Klevenow war eine Instanz in Senftenberg. Das ist zu spüren, als an der Theaterpassage eine Gedenk-Stele für den gefeierten Schauspieler und Theater-Retter eingeweiht wird.
Der Platz ist zur besten Mittagszeit voller Menschen, der Bergarbeiterchor steht stramm, Fotoapparate klicken, nicht enden wollender warmer Applaus. Senftenberg verneigt sich vor dem Intendanten und Menschen Heinz Klevenow, der im März 2021 verstorben war.
Die Todesnachricht ist bis heute ein Schock für die Senftenberger. Für sie steht der Name Klevenows für das Wunder, das Senftenberger Theater über die Nach-Wende-Zeit gerettet zu haben.

Der richtige Mann am richtigen Ort

Heinz Klevenow hat für Senftenberg das erreicht, was in vielen anderen Städten nicht gelang. „In den Jahren unmittelbar nach der Wende, in den Jahren seiner Intendanz von 1989 bis 2004, war er für Senftenberg der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, würdigt Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD).
Das Gesicht des Mannes, ohne den Senftenberg nicht die kulturelle und künstlerische Bedeutung in Brandenburg hätte, ohne den es auch das Amphitheater am Senftenberger See nicht gäbe, ist seit Sonntag wieder präsent in der Kreisstadt. An einem Ort, der Heinz Klevenow gefallen hätte.
Großer Bahnhof für den im März 2021 verstorbenen Heinz Klevenow. Viele Senftenberger habe es sich nicht nehmen lassen, bei der Enthüllung der Gedenkstele anwesend zu sein.
Großer Bahnhof für den im März 2021 verstorbenen Heinz Klevenow. Viele Senftenberger habe es sich nicht nehmen lassen, bei der Enthüllung der Gedenkstele anwesend zu sein.
© Foto: Steffen Rasche
Vom kleinen Platz an der Theaterpassage blickt er von der neuen Stele direkt auf das Theater, auf das Kommen und Gehen der Zuschauer.
Der große Bahnhof am Sonntag, da ist sich Witwe Sybille Böversen (76) sicher, wäre ihrem Heinz bestimmt zu viel gewesen. „Schön, wenn er es sehen könnte“, ringt sie angesichts der großen Anteilnahme und des stummen Verneigens vor dem großen Künstler um Fassung.

Gedenkstele ist Beschluss der Stadtverordneten

Frei von Allüren und voller Witz und Empathie hätte Heinz Klevenow über den Buchstabendreher, der sich auf der Reliefplatte eingeschlichen hat, geschmunzelt. Da hat Sybille Böversen gar keinen Zweifel. Kreisstadt-Bürgermeister Fredrich versichert den Senftenbergern indes, dass die überflüssigen Buchstaben korrigiert werden.
Klevenow als herausragende Persönlichkeit des kulturellen Lebens dauerhaft zu ehren, war Senftenbergs Stadtverordneten eine Herzensangelegenheit. Im Parlament der Kreisstadt wurde daher der Beschluss gefasst, die Gedenk-Stele zu errichten.
Als das rote Samttuch fällt, will der lange Beifall nicht enden - so wie früher, als Heinz Klevenow nur die Bühne betreten musste. Nicht nur bei seiner Witwe Sybille Böversen fließen da die Tränen.
Die Senftenberger haben Heinz Klevenow nicht vergessen: Schauspieler, Intendant, Ehrenbürger, Publikumsliebling.
Die Senftenberger haben Heinz Klevenow nicht vergessen: Schauspieler, Intendant, Ehrenbürger, Publikumsliebling.
© Foto: Steffen Rasche
Auf ihrem Weg zum Theater, wo die 76-Jährige noch regelmäßig auf der Bühne zu erleben ist, will sie künftig jetzt den kleinen Umweg regelmäßig einplanen. Sich einfach auf die Bank setzen und an ihren Heinz denken.
Der wollte immer nur eins: Theater für die Menschen der Region machen. Und das haben die Senftenberger ihm über den Tod hinaus nicht vergessen. Mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Senftenberg, dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, mit der Verdienstmedaille des Landes Brandenburg - und jetzt auch mit der Gedenkstele an der Theaterpassage.