Seit drei Jahren sucht die Naturschutzbehörde des Oberspreewald-Lausitz-Kreises nach Kreuzottern zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen. Dabei soll, so erklärt Jürgen Jentsch vom Landkreis, festgestellt werden, ob die Schlangen auf die Liste der verschwundenen Arten in Südbrandenburg gesetzt werden müssen.

Im Jahr 2019 werde die Suche fortgesetzt, kündigt Jentsch an. Der Experte wolle gemeinsam mit dem Berliner Schlangenspezialisten Norbert Otte dann den Raum Kroppen/Jannowitz unter die Lupe nehmen. „Das Problem ist“, so sagt Jentsch, „dass meist nur Einzeltiere gefunden werden.“ Die Population der Kreuzotter sei im Landkreis alles andere als stabil. Es gebe nur noch wenige traditionelle Lebensräume, wo sie vorkommt, beispielsweise bei Peickwitz und unweit von Niemtsch. Im Zuge der inzwischen seit Anfang 2016 laufenden Beobachtungen kamen Funde im Seewald-Gebiet bei Grünewalde, bei Guteborn und in der Nähe von Hohenbocka hinzu. „Allerdings erneut jeweils nur Einzeltiere“, schränkt Jentsch ein.

Die Naturschützer sind bei der Schlangensuche auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Seit dem Jahr 2016 seien inzwischen 82 Hinweise eingegangen, allerdings erst wenige im laufenden Jahr. Jetzt bittet die Behörde wieder um Meldungen von Funden (03541 8703485).

Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Der Biss der Kreuzottern ist zwar nur selten tödlich, kann aber Atemnot und Herzbeschwerden verursachen. Experten raten, die Tiere keinesfalls anzufassen. Ohnehin gelten Kreuzottern als sehr scheu. Sie beißen nur, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen. Wer tatsächlich gebissen wurde, sollte zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Das charakteristischste Merkmal dieser Schlangenart ist ihre Zickzack-Zeichnung auf dem Rücken. Allerdings präsentieren sich Muster und Färbung sehr variabel. Die Tiere sind vor allem auf lichten, sonnigen Stellen im Wald sowie in feuchteren Gebieten anzutreffen.

Kamen die Kreuzottern vor Jahrzehnten noch reichlich in der Region vor, sind sie jetzt vom Aussterben bedroht, merkt Jentsch an. Hauptursache sei vor allem fehlende Nahrung. Es gebe nicht mehr so viele Frösche, Mäuse, Eidechsen und weitere Kleintiere wie früher. Dafür häuften sich die Fressfeinde der Schlangen. Dazu gehören unter anderem Greifvögel, diverse Marderarten und Füchse. Hinzu komme die Entwässerung der Landschaft, beispielsweise durch Meliorationen und den Braunkohlenbergbau.

Nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums kommen Kreuzottern nur noch in Teilen der Niederlausitz sowie im Ruppiner Land gehäuft vor. Im Spreewald fehlen die Ottern in Gänze. „Dort ist es ihnen zu nass“, erklärt Jürgen Jentsch. Kreuzottern gelten als einzige Giftschlangenart zwischen Uckermark und Lausitz.

Der Experte rät indes, den Reptilien zu helfen. So sollten Gewässer offen gehalten, Teiche bewirtschaftet, Stubbenhaufen in die Landschaft gesetzt und hin und wieder kleine Kahlschläge im Wald angelegt werden. Anderenfalls sei es wahrscheinlich, dass die Art in Gänze aus der Region verschwindet.