Angriff in Senftenberg: Übergriff auf Reporterin bei Veranstaltung am Stadthafen

Der Stadthafen in Senftenberg – hier war beim Offenen Senftenberg 2025 eine Lounge zum Entspannen aufgebaut. Eine Reporterin wurde hier Opfer eines Übergriffs.
Jan Augustin- Übergriff auf Reporterin in Senftenberg bei Veranstaltung Offenes Senftenberg 2025.
- Unternehmensleiter riss ihr Smartphone weg, Anwalt bedauert das Verhalten.
- Chefredakteur Claus Liesegang verurteilt den Vorfall, will Strafanzeige stellen.
- Übergriffe auf Journalisten in Deutschland haben sich verdoppelt, besonders bei politischen Demonstrationen.
- Laut RSF-Bericht 89 Angriffe in 2024, viele in Berlin.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Während der Veranstaltung Offenes Senftenberg 2025 am zurückliegenden Sonnabend (24. Mai) ist es zu einem Übergriff auf eine Reporterin der Lausitzer Rundschau gekommen. Die Journalistin war für eine Reportage in der Stadt unterwegs, sammelte Stimmen und Eindrücke. So auch am Stadthafen, wo eine Firma aus der Region eingeladen hatte. Das Unternehmen ist ein erfolgreicher Hersteller von Aktivkohlefiltern, die beim Konsum von Cannabis gebraucht werden. Die Utensilien sind auch bei bekannten deutschen Künstlern beliebt. Ein in der Szene bekannter und erfolgreicher Rapper war an dem Tag auch zu Gast in der Lounge.
Die LR-Reporterin wollte Videoaufnahmen von der Szenerie vor Ort machen, um sie später mit anderen Sequenzen der von der Stadt organisierten Veranstaltung auf Social-Media-Kanälen zu veröffentlichen. Dass Journalisten auf öffentlichen Festen Fotos und Videos machen, um sie für die Berichterstattung zu nutzen, ist nicht nur wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit, sondern auch rechtens. Die Berichterstattung ist durch die Pressefreiheit geschützt, solange die Persönlichkeitsrechte Betroffener gewahrt bleiben.
Chefredakteur verurteilt Übergriff auf Reporterin in Senftenberg
Als die LR-Reporterin ihr Handy für etwa fünf Sekunden auf eine sitzende Gruppe im öffentlichen Raum schwenkte, riss ihr ein Unternehmensleiter das Smartphone aus der Hand und rannte damit mehrere Meter weg. Er sagte, dass das so nicht gehe, sie das Video sofort löschen solle, auch aus dem Papierkorb. Unter diesem für sie bedrohlichen Eindruck tat sie das auch. Das Video konnte allerdings wieder hergestellt werden und liegt dieser Redaktion vor. Es bestätigt die Angaben.
Harald Herbert, der Anwalt des Unternehmensleiters, teilt auf Nachfrage schriftlich mit, dass sich sein Mandant „bedauerlicherweise am 24.05.2025 zu einer Handlung hat hinreißen lassen“. Er hoffe, dass die Angelegenheit jetzt als erledigt zu betrachten sei. Eine wirkliche Entschuldigung hat er allerdings nicht abgegeben.
„Wir sind erschüttert von dem Vorfall und werden Strafanzeige stellen“, sagt Claus Liesegang, Chefredakteur von Lausitzer Rundschau und Märkischer Oderzeitung. Es könne nicht sein, dass Journalisten bei der Ausübung ihrer normalen Arbeit derart gehindert werden. Das sei ein nicht tolerabler Übergriff gewesen und nicht der erste Fall, der zur Anzeige gebracht wurde. Auch im vergangenen Jahr sind Journalisten dieses Medienhauses beleidigt und bedroht worden. „Die Polizei bittet uns, alle Fälle anzuzeigen, wenn unsere Pressefreiheit behindert wird“, erläutert Liesegang. Nur so könnten die Fälle dann auch sichtbar gemacht werden.
Übergriffe auf Journalisten in Deutschland nehmen zu
Übergriffe auf Journalisten haben in Deutschland massiv zugenommen. Laut einem Bericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat sich die Zahl der Angriffe in Deutschland im Jahr 2024 auf 89 mehr als verdoppelt – im Vergleich zu 41 Vorfällen im Vorjahr. 40 der dokumentierten Fälle betrafen körperliche Gewalt wie Schläge, Tritte oder heftiges Schubsen. Zudem wurden Journalisten bespuckt, mit Gegenständen beworfen, mit Pfefferspray attackiert oder in Redaktionen und Wohnungen angegriffen.
Die meisten Vorfälle ereigneten sich in Berlin (49), gefolgt von Bayern und Sachsen (jeweils 8). 66 der 89 Angriffe geschahen bei politischen Demonstrationen, davon 38 im Kontext des Nahost-Konflikts. Medienvertreter berichten von Morddrohungen und einer feindseligen Stimmung.
Neben der physischen Gewalt warnt RSF vor einer wachsenden gesellschaftlichen Ablehnung gegenüber unabhängigen Journalisten, besonders bei Themen wie dem Nahost-Konflikt oder jüdischem Leben. Viele Medienschaffende berichteten in Interviews von zunehmendem Druck, Hetze und digitalen Anfeindungen.


