Von Phillip Brendel

Der Hochsommer hat auch dem Spreewald knallige Sonne beschert und drückende Schwüle. Die Menschen flüchteten regelrecht in die nächst gelegenen Abkühloasen. Die Lübbenauer freilich und Besucher der Stadt mussten dazu nach Vetschau, Calau oder Luckau fahren. Denn die Top-of-Spreewald-Stadt verfügt nur über zwei Hallenbäder. Dabei war das früher mal ganz anders gewesen.

Das erste Objekt, welches ganz offiziell als Freibad bezeichnet werden konnte, war das Naturbad am Wotschofskaweg. Einige Altlübbenauer können sich vielleicht noch an die genaue Lage der Badeoase erinnern, welche heutzutage mehr als verwildert erscheint: Entlang des Wotschofskawegs vom Kleinen Hafen aus, vorbei an der Erlenhorstvilla über die zweite Stufenbrücke hinweg, wird man direkt nach der Brücke linkerhand einen auffällig rechteckig angelegten kleinen See erkennen. An dieser Stelle befand sich das erste Lübbenauer Freibad. Im Jahr 1928 eröffnet, konnte dort noch im besten Spreewasser gebadet werden, welches in den See ein- und wieder ausgeleitet wurde. Die Zweckgebäude des Bades sind in einem damals typischen Baustil für öffentliche Freibäder errichtet worden, so wie sie bis heute beispielsweise noch im Freibad Vetschau zu sehen sind. Am Wotschafskaweg selbst ist heutzutage von der alten Bebauung nichts mehr zu sehen. Auffällig ist die rechteckige Form des kleinen Sees, der in heutigen Tagen zumindest noch manch Anglerherz beglückt.

Bereichert wurde das Freibad am Wotschofskaweg damals mit einem hölzernen Sprungturm, der ein Drei- und Fünfmeterbrett bot. Obwohl die Wasserqualität im Jahr 1956 noch ausreichte, dass die Bewohner Lehdes aus der Spree tranken, hatte sich die Qualität wohl in den 1960er Jahren derart verschlechtert, dass nach einem Ersatz für das Bad am Wotschofskaweg gesucht wurde.

In den 1960er Jahren vollzog Lübbenau ohnehin eine rasante Entwicklung: Im Jahr 1964 hatte die Stadt schon über 16 000 Einwohner. Mit der Vergrößerung und dem Zuzug vieler junger Familien, verjüngte sich auch die Stadt. Die schon vorhandene Infrastruktur sorgte für eine gute Lebensqualität – Verkaufseinrichten, Schulen, Kindergärten – doch was fehlte, war etwas für die Freizeit: ein Freibad.

Das Naturbad am Wotschofskaweg war mittlerweile offiziell geschlossen worden. Mehrere Standorte für eine neue Badeanstalt wurden geprüft. So stand auch ein möglicher Standort in Klessow in der Diskussion. Schließlich fällt damals die Entscheidung für ein Areal nahe Boblitz, wo noch im April 1964 mit dem Baubeginn die Ära des zweiten Lübbenauer Freibades eingeläutet worden ist. Die neue Badeanstalt wurde von ihren Nutzern als „Boblitzer Badesee“ getauft, wobei der kleine Badesee bis heute zur Gemarkung Groß Lübbenaus gehört.

Der Aufbau des Bades wurde als NAW-Projekt, also als Projekt des Nationalen Aufbauwerkes vollzogen. Dabei sollten Bürger unter der Mithilfe der Betriebe das Bad gemeinschaftlich aufbauen. Wenn die Umstände einer permanenten Materialunterversorgung und sonstige Engpässe in Betracht gezogen werden, ist es nicht schwer zu erahnen, dass der vorgesehene Übergabetermin für das Freibad im Jahr 1964 nicht eingehalten werden konnte.

Doch ein Jahr später war es dann soweit: Am 12. Juni 1965 konnte das Freibad mit einer Wasserfläche von 6800 Quadratmetern eröffnet werden. Die etwa zwei Drittel Hektar große Fläche bot ausreichend Platz für Schwimmer wie auch Nichtschwimmer. Breite Sandstrände sind zum wahren Dorado für Kinder geworden, die sich im Wasser tummeln und im Sand buddeln konnten. Endlich konnten sich die Lübbenauer über ihr neues Freibad freuen. Doch die Sterne waren auch dieser Badeeinrichtung nicht für die Ewigkeit wohl gesonnen.

In Folge zwei erfahren Sie vom Schicksal des zweiten und dritten Lübbenauer Freibades.