Der Klimawandel ist allgegenwärtig. In der Lausitz trägt er durch den Braunkohleausstieg zum wirtschaftlichen Wandel bei. Ein Grund, um den weltweit ausgetragenen Climathon in der ehemaligen Braunkohlehochburg in Senftenberg am Wochenende durchzuführen.

„Es ist unsere Vision, die Lausitz zu einer Ideenschmiede für klimapositive Innovationen zu machen“, umreist Dr. Hans Rüdiger Lange, von der Innovationsregion Lausitz GmbH (iRL), die Idee zur Veranstaltung.

Der Begriff „Climathon“ ist eine Wortschöpfung aus dem englischen Climate, also Klima, und dem Begriff Hackathon. Bei einem Hackathon werden Ideen entwickelt, um realen Problemen entgegenzuwirken.

Senftenberg idealer Veranstaltungsort für Climathon

Obwohl der Climathon meistens in Weltmetropolen stattfindet, war für Dr. Lange Senftenberg ein idealer Veranstaltungsort: „In Senftenberg und Umgebung kann man die Transformation von einer klimaschädlichen Wirtschaft hin zu neuen, innovativen Wirtschaftszweigen bestens beobachten“, bestätigt der Organisator des Climathons die Wahl. Mit dem Senftenberger Campus der BTU Cottbus-Senftenberg war auch das wissenschaftliche Ambiente gewährleistet und mit der Mensa ein geeignet großer Platz zum Forschen, Essen und Schlafen vorhanden. Schließlich war der Climathon ein 24-Stunden-Forscher-Marathon.

Zwölf Teams mit Jugendlichen aus verschiedenen Nationen beschäftigten sich mit der Reduzierung oder Vermeidung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2).

Schüler, Azubis und Stundenten von Firmen und Bildungseinrichtungen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen starteten am Freitagmittag in den Climathon. Neben dem Veranstalter iRL und dessen Gesellschafter waren auch die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) und die BASF Schwarzheide sowie die Stadt Senftenberg vertreten.

Team Crazy Ape gewinnt Sonderpreis der Leag

Dass ein Forscher Fantasie braucht, war auch schon bei den Team-Namen zu merken. Das Team “Crazy Ape“ will für die Rekultivierung neue und schnelle Methoden entwickeln. „Wir möchten ein Fließ mit Humusboden einsetzen und darauf Pflanzen kultivieren, mit denen wir wieder das Fließmaterial herstellen. Ein geschlossener Kreislauf sozusagen“, berichten die Team-Mitglieder. Diese Idee fiel buchstäblich auf fruchtbaren Boden bei der Leag. Und so bekamen die jungen Forscher den Sonderpreis des Unternehmens und gleichzeitig eine Einladung zur Zusammenarbeit.

Das Team „Redeem“ der BTU in Senftenberg „Wir stellen die schwarze Erde aus Biomasse her, wie sie im Amazonasgebiet vorkommt“, beschreibt Jan Koltermann aus Cottbus das Projekt. Die Erde, die auch unter dem Namen Terra Preta bekannt ist, wurde schon von den Inkas hergestellt und kann über 500 Jahre ihre Eigenschaften behalten.

Forschung braucht Motivation und so gab es natürlich auch drei Preisträger. Den dritten Preis erforschten sich Siemens Werkstudenten, die grünen Strom zwischenspeichern möchten und somit den Verbrauch des sogenannten grauen Stroms, der sonst verloren geht, damit zu reduzieren. Das Team mit dem wohlklingenden Namen „Plants, Planting, Plants“ will in stillgelegten Kraftwerken einen geschlossenen Kreislauf bei der Energieerzeugung mittels Biomasse herstellen.

Sonderpreis der Stadt Senftenberg geht App-Entwickler

Die Sieger des Climathon kommen mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Idee nach Senftenberg. Eine App, welche die Daten von anderen Bonusprogrammen, wie zum Beispiel Bahncard, Tankkarten oder Payback zusammenführt. „Wenn man zwischen Dresden und Berlin pendelt und oft eine Tankkarte benutzt, schlägt die App eine Bahncard, die preiswerter und CO2-neutraler ist, vor“, umreist Raik Leistner (20) aus Cottbus die Idee. Da eine CO2-Steuer auch das eigene Portemonnaie treffen wird, sicherlich eine sehr praktische Anwendung. Das Konzept begeisterte die Jury so sehr, dass es neben dem ersten Preis auch den Sonderpreis der Stadt Senftenberg und den Preis der enviaM gab. Die fünf jungen Forscher aus Cottbus, Hoyerswerda und Klein Düben, sind zum großen Teil Azubis und wollen natürlich an ihrer Idee weiter arbeiten.

Aber erst einmal war für alle das Bett das wichtigste Ziel nach 24 Stunden forschen. „Wir beiden Frauen haben zwischendurch mal geschlafen“, verrät Nicole Meyer (29) vom Siegerteam Mindset Transformer. Marius Hascha (18) fügt lachend hinzu: „Wir haben wohl vier Liter Kaffee in der Nacht getrunken. Alle sind sich aber einig, dass sich die 24 Stunden gelohnt haben: „Wir hatten sogar noch mehr Anmeldungen“, verrät Dr. Hans Rüdiger Lange. „Das macht uns Mut für das nächste Mal.“