BASF Schwarzheide
: Darum demonstrieren Mitarbeiter vor den Werkstoren

Die Chemiegewerkschaft IGBCE und die BASF sind im Tarifstreit. Mitarbeiter haben vor dem Werk in Schwarzheide demonstriert und klare Ansagen an den Arbeitgeber gemacht.
Von
Jan Augustin
Schwarzheide
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Rund 250 Beschäftigte haben bei der BASF in Schwarzheide mit einer Tarifaktion den Druck in den laufenden Chemie-Verhandlungen erhöht.

Rund 250 Beschäftigte haben bei der BASF in Schwarzheide mit einer Tarifaktion den Druck in den laufenden Chemie-Verhandlungen erhöht.

IGBCE/Anis Ben-Rhouma

Mit Pfeifen, Fahnen und Sprechchören haben etwa 250 BASF-Mitarbeiter in Schwarzheide lautstark für ihre Tarifforderungen demonstriert. Das teilt die Chemie-Gewerkschaft IGBCE mit. Die von ihr organisierte Aktion vor den Werkstoren des Chemieunternehmens hat am Mittwoch (19. Juni) in der Mittagszeit stattgefunden. Das berichtet Anis Ben-Rhouma, der stellvertretende Bezirksleiter der IGBCE Lausitz.

Rund um die bundesweiten Chemie-Aktionstage am 18. und 19. Juni fanden ihm zufolge im gesamten Land dutzende Aktionen statt, mit denen die Chemie-Beschäftigten ihren Forderungen in den Tarifverhandlungen Nachdruck verleihen – von Kundgebungen, über Verteilaktionen und politische Mittagspausen bis hin zum Torwand-Schießen.

Auch in der zweiten Runde der Chemie-Tarifverhandlungen Anfang Mai hätten sich die IGBCE und der Arbeitgeber nicht auf ein Ergebnis für die insgesamt 585.000 Beschäftigten in der chemischen Industrie einigen können. Die IGBCE fordert für die Beschäftigten der Branche eine Einkommenserhöhung von sieben Prozent, tarifliche Regelungen für Wertschätzung und Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern sowie eine Modernisierung des Bundesentgelttarifvertrags.

Mitarbeiter der BASF Schwarzheide fordern Angebot

Enrico Symanzig, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender am Standort Schwarzheide: „Mit ihrem Einsatz haben die Beschäftigten heute ein klares Signal und eine unmissverständliche Botschaft gesendet: Ihr Geduldsfaden ist kurz vor dem Zerreißen. Sie erwarten, dass die Arbeitgeber sich in der dritten Bundesverhandlung bewegen und ein substanzielles Angebot auf den Tisch legen.“

BASF-Mitarbeiter in Schwarzheide fordern mehr Geld und Wertschätzung.

BASF-Mitarbeiter in Schwarzheide fordern mehr Geld und Wertschätzung.

IGBCE/Anis Ben-Rhouma

Neben der Erhöhung der Einkommen müsse dieses Angebot zwingend einen Vorteil für Mitglieder der IGBCE beinhalten, sagt Matthias Becker, Vorsitzender der BASF-Vertrauensleute Schwarzheide: „Unsere Mitglieder wollen endlich die Besserstellung und Wertschätzung dafür haben, dass sie ihren gewerkschaftlichen Beitrag leisten und diese Tarifverhandlungen überhaupt erst möglich machen. Wir wollen das im Übrigen auch, damit eine Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe zukünftig weiter funktioniert.“

Arbeitgeberverband Chemie vertritt BASF Schwarzheide

„Unsere Leute haben heute klar gezeigt, um was es jetzt geht. Unsere Mitglieder haben ein faires und wertschätzendes Angebot verdient“, sagt Reni Richter, Bezirksleiterin der IGBCE.

Verhandlungspartner in dem Tarifkonflikt ist nicht die BASF Schwarzheide direkt, sondern der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). Er verhandelt stellvertretend für die ganze Branche mit der IGBCE. Darauf weist BASF-Sprecherin Mareike Quint auf Nachfrage hin.

Nach der zweiten Runde hat BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk diese Stellungnahme abgegeben: „Trotz intensiver Verhandlungen über zwei Tage war es nicht möglich, in Wiesbaden einen Tarifabschluss auszuhandeln. Die Positionen liegen in vielen zentralen Fragen schlicht und einfach noch weit auseinander.“ Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien schwierig und die Forderungen der IGBCE komplex. „Wir müssen uns die Zeit nehmen, die wir für einen Kompromiss brauchen, und weiter an Schnittmengen arbeiten, die die Interessen beider Seiten berücksichtigen.“

Tarifverhandlung in Chemiebranche geht am 26. Juni weiter

Am Ende brauche es einen Tarifabschluss, der für die Unternehmen in allen Bestandteilen tragbar sei. Es gelte jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Wir werden uns nicht unter Druck setzen lassen, sondern weiter konstruktiv an einem Kompromiss arbeiten. Beide Seiten sind in der Pflicht, für Fortschritte in den Verhandlungen zu sorgen“, sagt Matthias Bürk vom Spitzenverband der Chemie-Arbeitgeber in Deutschland.

Am 26. und 27. Juni 2024 gehen die Chemie-Verhandlungen für 1700 Betriebe mit 585.000 Beschäftigten in Bad Breisig bei Bonn in die dritte Runde.