E-Bikes geklaut
: Teure Fahrräder im Visier von Dieben – wie man sein Rad schützt

E-Bike-Diebe werden immer dreister. Auch der bewachte Familienpark in Großkoschen geriet jüngst ins Visier. Die Langfinger sind auf besonders hochpreisige Räder aus. Die Polizei erklärt, auf wessen Konto die Diebstähle gehen – und wie man vorbeugt.
Von
Rita Seyfert
Großkoschen
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Peter Hübler (72), Rentner aus Dresden, schließt sein E-Bike inzwischen immer mit mindestens zwei Schlössern an - und zwar auch, wenn er im bewachten Familienpark in Großkoschen übernachtet.

Rita Seyfert

Rentner Peter Hübler (72) aus Dresden bereist das Lausitzer Seenland schon seit Jahren. Am liebsten ist er mit dem E-Bike unterwegs. „Doch die Zeiten haben sich dramatisch geändert – auch in diesem tollen Camping-Park“, erzählt er. Früher habe er hier alles offen stehen lassen können und nur den Nachbarn Bescheid gegeben, erzählt er. Das würde er sich heute nicht mehr trauen.

Auf dem bewachten Familienpark in Großkoschen schließt Peter Hübler inzwischen alles ab, wenn er mal kurz Essen oder Einkaufen geht. Sein E-Bike sichert er dabei sogar mehrfach. Vor allem über Nacht schließe er sein Elektrofahrrad mit mehreren Schlössern am fest verankerten Fahrradträger vom Campervan an. Mit Furcht oder Panik habe dies weniger zu tun. „Angst ist kein guter Lebensbegleiter“, sagt er.

Welches Sicherheitsschloss die Versicherung fürs E-Bike vorschreibt

Für Peter Hübler ist die Vorstellung vom gestohlenen E-Bike eher ärgerlich. Dies bedeute unnötige Scherereien, wenn man deswegen von der Versicherung hoch gestuft wird. Damit es gar nicht erst so weit kommt, beugt er vor. „Ich habe ein fettes Schloss“, erklärt er. Die Versicherung verlangt ein Stahl-Gelenkschloss. „150 Euro hat das Abus-Faltschloss gekostet“, erzählt er. „Selbst ein Bolzenschneider bekommt das nicht durch.“

Am Geld fürs Sicherheitsschloss fürs teure E-Bike sollte man laut Polizei jedenfalls nicht sparen. Das Elektrofahrrad von Peter Hübler hat 4000 Euro gekostet, erzählt er. Der Akku und der Fahrradcomputer machen knapp die Hälfte vom Gesamtwert aus. Die beiden abnehmbaren Teile nimmt Peter Hübler präventiv immer raus, wenn er sein E-Bike unbeaufsichtigt lässt.

E-Mountainbikes im Wert von 11.000 Euro in Großkoschen gestohlen

So viel ist sicher, vor allem mit einem Hilfsmotor betriebene, besonders hochpreisige Fahrräder sind bei den Langfingern begehrt. Erst vor wenigen Tagen haben Diebe in Großkoschen zwei E-Mountainbikes aus dem Vorzelt eines Wohnwagens gestohlen. Das hat die Polizei mitgeteilt. Der entstandene Schaden wird mit 11.000 Euro beziffert. Und das ist kein Einzelfall.

Der Familienpark in Großkoschen ist wegen seiner Lage am Senftenberger See bei E-Bike-Touristen ein beliebtes Reiseziel. Auch Diebe haben den Campingplatz inzwischen für sich entdeckt.

Rita Seyfert

Auch auf Facebook häufen sich die Meldungen von privat. Erst diese Woche stellte eine Teilnehmerin einer Senftenbergerer Gruppe ein Foto ihres E-Bikes online. Das Rad sei in den Abendstunden zwischen 22 und 22.30 Uhr angeschlossen aus dem Keller geklaut worden, schreibt sie mit der Bitte um Mithilfe. Wer es sieht, soll sich melden. Als Merkmal wird beschrieben, dass der Akku mit schwarzem Panzertape befestigt sein soll.

So hoch ist die Gewinnmarge von E-Bikes auf dem Schwarzmarkt

Ob die Diebstähle von E-Bikes zunehmen, ist unklar. Laut Statistik der Polizei werden Elektrofahrräder nicht gesondert erfasst. Wie Polizeisprecher Maik Kettlitz erklärt, könne man jedoch sagen, dass es sich bei jedem vierten bis fünften gestohlenen Fahrrad um ein hochpreisiges E-Bike handelt. Damit sei auch der Schaden für die Gesellschaft deutlich höher.

Die Preise für E-Bikes steigen. Das wissen auch die Diebe. Die Gewinnmarge sei ordentlich, sagt Maik Kettlitz. Auf dem Schwarzmarkt bringe ein E-Bike etwa ein Zehntel vom Anschaffungswert. Nach den Erkenntnissen aus den Ermittlungsverfahren der Polizei gehen die meisten Elektrofahrraddiebstähle auf das Konto der Drogenbeschaffungskriminalität. In Südbrandenburg werden die E-Bikes vor allem gegen die Droge Crystal Meth getauscht.

Woran erkennen E-Bike-Käufer, ob es sich um Diebesgut handelt?

Über Händlernetzwerke gelangen die Elektrofahrräder nach Osteuropa. Ein Teil der Räder bleibe aber auch in Deutschland. Einige E-Bikes tauchen nach kurzer Zeit auf den hiesigen Online-Marktplätzen auf. So komme es immer wieder vor, dass sich Geschädigte melden, nachdem sie ihr Fahrrad beispielsweise bei eBay entdeckt haben, so Kettlitz. Gemeinsam mit der Polizei werden dann Scheinrückkäufe organisiert.

Doch woran erkennen Käufer, ob es sich beim gebrauchten E-Bike womöglich um Diebesgut handelt? Die manipulierte Rahmennummer ebenso wie der Preis können Indizien sein, so Kettlitz. Niemand habe etwas zu verschenken. Wenn ein hochpreisiges E-Bike deutlich unter Wert verkauft wird, dann sollten Interessenten genauer nachfragen. Seriöse Verkäufer können Eigentumsnachweise wie Rechnungen oder auch einen Fahrradpass vorlegen. Letzterer sei jedoch keine Pflicht.

Im OSL-Kreis: So viele Fahrräder werden geklaut

Die Zahl der Fahrraddiebstähle im OSL-Kreis geht zurück. Laut Statistik der Polizeidirektion Süd in Cottbus wurden im Jahr 2013 insgesamt 1.228 Fahrraddiebstähle registriert, so Polizeisprecher Maik Kettlitz. Im Vergleich dazu wurden im vergangenen Jahr 2022 jedoch nur 437 gestohlene Fahrräder erfasst – also etwa zwei Drittel weniger. Etwa 20 bis 25 Prozent davon sind Elektrofahrräder. Wie viele E-Bikes konkret gestohlen wurden, ist unklar. Mit einem Hilfsmotor betriebene Fahrräder werden nicht gesondert erfasst. Sorgen bereite jedoch das Phänomen, dass die gestohlenen Fahrräder im Wert immer mehr steigen.