Von Uwe Hegewald

 „Wie habe ich diese Melodie vermisst“, lässt Turf-Moderator Reiner Lehmann am Sonntagnachmittag die Zuschauer des 27. Reiterfestes in Laasow wissen. Gemeint ist der Ohrwurm zur gleichnamigen Fernsehserie „Rivalen der Rennbahn“ (1989), den kein geringerer als Dieter Bohlen komponierte.

Zu hören ist die Melodie bei den Siegerehrungen der Niederlausitzer Stollenreiten, zum Bedauern vieler Pferdesportfreunde aber immer seltener. „Laasow ist mittlerweile das einzige Dorf, das an der Tradition des Stollenreitens festhält. Wir können den Leuten und Sponsoren nur danken und hoffen, dass sie an diesem Wettbewerb festhalten“, sprach Reiner Lehmann den Zuschauern aus dem Herzen.

Zu denen zählte auch Harry Müller, der in den 1990er-Jahren zahlreiche regionale Galopprennen moderierte. „Wir hatten eine Saison mit 34 Stollenreiten, da war jedes Wochenende Trubel. Es ist traurig, dass nur noch die Laasower die Kraft und die Mühe aufwenden, eine solche Veranstaltung zu stemmen“, so der ehemalige Rennmoderator aus Dollenchen (EE).

Eine Ausnahme bildet das Dorf Neu Zauche, wo noch das ursprüngliche Stollenreiten gepflegt wird, bei denen jedoch nur unverheirateten jungen Männern eine Teilnahme erlaubt ist. Nicht auszudenken, wenn diese Regelung auch in Laasow zum Tragen gekommen wäre. Dann hätten die Zuschauer nur insgesamt zwei einsame Reiter zu Gesicht bekommen.

„Eigentlich war Dubai schon in Pferde-Rente versetzt. Der 21-jährige Wallach hat aber immer noch große Lust zum Galoppieren“, begründete Benjamin Trogisch (Muckwar) sein Comeback. Bei den Großpferden lieferte sich der Luckaitztaler ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Jennifer Daus (Säritz) auf „Despina“. Jeder konnte einen der zwei Läufe für sich entscheiden, was in einem Unentschieden mündete.

Wie Judith Müller von der Rennleitung informierte, wird bei einem Unentschieden der zweite Lauf als der höhere eingestuft, was zur Folge hatte, dass Jennifer Daus zur Siegerin erklärt wurde. Benjamin Trogisch trug die Entscheidung mit Fassung. „Jenny, ich bin beeindruckt“, gratulierte er seiner Rivalin noch im Ziel­auslauf. Für die Säritzerin zeigt die Erfolgskurve weiter nach oben. Sie ist eine flinke Galoppreiterin und zudem furchtlose Kutschen-Beifahrerin. An der Seite von Diana „Kulle“ Kullnick assistiert sie der Ausnahme-Kutschenfahrerin Hanna Netzker. Vor zwei Wochen startete die Calauerin noch bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften U 25 in München. „Beim Vormustern reichte es für Platz 7, beim Kegelfahren sogar für Platz 5. Dass die Wettbewerbe auf der Olympia-Reit­anlage ausgetragen wurden, hatte einen besonderen Reiz“, so die Calauerin. Am letzten Augustwochenende wolle sie in Sonnewalde (EE) alles daran setzen, ihren Landesmeistertitel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

In Laasow brachte sich Hanna Netzker als Betreuerin der wieder einmal starken Reitergilde vom Pferde- und Ponyhof Repten ein. In vier von fünf Kategorien gingen die Siegerschleifen und Eichenlaubkränze an Reiterinnen des rührigen Vereins aus dem Ortsteil von Vetschau. Dass mit Mia Schulze die Tochter der legendären Ulrike Schulze aus Trebbinchen (Gemeinde Heideblick) an den Start ging und mit Neele Jacob ein Nachwuchstalent aus dem Kaltblut-Stall der Familie Richter (Reuden), lässt Hoffnung keimen, dass zumindest das Laasower Reiterfest seine Fortsetzung findet. Inklusive Atmosphäre, Spannung und Emotionen der Wettbewerbe, mit strahlenden Siegerinnen und glücklichen Großvätern.

Als die RUNDSCHAU Jörg Richter um ein Statement zum Erfolg seiner Enkelin bat, antwortete der Reudener nur kurz: „Ich bin stolz wie Oskar.“