Eisenhütte Ortrand
: Zukunft für insolvente Traditionsfirma - das sind die Retter

Ein Jahr nach dem Insolvenzantrag schien vieles offen. Nun ist klar: Der Traditionsbetrieb in der Lausitz steht vor einem Neustart - unter neuen Vorzeichen.
Von
Jan Augustin
Ortrand
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Die Ortrander Eisenhütte GmbH liefert seit über 130 Jahren dünnwandigen, gewichtssparenden Qualitätsguss.

Eisenhüte Ortrand. Hierbeschicken der Produktionslinie per Gabelstabler

Die Ortrander Eisenhütte GmbH liefert seit über 130 Jahren dünnwandigen, gewichtssparenden Qualitätsguss.

Mirko Sattler
  • Ortrander Eisenhütte wird nach Insolvenz von der Kutluk Gruppe übernommen und als Ortrander Gusstechnik GmbH weitergeführt.
  • Standort in Brandenburg und rund 200 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Übergang erfolgt am 1. Januar 2026.
  • Neue Geschäftsführung übernimmt Sunay Memet Aga, der den Standort weiterentwickeln will.
  • Gläubiger erhalten Insolvenzquote von über 50 %. Belegschaft zeigte hohen Zusammenhalt.
  • Traditionsbetrieb besteht seit 1887 und bleibt auf dünnwandigen Qualitätsguss spezialisiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach Beginn des Insolvenzverfahrens steht fest: Die Ortrander Eisenhütte kann fortgeführt werden. Der Standort im Süden Brandenburgs bleibt erhalten, ebenso alle rund 200 Arbeitsplätze. Das teilte der Kommunikationsberater Thomas Feldmann am Mittwoch (17. Dezember 2025) in einer Pressemitteilung mit.

Demnach ist es dem Insolvenzverwalter Olaf Seidel und seinem Team gelungen, eine tragfähige Lösung für den 135 Jahre alten Traditionsbetrieb zu finden. Das operative Geschäft der Eisenhütte – inklusive Maschinen, Anlagen und Umlaufvermögen – werde von der international tätigen Kutluk Gruppe übernommen. Es gehe in der neu gegründeten Ortrander Gusstechnik GmbH auf. Der rechtliche und wirtschaftliche Übergang sei zum 1. Januar 2026 vorgesehen.

Für Kunden bedeute der Einstieg des neuen Eigentümers „größere Liefersicherheit, ein breit diversifiziertes globales Portfolio sowie stärkere Skalierungs- und Zukunftsfähigkeit“, heißt es in der Mitteilung. Die Fortführung erfolgt als sogenannte übertragende Sanierung – unter Bedingungen, die laut Seidel alles andere als einfach waren.

Sanierungsexperte lobt Zusammenhalt bei Ortrander Eisenhütte

„Wir freuen uns, in einer Zeit, in der Deutschlands Gießerei- und Metallindustrie massiv unter Druck steht und laut aktuellen Branchenzahlen nahezu keinerlei Rettungsquoten erreicht werden, dem Standort und der Belegschaft mit dem Verkauf eine Perspektive zu geben“, sagte der Rechtsanwalt und Sanierungsexperte von der Kanzlei AndresPartner. Die Gläubiger könnten nach Aufhebung des Verfahrens mit einer „überdurchschnittlich hohen Insolvenzquote von deutlich über 50 Prozent“ rechnen.

Besonders hervorgehoben wird in der Mitteilung die Rolle der Belegschaft. Mit „bemerkenswerter Loyalität, Disziplin und Willen“ habe das Team in einer hoch belastenden Phase gezeigt, „was Zusammenhalt bedeutet“. Dieser Einsatz sei mitentscheidend gewesen, um Investoren von der Zukunftsfähigkeit des Standorts zu überzeugen.

Auch die beiden Geschäftsführer Jens van Haß und Sven Piesker hätten eine zentrale Rolle gespielt. Ihr „intensiver Einsatz, ihre Beharrlichkeit und ihr unermüdliches Engagement“ hätten dazu beigetragen, den Betrieb durch die Insolvenz zu führen und den Investorenprozess aktiv zu unterstützen.

Wer die Ortrander Gusstechnik GmbH führt

Die neue Ortrander Gusstechnik GmbH werde künftig von Sunay Memet Aga geführt. Er sei bereits nach Ortrand gezogen und verschaffe sich vor Ort einen Überblick. „Ich freue mich über meine Aufgabe in der Lausitz. Gemeinsam mit dem tollen Team wollen wir den Standort weiterentwickeln, vorhandene Stärken ausbauen und das Unternehmen langfristig erfolgreich am Markt positionieren“, wird Aga zitiert.

Die Belegschaft wurde am Mittwoch über das Sanierungsergebnis und die nächsten Schritte informiert. Die Ortrander Eisenhütte hatte am 18. Dezember 2024 Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Cottbus bestellte Seidel zunächst zum vorläufigen, später zum regulären Insolvenzverwalter. Bereits zwischen 2019 und 2021 hatte er das Unternehmen durch ein Insolvenzverfahren begleitet, das damals mit einem Insolvenzplan beendet worden war.

Mitarbeiter der Ortander Eisenhütte wissen Bescheid

Die Eisenhütte geht auf einen 1887 gegründeten Gießereibetrieb zurück. Heute produziert das Unternehmen dünnwandigen Qualitätsguss und gilt nach eigenen Angaben als hochmoderne Gießerei für maschinengeformten Eisenguss - nun mit neuer Perspektive.

Der Investorenprozess war laut Mitteilung komplex und international ausgerichtet. Geführt worden sei er von der Unternehmensberatung starkpartners unter Leitung von Dr. Johannes Marcel Offergeld, unterstützt unter anderem von der Dresdner Beraterin Julia Päßler. Rechtlich begleitet wurde der Insolvenzverwalter von Rechtsanwalt Fabian Teschler. Die Kutluk Gruppe ließ sich strategisch von Gemba Partner beraten und rechtlich von der Kanzlei Heidemann & Küthe. Auch Immobilienexperten hätten „in erheblichem Maße“ zum Erfolg beigetragen.