wurden ihre Namen auf insgesamt 15 bronzierten Eisenplatten verewigt und an die Wände der Friedensgedächtniskirche gehängt. Barbara Hackenschmidt, die sich als Ehrenamtlerin gemeinsam mit Dr. Norbert Pietsch für die weitere Nutzung der Werkskirche engagiert, kennt die Festschrift, die zur Eröffnung am 18. November 1917 verlesen wurde.
„Die Namenstafeln gehören zu diesem Denkmal dazu“, sagt sie. „Man kann sie nicht einfach wegmachen.“ Schließlich sei die Werkskirche damals als Friedensgedächtniskirche auch maßgeblich im Gedenken an die gefallenen Mitarbeiter vom Lauchhammer-Werk gebaut worden.
Heute liegen die Namensplatten im Depot vom Kunstgussmuseum
Doch im Laufe der Zeit sind die Eisentafeln mit den Namen der gefallenen Mitarbeiter vom ehemaligen Lauchhammer-Werk aus der Kirche verschwunden. Wann genau, und warum, das ist nicht bekannt. Barbara Hackenschmidt vermutet, dass man mit diesem Teil der deutschen Geschichte in der ehemaligen DDR nichts zu tun haben wollte.

Die Friedensgedächtniskirche in Lauchhammer wurde durch das ehemalige Lauchhammer-Werk initiiert, gebaut und später auch betrieben.
Rita SeyfertViele Lauchhammeraner würden die Namenstafeln gar nicht kennen. „Glücklicherweise wurden die Namensplatten nach der Wende wiederentdeckt“, berichtet Barbara Hackenschmidt. „Der Zustand ist super.“ Ordentlich übereinandergestapelt, haben die 15 Tafeln die Jahre im Depot vom Kunstgussmuseum überdauert.
Nachfahren gesucht: Wer waren diese Männer aus Lauchhammer?
Ziel sei es, den Namen dieser Männer wieder ein Gesicht zu geben und darüber auch einen Bezug zur Stadt Lauchhammer herzustellen. Dies könnte beispielsweise im Rahmen von Projekten mit Jugendlichen geschehen. Denkbar sei, dass Jungpfarrer Sven Schmidt, Gemeindepfarrer aus Lauchhammer, gemeinsam mit den Jugendlichen recherchiert und sich auf Spurensuche nach möglichen Nachfahren macht.
Die Ideenfindung läuft. Beim Bürgerforum zur Zukunft der Friedensgedächtniskirche in Lauchhammer signalisierte Pfarrer Sven Schmidt bereits, dass die Arbeit mit Jugendlichen für ihn immer Priorität habe. „An dieser Stelle dürfen wir niemals nachlassen“, betont er.
Für die alte Werkskirche ist eine Sanierung vorgesehen
Auch Pfarrerin Dorothea Land, Leiterin des Zentrums für Dialog und Wandel der Evangelischen Kirche, hat für diesen „partizipativen Prozess“ ihre Unterstützung zugesagt. Sie will begleiten, beraten, moderieren und die verschiedenen Akteure zusammenbringen. Auch die Bürger sollen sich mit ihren Ideen für die Friedensgedächtniskirche als „Kirche für alle“ einbringen können.

Das Bürgerforum im Kunstgussmuseum in Lauchhammer zur Zukunft der Friedensgedächtniskirche am 13. November war gut besucht.
Rita SeyfertDie Rahmenbedingungen könnten aktuell nicht besser sein. Schon vor zwei Jahren hat Brandenburg der Stadt Lauchhammer Strukturwandelgelder in Höhe von fast 19 Millionen Euro versprochen. Die Pläne klingen verheißungsvoll. Für das Erlebniszentrum „Erz“ in Lauchhammer Ost auf dem Areal zwischen Friedensgedächtniskirche, Kunstgießerei und Kunstgussmuseum ist auch eine Sanierung der alten Werkskirche vorgesehen.
Kirche für alle: Was mit der Werkskirche geplant ist
Die vorbereitenden Arbeiten sollen nach Informationen durch Manuela von Schrödel-Siemau, Mitarbeiterin der Stadt Lauchhammer, bereits begonnen haben. Demnach hat der Bauhof in der Kirche neben den Vorhängen auch die Holzverschalungen entfernt. Dadurch sind die bunt verglasten Fenster im Jugendstil mit Motiven aus dem Arbeitsleben der damaligen Zeit von Innen wieder sichtbar geworden.
„Momentan sind wir dort in der Planungsphase“, so von Schrödel-Siemau. Geplant sei ein Ort der Begegnung für alle Menschen. Der architektonische Charakter der Kirche mit den alten Wandfliesen soll erhalten bleiben. Das bereits zu DDR-Zeiten entwidmete Gebäude steht unter Denkmalschutz. Der Taufstein, Altar und die Kanzel fehlen.
Die Kirchenräume sollen nur saisonal genutzt werden können
Was konkret bei der Sanierung gemacht werden soll, ist noch unklar. Vorgesehen sei, dass die ungedämmte Kirche ab 2027 oder 2028 wieder genutzt werden kann – und zwar nur saisonal von Frühjahr bis Herbst. Die Heizkosten wären sonst zu hoch.
Warum es in Lauchhammer eine Werkskirche gibt
Die Werkskirche in Lauchhammer könnte die einzige ihrer Art in Deutschland sein. Dr. Norbert Pietsch, der sich gemeinsam mit Barbara Hackenschmidt für die Weiternutzung starkmacht, hat bei seinen Recherchen keine andere Werkskirche gefunden. Die Entstehung ist eng mit der Industriegeschichte der Stadt Lauchhammer verbunden. Als Werkskirche ist sie vom ehemaligen Lauchhammer-Werk initiiert, gebaut und zeitweilig auch betrieben worden. Der erste Pfarrer war beim Lauchhammer-Werk angestellt. Ziel war es unter anderem, die damaligen Fachkräfte am Ort zu halten. An den Kirchensonntag sollten die Mitarbeiter kurze Wege haben.


