Diagnose Krebs
: Spendenaufruf für Kay – warum der Schwarzheider eine Chemo ablehnt

Sich jahrelang quälen und dann trotzdem sterben – nein danke: Auf Chemo hat Kay Dähnert „keinen Bock“, wie er sagt. Mit welcher alternativen Methode die Ärzte der Uniklinik in Dresden den vierfachen Familienvater jetzt behandeln.
Von
Rita Seyfert
Senftenberg
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Besinnliche Stunden im Aufenthaltsraum vom Uniklinikum Dresden. Kay Dähnert (40) aus Schwarzheide hat sich über Weihnachten ins "Trainingslager" verabschiedet. Dort will er um sein Leben kämpfen.

Rebecca Kelch

Erst hatte Kay Dähnert (40) aus Schwarzheide nur das Gefühl, als ob er sich den Rücken verhoben hat. „Dann, Ende April im Garten, hatte ich einen kleinen Unfall“, erzählt er. Nach einem Sturz dachte er, die Rippen seien geprellt. Er nahm Schmerzmittel. Erst eine Ibu, dann drei, sieben, zehn. „Nichts half.“

Kay Dähnert kontaktierte Heilpraktiker Klaus Hillmann aus Lauta. Der Naturheilkundler zögerte jedoch. „Hier ist was komisch“, so in etwa soll er sich geäußert haben. Er rät zur Abklärung, ebenso der daraufhin konsultierte Hausarzt Dr. Ingo Gerner aus Senftenberg, der sofort zum MRT drängt.

Knochenmetastasen in der Wirbelsäule: Nierenkrebs hat gestreut

Dann geht alles ganz schnell. Einen Tag später wird Kay Dähnert in einem MVZ in Radeberg in die Röhre geschoben. Zur Auswertung des Befundes überweist Hausarzt Dr. Gerner an die Experten der Uniklinik in Dresden. „Ich hatte das gar nicht geahnt“, erzählt Kay Dähnert. Er habe sich gefühlt, als wenn ihn jemand per Backpfeife mit 240 Sachen vom Fahrrad abgeholt hätte.

Ab heute sei er „schwer krank“, habe ihm der auswertende Arzt in der ersten Septemberwoche attestiert. „Ich habe wohl Nierenkrebs“, erzählt Kay Dähnert inzwischen gefasst. In der linken Nierengegend sei er bis heute symptomfrei. Da ist nur die Beule am Rücken. Denn der Krebs hat schon gestreut.

„Bösartig“ und „raumfordernd“: Tumor ignoriert Gewebegrenzen

Die MRT-Bilder zeigen Knochenmetastasen an drei Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Der Arzt spricht von „bösartig“ und „raumfordernd“, weil der Tumor die Gewebegrenzen nicht einhält. „Der wächst einfach drauflos“, sagt Kay Dähnert. Die Nerven im Spinalkanal habe der Tumor teils weggedrückt. „Ich weiß nicht, ob Sie nach der OP noch laufen können“, habe der Arzt gesagt.

Doch Kay Dähnert ist ein Kämpfer, und natürlich konnte er nach der Operation seiner Wirbelsäule noch laufen. Die Ärzte haben fünf Wirbel mit einem Gestänge versteift. Andernfalls hätte das Risiko bestanden, dass seine Wirbelsäule eines Tages einfach bricht. Nach einer Woche wurde er entlassen. Die Wunde habe gut ausgesehen.

Warum Kay Dähnert eine Chemotherapie ablehnt

Eine Chemotherapie lehnt Kay Dähnert ab. „Ich habe eine intrinsische Angst davor“, sagt er. Er nehme es lieber in Kauf, einfach einzuschlafen, statt wie ein Gespenst aus dem Film „Fluch der Karibik“ auszusehen. „Am Ende einer Chemo kann man den Zustand der Zähne durch die Wangen tasten“, sagt er. Wenn man dann keine Krebszellen mehr im Körper hat, sei aber auch das Immunsystem so runter gehämmert, dass man am Schnupfen stirbt, glaubt er.

