Der Lauchhammeraner Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) hat eine Vision: „Wir bauen in der Stadtmitte ein Rathaus, und die gesamte Verwaltung zieht von der Peripherie wieder dorthin, wo die meisten Menschen leben.“ Bislang befinden sich die Mitarbeiter in der Liebenwerdaer Straße im Stadtteil Süd. Vor rund 20 Jahren war die Verwaltung dorthin gezogen. Zuvor waren die Rathausleute dezentral in der Stadt untergebracht.

Genau am Beginn seines zehnten Dienstjahres als Bürgermeister hat Pohlenz jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Unmittelbar neben dem künftigen Rathaus-Standort in der Wilhelm-Pieck-Straße gibt es jetzt ein Bürgerbüro. Dort können die Lauchhammeraner ab sofort all ihre Korrespondenz mit der Verwaltung erledigen. Die Bandbreite reicht von Wohngeldangelegenheiten über die Abholung von Ausweisen und weiteren Dokumenten bis zur Ausgabe von Laubsäcken.

Darüber hinaus finden dort auch Touristen ihre erste Anlaufstelle im Herzen der Stadt. Die Mitarbeiter geben Infos über die Kommune und verkaufen Lauchhammer-typische Produkte. Insgesamt fünf Verwaltungsleute stehen fortan im Bürgerbüro zur Verfügung.

Künftig könnten alle rund 80 Rathausmitarbeiter wieder nach Lauchhammer-Mitte zurückkehren, wünscht sich Bürgermeister Pohlenz. Denn direkt nebenan, also auf der jetzigen Grünfäche, auf der einst die Kaufhalle Mitte stand, soll das neue Rathaus gebaut werden. Noch bis zum Sommer läuft der entsprechende Architektenwettbewerb. Anschließend, so kündigt Pohlenz an, bewerte ein Gremium aus Mitarbeitern der Stadt, Stadtverordneten sowie Architekten die eingereichten Projekte.

Die Reaktion des Landes Brandenburg als möglicher Fördermittelgeber sei positiv. Bei einem Arbeitsbesuch hatte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) geäußert, dass sie einen Rathaus-Standort in der Stadtmitte für super halte.

Mit einem Baustart rechnet Roland Pohlenz indes nicht vor dem Jahr 2021. Es sei nicht unrealistisch, dass das Gebäude bereits ein Jahr später bezogen werde. Das Gebäude könne durchaus in modernem Stil gehalten sein, müsse sich aber der Stadtstruktur anpassen. Auch eine Mehrstöckigkeit sei möglich.

Als „Glücksfall“ bezeichnen Sabine und Jens Hoffer die Lauchhammeraner Rathaus-Vision. „Es wäre eine Investition in die Zukunft“, kommentiert Jens Hoffer. Im Hofferschen Haus in der Wilhelm-Pieck-Straße 2 befindet sich jetzt das Bürgerbüro.

Mitte der 1990er-Jahre hatte die Familie die damals ruinöse Immobilie erworben und anschließend komplett renoviert. Das vor rund 150 Jahren errichtete Gebäude hat schon eine ganze Anzahl von Geschäften beherbergt. Alteingesessenen dürfte es insbesondere als „Lederwaren Paßkönig“ noch ein Begriff sein. Darüber hinaus wurden dort unter anderem Blumen, Taschen und selbst Waffen verkauft. Seit etwa drei bis vier Jahren steht das Haus leer. Jetzt hat sich die Stadt mit ihrem Bürgerbüro eingemietet. Im Erdgeschoss stehen 130 Quadratmeter zur Verfügung, im ersten Stock 60 Quadratmeter.

Dass das Bürgerbüro als künftiger Rathaus-Vorläufer von den Bürgern gut angenommen wird, daran hat Bürgermeister Pohlenz keinen Zweifel. Bereits am ersten Öffnungstag wurden 16 Leute begrüßt. Der Umzug der Verwaltung in die Stadtmitte hat übrigens schon begonnen. Denn der Service, der jetzt im neuen Bürgerbüro geboten wird, ist am alten Standort in Lauchhammer-Süd nun nicht mehr erhältlich. „Es ist unser erster Anlaufpunkt für bürgernahen Service“, kommentiert Roland Pohlenz.