Von Andrea Budich

Wie sehr dieses Unglück in der Nacht zum 3. Advent die Menschen in der Region bewegt und wie sehr es die Herzen der Lausitzer geöffnet hat, das war am Dienstag bei der Wiedereröffnung der Traditionsbäckerei von Axel und Michaela Günther zu spüren.

Die ersten Kunden stehen noch vor 5 Uhr vor der Ladentür Schlange. Die Dorfstraße ist Stoßstange an Stoßstange zugeparkt. Die Leute kommen nicht nur mit Stoffbeuteln und Körben, um das erste noch dampfende Brot mitzunehmen. Sie haben Blumensträuße in der Hand, Sektflaschen unterm Arm, nehmen die komplett versammelte Bäckersfamilie in den Arm. Hier und da fließen vor lauter Freude und Dankbarkeit auch still ein paar Tränen – für die sich an diesem Freudentag niemand schämt.

Darauf hat Frauendorf ganze sieben Monate nach der durch einen technischen Defekt ausgelösten verheerenden Brandkatastrophe warten müssen: Der Duft von frischen Brötchen, Zimtschnecken, Butterstreusel und Hefeteig liegt wieder in der Luft. Dabei hatten die Günthers in nur einer Nacht ihre Existenz schon in den Flammen untergehen sehen. Bis auf die Grundmauern war die Backstube von den Flammen aufgefressen worden. Totalschaden. Backofen, Brötchenanlage, Mehlsilo – alles verbrannt und verkohlt bis aufs letzte Kuchenblech. Alles schien verloren – doch mit dem eisernen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und zahlloser Spender aus der ganzen Lausitz trotzten Axel und Michaela Günter dem schweren Schicksalsschlag und stürzten sich in den Wiederaufbau.

Das Unglück vor Weihnachten hat Frauendorf ein großes Stück weiter zusammenrücken lassen. Nachbarn, Vereine, Unternehmer, Mitarbeiter – alle haben geholfen, mitangepackt. „Wenn du Torten machen kannst, kannst du auch mauern“, war der Wahlspruch von Bäcker Jan Fiedler, der seinem Chef in der Not auf der Baustelle tüchtig hat unter die Arme gegriffen. Auf das vom Amt Ortrand angelegte Spendenkonto gingen kleinere und größere Beträge aus der ganzen Lausitz ein. „Jeder Cent davon steckt jetzt in der neuen Technik“, erklärt Bäckermeister Axel Günther. Allein der Backofen hat 100 000 Euro gekostet.

Der Neustart nach sieben Monaten hat Bäckermeister Axel Günther dann aber doch ziemlich kribbelig gemacht. Genau wie sein Vater Hans (75) war er unruhig, nervös und konnte nicht schlafen. Punkt ein Uhr Nachts haben sie Licht gemacht in der großen neuen Backstube und den neuen Ofen angeschalten.

Draußen vor dem Laden wird die Wiedereröffnung mit einem kleinen Volksfest gefeiert. Die Kunden-Schlange reißt den ganzen Tag über nicht ab. „Darauf haben wir so lange gewartet. Der Kuchen schmeckt nur hier“, freuen sich Erika und Roland Etzrodt aus Lauchhammer.

Frauendorf