Slawenburg Raddusch
: Mit Camping und Tierpark – neuer Betreiber hat große Pläne

Seit Längerem versucht die Stadt Vetschau einen neuen Betreiber für ihr größtes Sorgenkind – die Slawenburg in Raddusch – zu finden. Jetzt steht fest: Es gibt einen.
Von
Harriet Stürmer
Vetschau
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Blick auf die Slawenburg in Raddusch.

Luftaufnahme vom 10.07.2022
Slawenburg Raddusch

MUSIKSOMMER IN DER SLAWENBURG RADDUSCH
Die Saspower Dixieland Stompers gibt es seit 35 Jahren. Wer sie sind, haben sie auf einem Flyer originell festgehalten: S wie Saspow: Vorort von Cottbus, Gründungs- und Probenort der Saspower Dixieland Stompers; D wie Dixieland: heitere, volkstümliche Musik im New-Orleans-Stil der 20er Jahre, die jedes Publikum schnell erfasst und begeistert; S wie Stompers: Musiker, die mit „stampfendem” Rhythmus den Dixieland am Samstag, 16. Juli 2022 ab 14 Uhr in der Slawenburg Raddusch erklingen lassen.

Ab 18:30 Uhr sorgt das Christiane-Altmann-Trio für einen jazzerfüllten Abend. Ihr Programm besteht aus den schönsten Kompositionen des Swing, Cool Jazz und Bossa Nova.

Um 19 Uhr starten erstmals Heißluftballons vom Gelände der Slawenburg aus.
Anmeldung für die Ballonfahrt unter info@slawenburg-raddusch.de oder +49 35433 59220

Blick auf die Slawenburg in Raddusch. Die Anlage hat einen neuen Betreiber. (Archivbild)

Michael Helbig

Die Brüsseler Stiftung Slavonic Europe um Investor David Chmelik übernimmt die Slawenburg Raddusch bei Vetschau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz). Der bislang unter städtischer Betreibung stehende originalgetreue Nachbau einer slawischen Fluchtburg mit interaktiver Dauerausstellung soll zum Treffpunkt und zur Begegnungsstätte der slawischen Völker und Kulturen an der Nahtstelle zwischen Ost und West gemacht werden, teilt die Stiftung mit. Der Neustart ist für den 15. August 2024 angedacht.

Der neue Betreiber will nach eigenen Angaben mit gezielten lokalen, regionalen und internationalen Impulsen die Slawenburg Raddusch zu einem Ort der kulturellen und gesellschaftlichen Ausstrahlung innerhalb Brandenburgs, aber auch weit über die Region der Lausitz hinaus machen – im Rahmen der von der Stiftung ins Leben gerufenen überregionalen Integrationsmethode Lusatia Glow (Lausitzer Leuchten).

Musikfestivals, Advents- und Weihnachtsmärkte in der Slawenburg

Dazu würden spezifisch slawische Musikfestivals, Gastronomieveranstaltungen, Modeschautourneen, Advents- und Weihnachtsmärkte sowie grenzüberschreitende Jugendtreffen „aus allen demokratischen und freiheitlichen slawischen Ländern und Kulturen“ gehören, wie Slavonic Europe erklärt. Auch Wissenschaft und Forschung sollen von der Slawenburg aus neu gefördert werden und innerhalb der Wirtschaftsregion Lausitz einen neuen grenzüberschreitenden Stellenwert erhalten, heißt es weiter.

Zu den Plänen gehören demnach unter anderem die Erweiterung des bereits in der Burg bestehenden Museums um neue Bereiche wie Museumspädagogik und Byzantinistik sowie die stufenweise Errichtung einer grenzüberschreitenden Universität der Lausitz – Europäische Translationale Universität Lausitz Jan Skala (Etulis) in Zusammenarbeit mit der EU, den Fakultäten vor Ort und in der Region ansässigen Industrieunternehmen.

Das Gelände der Slawenburg selbst soll ebenfalls eine Weiterentwicklung erfahren – durch die Errichtung eines Tierparks und den stufenweisen Wiederaufbau eines interaktiven Slawendorfes samt Burgbauhütte, Camping, Glamping und elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, die die Fortbewegung auf dem gut zehn Hektar großen Gelände für die Besucher leichter machen sollen.

Sorbische/wendische Produkte sollen besonderen Platz bekommen

Einen besonderen Platz in der Slawenburg sollen künftig sorbische/wendische Produkte im künstlerischen, literarischen und kulinarischen Bereich einnehmen, die die Bedeutung der in der Lausitz lebenden westslawischen Minderheit veranschaulichen sollen.

Zum Betreiben der Slawenburg hat die Stiftung Slavonic Europe eine eigene Betreibergesellschaft deutschen Rechts gegründet, die Slawenburg gGmbH mit Sitz in Vetschau.

Das Wahrzeichen gilt als Sorgenkind der kleinen Kommune Vetschau. Die jährlichen Betriebs- und Erhaltungskosten übersteigen die Einkünfte aus Ticketverkäufen und Veranstaltungen. Seit Mai 2003 werden jährlich rund 50.000 Besucher gezählt.

Auch anstehende Investitionen in Höhe von schätzungsweise 1,8 Millionen Euro gefährden den Stadt-Haushalt. Bemühungen um eine dauerhafte Förderung durch den Landkreis oder das Land Brandenburg blieben bis zuletzt erfolglos.

Stiftung und Slawenburg

Die Bewegung Slavonic Europe wurde 2016 in Brüssel von ihrem derzeitigen Vorsitzenden Chmelik, einem tschechisch-deutschen Staatsbürger, gegründet. Sie setzt sich als zivilgesellschaftliche Initiative für die Zusammenarbeit aller demokratisch und freiheitlich denkenden Slawen und die Sichtbarkeit ihrer Kultur im weitesten Sinne auf internationaler Ebene ein.

Internet: slavonic-europe.org

Die Slawenburg ist eine Adaptation einer an gleicher Stelle gegründeten slawischen Fliehburg aus dem neunten Jahrhundert bei Raddusch, einem Ortsteil der Stadt Vetschau. Sie ist heute ein Museum, Veranstaltungs-, Forschungs- und Erlebnisort, der dauerhaft einer breiten bundesdeutschen und internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.

Internet: slawenburg-raddusch.de