David Heinzelmann weiß nicht mehr, wohin mit dem ganzen Holz. „Über 200 Raummeter habe ich bereits aus meinem Wald herausholen müssen. Dabei würden mir 40 bis 50 Raummeter pro Winter völlig ausreichen. Der Schwarzheider Landwirt verfügt über einen Holzvergaser auf dem eigenen Gehöft. „Besonders tragisch ist, dass die betroffenen Bäume eigentlich Sägeholz gewesen wären.“

Doch der Zwölfzähnige Kiefernborkenkäfer hat diesem Plan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit vergangenem Jahr frisst sich das Insekt in Massen durch die älteren heimischen Kiefernbestände. Vor allem betroffen sind nach Süden ausgerichtete Waldränder, die ganz besonders unter der starken Sonneneinstrahlung und dem Wassermangel leiden. So haben die Käfer leichtes Spiel.

Das befallene Holz aus Lausitzer Wäldern kann meist nur verfeuert werden

Beispielsweise entlang eines mehrere hundert Meter langen Bestandes zwischen Schwarzheide-Ost und Biehlen. Vor abgestorbenen Kiefern ist der lebende Wald kaum mehr zu sehen. Dort hat auch David Heinzelmann seinen Bestand. „Ich kann das Holz nur zum Verfeuern verwenden. Denn die Preise sind im Keller. Die Erntekosten decken kaum mehr den Verkaufspreis“, berichtet Heinzelmann.

Das bestätigt Funktionsförster Lutz Schaffrath von der Oberförsterei Senftenberg: „Für Industrieholz erhält der Waldbesitzer lediglich zwei bis drei Euro je Raummeter. Die Holzernte ist also gerade noch kostendeckend. Eine eventuelle Aufforstung entstehender Freiflächen könnte von den Erlösen aber nicht mehr finanziert werden.“

Inzwischen summieren sich die Schadholzmengen in der Oberförsterei allein in der Kiefer auf mehr als 10 000 Festmeter. Dazu kommen noch auf rund 90 Hektar flächenhafte Absterbeerscheinungen, vor allem durch Dürre und das Diplodia-Triebsterben, verursacht durch Pilze. Im gesamten Land Brandenburg sind in den Kiefernbeständen im vergangenen Jahr weit mehr als 100 000 Kubikmeter Schadholz, verursacht durch Käfer, angefallen, teilt der Landesbetrieb Forst Brandenburg mit.

Das Wasserdefizit in der Lausitz ist immer noch nicht ausgeglichen

Auch zwischen Schwarzheide-Ost und Brieske droht der ganze Waldbestand zusammenzubrechen. David Heinzelmann würde dort gern neu pflanzen. Aber nicht in diesem Jahr. „Wir müssen erst mal die Wassersituation abwarten. Denn kommt wieder solch ein Sommer wie 2018 und 2019, wäre die ganze Arbeit umsonst.“ Damals hatte es monatelang nicht wirklich geregnet. „Und die entsprechenden Defizite sind noch immer nicht ausgeglichen“, sagt Förster Schaffrath.

Indes überwachen die Revierförster, dass die Waldbesitzer ihr Schadholz zeitnah aus dem Wald holen. Denn spätestens im April setzen die Borkenkäfer ihr zerstörerisches Werk fort. Nicht zuletzt konnten sich die Bäume wegen des extrem milden Winters nicht wirklich regenerieren.

Herzberg

Der Schwarzheider Revierförster Thomas Sander, der auch Ansprechpartner von David Heinzelmann ist, betreut rund 450 Waldbesitzer. „Die meisten wissen um die Gefahren und handeln“, weiß der Forstmann aus Erfahrung. Doch etwa ein Drittel lebt nicht in der Region und könne demzufolge nur eingeschränkt etwas unternehmen.

Lausitzer Waldbesitzer hoffen auf ein kühles und nasses Frühjahr

In der Regel dauere es nur wenige Wochen, bis ein Baum vom Befallsbeginn komplett abgestorben ist. „Und dann suchen sich die Käfer neue Opfer“, sagt Thomas Sander. Er empfiehlt Waldbesitzern, insbesondere die Gehölze entlang von Straßen und Wegen im Auge zu behalten. Dort sei die Verkehrssicherungspflicht einzuhalten.

Neben der Aufklärungsarbeit bleibt den Förstern und Waldbesitzern nur noch eines in der jetzigen Situation: „Wir beten für ein möglichst kühles und nasses Frühjahr“, sagt Thomas Sander. Bis Ende März gehen die mittelfristigen Wetterprognosen allerdings von einer sonnigen und milden Witterung in der Lausitz aus.

Schadholz 2019 - die Zahlen


Die Oberförsterei Senftenberg umfasst in etwa den Altkreis Senftenberg. Im vergangenen Jahr sind auf diesem Gebiet folgende Schadholzmengen (in Festmetern, fm) angefallen:

Buchdrucker (Fichte): 4000

Blauer Kiefernprachtkäfer: 2500

Zweizähniger Kiefernborkenkäfer: 2000

Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer: 4000

Scharf- oder Sechszähniger Kiefernborkenkäfer: 3000

sonstige Borkenkäfer: 5000

Brandenburgweit sehen die Zahlen für das Jahr 2019 wie folgt aus (Gesamtwald):

Buchdrucker: 202 000

Blauer Kiefernprachtkäfer: 83 000

Zweizähniger Kiefernborkenkäfer: 5000

Zwölfzähniger Kiefernborkenkäfer: 19 900

Scharf- oder Sechszähniger Kiefernborkenkäfer: 10 300

sonstige Borkenkäfer: 60 100