Die Ärzte sehen es wohl ähnlich. Eine Chemotherapie hätte in seinem Fall keine lebensverlängernde Wirkung, sagt Kay Dähnert. Doch ohne Behandlung bis Ostern kommenden Jahres sei sportlich, so die Prognose. Kay Dähnert hat sich nun belesen, über ganzheitliche Konzepte, die Krebs als Vergiftung im Körper verstehen.

30 Kilo abgenommen, und Schlafen nur noch im Sitzen

Zum Beispiel die Infusionstherapie spreche ihn an. „Dabei werden dem Körper bestimmte fehlende Eiweiße oder Vitamine mittels Infusion wieder zugeführt“, erklärt er. Doch diese vor allem von Heilpraktikern durchgeführte Behandlungsmethoden sind teuer, und – so wie Kay Dähnert sagt – nicht über die Krankenkasse finanzierbar.

Unterdessen rennt ihm die Zeit davon. Der 1,83-Meter-Mann hat in zwei Monaten 30 Kilogramm abgenommen. „Ich kann nicht mehr im Liegen schlafen, nur noch im Sitzen“, erzählt er. Nach 90 Minuten wache er jedes Mal total gerädert auf. „Die Schmerzen waren zuletzt nicht mehr zu ertragen“, erzählt er. Vor eineinhalb Wochen ließ er sich deswegen wieder einweisen.

Bestrahlung und Immuntherapie – so will er den Krebs besiegen

Der anfangs abgelehnten Bestrahlung stimmt er jetzt zu. Außerdem setzen die Ärzte bei Kay Dähnert auf die Immuntherapie. Bei dieser Form der Krebsbehandlung soll das eigene Immunsystem die Krebszellen zerstören, so wie es auch Bakterien oder Viren abwehrt. „Ich nehme täglich eine Tablette, die das Immunsystem hoch trainieren soll“, erklärt er.

Kay Dähnert will leben. Er hofft, dass er komplett gesund und frei von Krebszellen wird. Auch über Weihnachten hat sich Kay Dähnert deswegen gedanklich von seiner Lebensgefährtin und der Aussicht auf Heiligabend mit seinen vier Kindern (15, 13, 12, 6) „ins Trainingslager“ verabschiedet, wie er erklärt. „Aufgeben ist für mich keine Option“, sagt er. Und bloß nicht jammern.

Spendenaktion gestartet: Wie sein Bruder ihm helfen will

Kay Dähnert denkt zurzeit viel übers Leben nach. Als Ingenieur in einem regionalen Unternehmen hatte er viel Arbeit, wenig Privatleben. „Künftig würde ich das anders machen“, sagt er. Familie und Freunde glauben an ihn. Bruder Silvio hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Die Anteilnahme ist riesig. 56 Spender haben sich bereits beteiligt, darunter ein Klassenkamerad, der Kay Dähnert als einen großen Teil seiner Jugendzeit bezeichnet.

„Das finde ich extrem klasse“, so Kay Dähnert. Er sei sehr bewegt. Eine Liebesschnulze könnte er sich zurzeit gar nicht anschauen. Genauso wenig könne er sich bei jedem einzelnen bedanken, weil er sofort losflennen würde. Deswegen will er auf diesem Weg danke sagen.

Familienvater muss den Krebs besiegen!!!

Ende November 2023 hat Kays Bruder Silvio Dunst aus Senftenberg einen Spendenaufruf unter dem Titel „Familienvater muss den Krebs besiegen!!!“ auf GoFundMe gestartet. 30.000 Euro sollen nun mit dieser Spendenkampagne zusammenkommen, um Kay Dähnert die Therapie mit alternativen Therapien zu ermöglichen. „Mein Bruder heißt Kay, ist ein Familienvater von vier tollen Kindern und wurde durch seine Krebserkrankung aus der Bahn geworfen“, schreibt er. Da er seine Heilung durch naturheilkundliche Methoden herbeiführen möchte, sei der Krebs ein teures Unterfangen. Die Medizin kenne nur Chemotherapie und Bestrahlung. Nur das werde bezahlt. Sämtliche Behandlungen abseits dieser Verfahren müssten selbst bezahlt werden. „Aus diesem Grund möchte ich hier um eine Spende für meinen Bruder bitten“, heißt es auf dem GoFundMe-Spendenaufruf.

Hier finden Sie den Link zur Spendenaktion