Bronkow und Luckaitz haben einen, auf den Marktplätzen in Calau oder Altdöbern sind sie nicht zu finden, in anderen Orten findet man sie nur als Miniatur. Die Rede ist von Maibäumen, den Symbolen des Frühlings.
Im Jahr 1224 wird in Aachen erstmals ein Maibaumaufstellen dokumentiert, aus dem Jahr 1531 stammt eine Rechnung für einen Maibaum in Bayern, 1550 folgt die erste Abbildung eines der Wahrzeichen. Zweifellos genießt dieses auch in Lausitzer Städten und Dörfern einen hohen Stellenwert. Wie groß die Bedeutung ist, wird in den Orten sichtbar, in denen es mit den Versammlungseinschränkungen nicht ganz so ernst genommen wurde. Wie lässt es sich sonst erklären, dass bisweilen stattliche Exemplare die Dorfanger prägen, die wohl kaum mit der Kraft von Mitgliedern aus einer Familie aufgerichtet werden konnten?

Auf Tradition des Maibaumaufstellens nicht verzichten

Die Tradition des Maibaumaufstellens ist Personen wichtig – auch in Zeiten von Corona. „Da es keine Genehmigung zum Aufstellen eines gemeinsamen Maibaumes im Dorf gab, haben wir auf unserem Grundstück ein kleines Exemplar errichtet. Verbunden mit einem gemütlichen Beisammensein in Familie, mit Feuerschale und belebenden Getränken“, erzählt Petra Richter aus Zwietow (Calauer Schweiz).
Entspannt zurücklehnen können sich die Radduscher, die in diesem Jahr auf das Aufstellen eines Maibaums verzichteten. Auch weil Unbekannte ihnen diesen im vergangenen Jahr abgesägt haben. Einem unbeschriebenen Gesetz nach dürfte das Spreewalddorf in den darauffolgenden sieben Jahren keinen Maibaum aufstellen und auch keinen Maitanz durchführen. „Ob das so eingehalten wird, wage ich zu bezweifeln. Die Leute hängen an dieser Tradition“, räumt Ortschronist Manfred Kliche ein.
Mit einem Trick ließe sich die weit verbreitete Regel jedoch umgehen. Dafür müssten sich ehemalige Kahnsorfer finden, die „ihren“ Maibaum mit Hilfe der Radduscher errichten. 1987 musste Kahnsorf dem anrückenden Tagebau Seese-Ost weichen und alle 120 Einwohner das Dorf verlassen. Seitdem gibt es in dem ehemaligen Nachbardorf von Raddusch zwar kein Maibaumaufstellen mehr, aber im kommenden Jahr möglicherweise einen Kahnsdorfer Maibaum auf dem Radduscher Dorfanger.