Was für ein Fund in einem Bankautomaten in Senftenberg. „Wer hat so viel Geld hier vergessen?“ Mohammed Fouad Mousa (21) nimmt die Scheine aus dem Geldfach. Insgesamt eintausend Euro, fünf Hunderter, sechs Fünfziger, der Rest in Zwanzigern und Zehnern. Geld, das jemand vor ihm hier vergessen hat. Doch wie soll er sich verhalten? Das Geld abgeben? Die herumstehenden zwei, drei Leute am Bankauszugsdrucker fragen, ob das zufällig ihr Geld ist?
„Aber da könnte ja jeder sagen, das ihm das Geld gehört“, argumentiert er. Mohammed Fouad Mousa steckt das Geld ein. Er zögert keinen Moment, die Scheine abzugeben. „Ich wollte aber sicherstellen, dass der richtige Eigentümer das Geld bekommt.“ Dann hebt er selber 40 Euro ab. Mit dem Geld will er seine Fahrstunde bezahlen, die 14 Uhr beginnt. Er muss sich beeilen. Auch seine Freundin Lesia Trautwein (31) wartet schon. Draußen vor der Sparkassenfiliale zeigt er ihr das Geldbündel.
„Ich war schockiert“, sagt sie. Gemeinsam entscheiden sie, das Geld zur Polizei zu bringen. Doch sie muss zur Arbeit, und er zur Fahrschule. Nach der Fahrstunde fährt ihn ein Freund zur Wache. Vor der Ordnungsmacht zählt er das Geld noch einmal vor. „Ich wollte nicht, dass irgendjemand sagt, das was fehlt.“

Mohammed Fouad Mousa: Klar gebe ich das Geld zurück

Er hätte das Geld auch solange behalten können, bis sich der Eigentümer meldet. Doch Mohammed Fouad Mousa möchte, dass das Geld bei der Polizei bleibt. „Es gehört mir nicht, warum soll ich es behalten“, fragt er. „Ich darf es auch nicht behalten, das wurde mir so beigebracht“, sagt er.
Bereits einen Tag später klingelt sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist die Polizei. Die Beamten laden ihn auf die Wache ein. „Ich war gerade auf Arbeit“, erzählt Mohammed Fouad Mousa. Nach Feierabend fährt er zum Polizeirevier. „Ich war neugierig, wollte wissen, wer da sein Geld vergessen hat“, sagt er. Der ältere Herr, der dort wartet, erwidert nur unwirsch seinen Gruß. Erst, als er erfährt, dass Mohammed Fouad Mousa derjenige ist, der das Geld abgegeben hat, verändert sich seine Mimik.

Rentner (83) aus Senftenberg zahlt hundert Euro Finderlohn

Vor seinen Augen bekam der Senior (83) sein Geld zurück. Die Freude ist groß. Dem syrischen Flüchtling ist das mehr wert als die hundert Euro Finderlohn. Nur mit der Einladung zum Tee wird es wohl nichts werden. Die Adresse des Rentners hat Mohammed Fouad Mousa schon wieder vergessen.
Er habe gerade viel Stress auf Arbeit. Da könne er sich nicht alles merken. Mohammed Fouad Mousa hat trotz seines jungen Alters beruflich schon eine kleinere Odyssee hinter sich. Zwei Ausbildungen brach Mohammed Fouad Mousa bereits ab. Die Berufe des Verkäufers und Erziehers waren nichts für ihn. „Das Geld war mir zu wenig“, erzählt er.
Doch es ging gut weiter. Nach nur einem Jahr als Lagerarbeiter bei Amazon in Lampertswalde ist er gerade zum Dispatcher aufgestiegen. „Jetzt verdiene ich das doppelte Gehalt“, freut er sich. Erst vor wenigen Tagen hat er seinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Damit kam er seinem Ziel einen großen Schritt näher. „Ich möchte meine Familie in Syrien finanziell unterstützen“, sagt er.

Von Damaskus über Eisenhüttenstadt nach Lauchhammer

Als Mohammed Fouad Mousa 2016 von Damaskus nach Eisenhüttenstadt flüchtete, floh er auch vor der Armee. „Damals war ich erst 16 Jahre alt“, sagt er. Mit 18 wäre er eingezogen worden. Doch statt in den Krieg wollte er die Schule beenden und vielleicht studieren. Deswegen kämpfte er für ein neues Leben.
Von Eisenhüttenstadt kam Mohammed Fouad Mousa ins Kinderheim in Lauchammer. Dort beendete er die neunte und zehnte Klasse. Die Eltern und seine drei Brüder leben immer noch in Syrien. Der älteste studiert Zahnmedizin, der mittlere besucht die zwölfte Klasse, und der jüngste noch die Grundschule. Auch Mohammed Fouad Mousa würde gerne noch studieren. Aber er zweifelt daran, dass er es noch schafft. Jetzt geht erst die Arbeit vor. Er will erst seiner Familie helfen.

Das sagt der Sparkassen-Chef


Es ist nicht das erste Mal, dass Kunden ihr gerade abgehobenes Geld im Fach eines Automaten liegen lassen. Das bestätigt der Vorsitzende der Sparkasse Niederlausitz Lothar Piotrowski. Allerdings passieren solche Missgeschicke eher sehr selten, vielleicht einmal pro Jahr. Der jüngste Fall in der Filiale in der Seeadlerstraße wurde mit der Überwachungskamera aufgezeichnet. Auf dem Video ist zu sehen, dass ein Kunde gerade Geld am Automaten abheben will, diesen aber mitten im Vorgang verlässt, um zum Auszugsdrucker zu gehen. Das Geld lässt er derweil im Automaten liegen. Wie die Überwachungskamera weiter zeigt, geht in der Zwischenzeit eine weitere Person zum Automaten, nimmt das Geld und verlässt die Filiale. Warum der Mann das Geld nicht gleich in der Filiale abgibt, bleibt zunächst unklar. Hauptsache sei doch, dass der ehrliche Finder die 1000 Euro der Polizei übergibt und somit den Kunden vor Schaden bewahrt. Die Senftenberger Polizei informierte noch am gleichen Tag die Sparkasse über den Vorfall. Damit war die Sache vom Tisch. Wäre das nicht passiert, hätte die Sparkasse laut Chef Lothar Piotrowski das Überwachungsvideo der Polizei überreicht. (jag)