Fritz (11) aus Senftenberg
: Wird er der beste Vorleser Deutschlands?

Fritz Jasper Matern (11) aus Senftenberg bereitet sich in der Bibliothek auf den ganz großen Wurf vor. Der Junge zieht für Brandenburg ins Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs. Für diese Bücher hat er sich entschieden.
Von
Rita Seyfert,
Rita Seyfert
Senftenberg
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Fritz Jasper Matern (11) aus Großkoschen bereitet sich in der Stadtbibliothek von Senftenberg auf das Bundesfinale vor. Beim Vorlesewettbewerb - einem der größten bundesweiten Wettbewerbe für Schüler - schaffte er es unter die ersten 16. Jedes Jahr nehmen etwa 600.000 Schüler der 6. Klasse aus etwa 7.500 Schulen daran teil.

Fritz Jasper Matern (11) aus Großkoschen (Senftenberg) bereitet sich in der Stadtbibliothek auf das Bundesfinale vor. Circa 600.000 Schüler der 6. Klasse aus etwa 7500 Schulen nehmen jedes Jahr am Vorlesewettbewerb teil.

Rita Seyfert
  • Fritz Jasper Matern (11) aus Großkoschen vertritt Brandenburg im Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs.
  • 600.000 Schüler nehmen jährlich teil; Fritz gewann Schul-, Kreis-, Bezirks- und Landesentscheid.
  • Lesen ist für Fritz ein wichtiges Hobby, neben Judo, Musik, Lego und Schulgarten.
  • Das Finale findet am 25. Juni in Berlin statt, Mitschüler verfolgen es live in der Schul-Aula.
  • Favorit ist der Kinderroman „Detektiv Ameisis“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als „Leseratte“ oder „Bücherwurm“ würde sich Fritz Jasper Matern (11) aus Großkoschen eher nicht bezeichnen. „Eher als Lesesuchti“, sagt er. Das mit dem Lesen habe bei ihm schon früh angefangen. „Vorlesen war bei uns immer ein festes Abendritual“, erzählt er. Noch vor der Einschulung konnte er lesen. Irgendwann habe er dann seinen Eltern vorm Zubettgehen vorgelesen.

Von Anfang an habe er sich auch für Buchstaben interessiert, berichtet seine Mutter Jana Matern. „Wir haben das Lesen sehr gefördert“, erzählt sie. Teils habe sie beim Vorlesen auch das Alphabet erklärt. Wichtig sei ihr immer gewesen, dass er laut vorliest. Später sollten die Kinder das Vorlesen von der Schule aus üben. Digitale Medien wurden im Gegensatz dazu bewusst eingeschränkt.

Fritz aus Großkoschen konnte schon im Kindergarten lesen

Erst seit Fritz das Gymnasium besucht, nutzt er ein Smartphone mit begrenzten Bildschirmzeiten. „Für Absprachen mit Mitschülern, zum Checken der Busverbindungen oder zum Hören von Musik oder Hörbüchern“, erzählt er. „Das ist alles okay, aber man soll es nicht übertreiben“, sagt er, und klingt dabei weder keck noch altklug, sondern schon ziemlich reif. Anders als die verlorene Zeit vorm Computer empfindet er Lesen als bereichernd. „Wenn man was gelesen hat, kann man hinterher noch darüber nachdenken und fühlt sich viel ausgeglichener“, findet er.

Lesen ist inzwischen fester Bestandteil in Fritz' Tagesablauf. Ob abends zum Herunterkommen oder manchmal auch direkt nach der Schule für eine halbe Stunde oder im Urlaub für eins, zwei Stunden in der Hängematte. Los ging es mit den Tiptoi-Büchern – oder den „Olchis“ (Erhard Dietl). „Olchis sind grüne Wesen, die Müll fressen“, erklärt der Junge. Die große Schrift zwischen den Bildern dieser bunt illustrierten Kinderbücher war anfangs zum Lesen-Lernen ideal.

Inzwischen hat Fritz schon zahlreiche Jugendromane verschlungen. Vom „Kleinen Drachen Kokosnuss“ (Ingo Siegner) über die Trilogie „Projekt Mimesis“, „Oblivion“ und „Cerberus“ (Simak Büchel) bis zur „Unendlichen Geschichte“ (Michael Ende). Von der Verfilmung letzteren Romans sei er nach dem Lesen aber enttäuscht gewesen, erzählt er.

„Den ganzen Tag durchlesen macht keinen Spaß, weil es dann zu viel Inhalt ist“, erklärt er. Man müsse das Lesen ein bisschen mit anderen Aktivitäten mischen. Für Fritz ist das aber kein Problem. Neben seiner zweiten Leidenschaft, dem Lego-Spielen, hat Fritz noch jede Menge andere Hobbys.

Welche Hobbys der Vorlese-Landesfinalist sonst noch hat

Zweimal pro Woche steht Fritz, Inhaber des orange-grünen Gürtels, beim Judo auf der Matte. Immer sonnabends trainiert er bei der Wasserwacht vom Deutschen Roten Kreuz. Und im Friedrich-Engels-Gymnasium beteiligt sich der Sechstklässler in der Theatergruppe, oder er erstellt mit den anderen Kindern den Anbauplan für den Schulgarten. „Nur vorm Unkraut zupfen drücke ich mich“, erzählt er.

