Von Jan Augustin

Es ist jung und macht Mut: Ein vierköpfiges Managementteam mit einem Durchschnittsalter von knapp über 30  führt seit ein paar Wochen die Geschicke bei dem Kabelbaumproduzenten aus Großräschen und strahlt viel Zuversicht aus. Das ist nicht selbstverständlich. Nach der Insolvenz vor mehr als einem Jahr, dem darauffolgenden Einstieg einer ominösen Firma aus Dänemark, die trotz Notarvertrages nie den versprochenen Kaufpreis für die damalige Starz Bordnetze gezahlt hat, stand das einst preisgekrönte Unternehmen am Abgrund. Mitarbeiter erhielten über Monate keinen Lohn, schrieben sich dann krank oder meldeten sich gleich ganz ab. Beim Arbeitsgericht Senftenberg laufen etliche Verfahren – mit wenig Aussichten auf Erfolg. Es war ein echter Lausitzer Wirtschaftskrimi)$, in dem deutschlandweit noch immer mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. Im Fokus steht dabei vor allem die in Kopenhagen firmierende NorthCapital Holding. Aber auch der ehemalige und langjährige Starz-Geschäftsführer ist im Visier der Staatsanwaltschaft.

Doch die Großräschener Starz Elektrotechnik GmbH, so heißt das Unternehmen seit der Rettung durch die Atlas-Gruppe Ende November vergangenen Jahres, ist mittlerweile wieder gut im Geschäft. Starz ist ein in der Branche bekannter Hersteller von Kabelsätzen für Sonderfahrzeuge. Die Produkte werden insbesondere in ­Bau-, Land- und Forstmaschinen und in Feuerwehrfahrzeugen verbaut. „Wir konnten viele alte Kunden zurückgewinnen“, bestätigt Vertriebsleiter Michael John. Derzeit gebe es sogar mehr Anfragen, als abgearbeitet werden können. „Die Entwicklung ist nach oben ausgerichtet“, bekräftigt der 34-Jährige.

Während sich der Großräschener Hauptsitz von Starz auf dem Weg der Besserung befindet, sieht es für die Standorte in Polen mit ehemals etwa 200 Mitarbeitern und in Tunesien mit rund 100 Beschäftigten schlecht aus. Nach RUNDSCHAU-Informationen ist in beiden Ländern die Produktion komplett eingestellt. Ob es den dritten Auslands-Betrieb in China mit rund 30 Leuten noch gibt, ist unklar.

Das Großräschener Unternehmen aber wächst wieder peu à peu, sagt auch die neue Personalchefin Mandy Peters (39). Die Mitarbeiterzahl sei in den letzten drei Monaten von 18 auf 30 angestiegen. Am Ende des Jahres sollen es 50 sein. Die ehemaligen Kollegen werden bei der Suche nach erfahrenem und gut ausgebildetem Personal zuerst angerufen. „Es gibt Mitarbeiter, die sofort sagen, dass die zurückkommen, andere haben eine neue Arbeit oder mit dem Unternehmen abgeschlossen“, sagt Mandy Peters. Verübeln kann sie ihnen das nicht. Zu viel Ärger hat sich in den letzten Jahren angestaut. Mitarbeiter haben vor allem die fehlende Kommunikation kritisiert. Das neue Managementteam setzt jetzt in regelmäßigen Versammlungen auf Transparenz und Informationen. „Die Kommunikation zu allen Mitarbeitern ist offener geworden“, sagt Vertriebsleiter Michael John. Das Klima sei deutlich besser. „Es macht sich ­Aufbruchstimmung breit“, sagt er.