Wer körperlich gehandicapt ist, hat es im Lausitzer Seenland mitunter schwer. Einige Unterkünfte können nicht ohne Barrieren erreicht werden. Manche Attraktionen, beispielsweise die rund 30 Meter hohe Aussichtsplattform des Rostigen Nagel, bleiben für Rollstuhlfahrer unerreichbar.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Im Familienpark Großkoschen sind jetzt sechs grundsanierte Ferienhäuser übergeben worden. Das ist an sich noch nichts Besonderes, wird die Urlauberanlage eigentlich ständig erneuert. Doch das halbe Dutzend Unterkünfte ist durchweg barrierefrei gestaltet worden.
„Damit wollen wir Gruppen von gehandicapten Menschen einen schönen Urlaub ermöglichen“, bringt Detlev Wurzler, Vorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), seine Intention auf den Punkt. Das gebe es im Seenland bislang nicht.

Gast-Resümee: Kleinere Mängel, aber alles in allem gut

Gast Cindy Tobias aus Hoyerswerda hat eine der neu gestalteten Unterkünfte schon einmal testen dürfen. Die 36-jährige Rollstuhlfahrerin resümiert, dass sich der Aufwand durchaus gelohnt habe. „Ich würde hier sofort meinen Urlaub verbringen.“
Die Räume bieten genügend Platz, es gibt eine Rampe zum Hineinfahren, und auch das Bad präsentiere sich mit Notinfo-Funktion und verschiedenen Griffen an WC und Dusche behindertengerecht. Allerdings will die Hoyerswerdaerin auch diverse Mängel nicht verschweigen. So sei die Kante an der Eingangstür relativ hoch. Und in der Küche seien verschiedene Gegenstände ohne die Hilfe einer Begleitperson kaum erreichbar.
Detlev Wurzler betont, dass Ziel sei, dass die Gäste im Rollstuhl so viel allein erledigen können, wie nur möglich. Die Ferienhäuser seien so konzipiert, dass pro Einrichtung jeweils ein Rollstuhlfahrer und eine Begleitperson wohnen können. Und das über das komplette Jahr.

Zeitverzug im Familienpark wegen der Thermen

Eigentlich sollten die sechs Ferienhäuser, die bereits Ende der 1980er-Jahre gebaut worden waren, schon vor einigen Wochen an den Start gehen. Doch Lieferprobleme von Technik, beispielsweise der Thermen, hätten die Eröffnung auf Mitte Juni verzögert.
Die Häuser können nach Angaben des Zweckverbandes LSB auch nicht gehandicapte Menschen buchen. Es gebe genügend Platz für drei Personen. Für alle Gäste stehen zwei Schlafräume, eine Heizung, TV-Anlage, Wlan, Stereoanlage und einiges mehr zur Verfügung. Die Preise belaufen sich auf 95 Euro pro Nacht in der Hochsaison und auf 75 Euro pro Tag im Winter. Wer nur eine Übernachtung bucht, müsse mit höheren Kosten rechnen.

AG Barrierefreies Reisen kommt ins Seenland

Nach Angaben von Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, gibt es derzeit rund 130 auf Barrierefreiheit zertifizierte Projekte in der Reiseregion. Für Ende Juni habe sich die Arbeitsgruppe Barrierefreies Reisen im Lausitzer Seenland angekündigt. Für fünf Tage sollen die Unterkünfte, Radwege, Museen und weitere Einrichtungen getestet werden. Schon seit Jahren befindet sich die Barrierefreiheit auf der Agenda der Touristiker ganz weit oben.
Im Familienpark Großkoschen steht in dieser Beziehung bereits das nächste größere Projekt an. Und wieder handelt es sich um ein Novum im Seenland. „Wir werden ab Herbst den ersten Strandzugang errichten, wo man mit dem Rollstuhl ins Wasser fahren kann“, kündigt Detlev Wurzler an. Dazu werde eine serpentinenartige Straße gebaut. Die Nutzung sei ab der kommenden Saison möglich. Dann gibt es den Senftenberger See als Badegewässer bereits genau ein halbes Jahrhundert lang.
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Was die sechs Ferienhäuser gekostet haben

Die komplett sanierten Ferienhäuser haben eine Grundfläche von jeweils rund 60 Quadratmetern. LSB-Verbandsvorsteher Detlev Wurzler spricht von Kosten von etwa 1100 Euro pro Quadratmeter. „Wir haben solide gebaut auf die zuvor bereits vorhandene solide Bausubstanz“, erklärt Wurzler. Jetzt wartet die nächste Großinvestition des LSB. Und zwar soll anstelle der bereits abgerissenen Kinotonne das Kulturschiff als Kulturzentrum des Familienparks entstehen. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf derzeit rund zweieinhalb Millionen Euro. Die entsprechende Baugenehmigung sei bereits auf dem Weg. Läuft alles wie am Schnürchen, könne im Herbst gestartet werden.