Vorlese-Landesfinalist Fritz Jasper Matern sicherte sich beim Landesentscheid in der Fouqué-Bibliothek in Brandenburg an der Havel im Mai den ersten Platz - mit seiner Urkunde neben einem Jury-Mitglied.

Vorlese-Landesfinalist Fritz Jasper Matern (11) sicherte sich beim Landesentscheid in Brandenburg an der Havel im Mai den ersten Platz – hier mit seiner Urkunde in der Fouqué-Bibliothek neben einem Jury-Mitglied.

Cassandra Jüttner / Stadt Senftenberg

Auch musikalisch ist Fritz gut unterwegs. In der Leistungs- und Begabtenklasse übt er jede Woche auf der Trompete. Und schon seit der dritten Klasse spielt er Klavier – und das ebenso erfolgreich. Beim diesjährigen Landesentscheid vom Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ erreichte Fritz im Klavier-Bläser-Duo gemeinsam mit seinem Kumpan Heinrich Tammo (Waldhorn) 24 von 25 Punkten. Im kommenden Jahr 2026 will er in der Kategorie Klavier-Solo antreten.

Vorbereitung für das Finale in Berlin laufen auf Hochtouren

Doch jetzt bereitet sich Fritz erstmal auf einen der größten bundesweiten Vorlesewettbewerbe für Schüler vor. Nachdem er bei der Buchvorstellung im Fach Deutsch den Klassenwettbewerb und danach den Schulwettbewerb gewonnen hatte, und anschließend den Kreisentscheid im Februar, den Bezirksentscheid im April und dann den Landesentscheid in Brandenburg an der Havel im Mai als bester Vorleser für sich bestreiten konnte, steht er am 25. Juni im Bundesfinale in Berlin.

Und inzwischen ist die Luft ganz schön dünn. Die Qualität der Vorlesenden hat sich stark verdichtet. Graduell geht es um Feinheiten. Beim Landeswettbewerb habe die Jury eine Stunde beratschlagt, berichtet er. Eine schwierige Entscheidung. Alle waren gut. Doch Fritz konnte am meisten überzeugen. Und jetzt trifft er auf die besten aus jedem Bundesland.

Für dieses Buch hat sich der Lausitzer entschieden

Die Liste mit den 16 Büchern hat Fritz schon bekommen. „Jeder darf sich drei Bücher aussuchen, und am Ende wird gelost“, erzählt er. Eigentlich hätte er drei Tage Zeit, um sich zu entscheiden. Doch nach der Lektüre der Leseproben weiß er schon jetzt, für welchen Wälzer sein Herz schlägt. „Die Bücher sind alle schön geschrieben, wichtig ist aber, dass man das Buch fühlt“, erklärt er.

Der Kinderroman „Detektiv Ameisis“ (Matthias Kröner) ist seine erste Wahl. Je nachdem, wie seine Mitstreiter oder das Los entscheiden, könnte er sich aber auch vorstellen, eine dreiminütige Passage aus dem Fantasy-Krimi „Das World Famous Nine“ (Ben Guterson) oder aus der Familiengeschichte „Knäckebrothelden“ vorzulesen.

Engels-Gymnasium in Senftenberg: Live-Übertragung in der Aula

Auch Fritz' Mitschüler aus der fünften, sechsten und siebten Klasse fiebern beim Vorlesewettbewerb mit. „Wir pushen uns gegenseitig“, erzählt Fritz. Das Bundesfinale wird am 25. Juni von 11 bis 13 Uhr aus dem RBB-Studio 2 in Charlottenburg direkt in die Aula vom Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg übertragen. Und egal, wie es ausgeht, Fritz ist jetzt schon ein Gewinner.

„Neid ist bei uns nicht so ein Problem“, erzählt er. Auch seine Schulfreunde würden ab und zu Bücher lesen, wenn auch eher sporadisch. Dafür habe jeder Mitschüler andere besondere Stärken. So viel ist sicher, falls Fritz den Wanderpokal mit nach Hause bringt und als Belohnung eine Wunschautorin zur Lesung in die Schule einladen darf, dann würde er das mit seiner Klasse besprechen.

Stadtbibliothek Senftenberg: Mehr Mädchen als Jungen lesen

Laut Kerstin Bischoff, Chefin der Stadtbibliothek Senftenberg, ist der Anteil der lesenden Mädchen unter den Jugendlichen weitaus größer als der Anteil der Jungen. „Durch die Bank weg“, sagt sie. Nur durch das Genre der Comics sei die Nachfrage unter den jugendlichen männlichen Lesern etwas gestiegen. Doch Ausnahmen bestätigen immer wieder die Regel. So habe vor sechs oder sieben Jahren ein Junge aus Cottbus beim Vorlesewettbewerb den Landesentscheid für sich entschieden. „Er hat uns alle geflasht“, erinnert sie sich. Seitdem ging Südbrandenburg immer leer aus, bevor in diesem Jahr Fritz Jasper Matern aus Senftenberg erneut den Titel holte.