In der Regel werden der Name Netzker und der Calauer Ortsteil Werchow mit Rassegeflügelzucht in Verbindung gebracht. Jahr für Jahr wächst in den Ställen und Volieren der Familie preisgekröntes Federvieh heran. Während sich Joachim Netzker zu Tauben, Hühner und Wassergeflügel hingezogen fühlt, erweist sich Gattin Renate aber als die „Frau für alle Felle“.
Zart-glänzende Felle, aus dessen üppigem Haarkleid sehnsuchtsvolle Augen hervorgucken. Lhasa Apso nennt sich die Hunderasse, deren Ursprung auf dem Hochplateau von Tibet – dem Dach der Welt – liegt. „Tibetische Hunde gelten als robust und widerstandsfähig“, sagt Renate Netzker und macht das an den dortigen, harten Lebensbedingungen fest: Lange, eisige Winter; kurze, heiße Sommer.

Lhasa Apso leben seit Jahrhunderten in tibetischen Klöstern

Ganz im Gegensatz zu den meteorologischen Gegebenheiten am Fuße der Calauer Schweiz. 1997 zog der erste Lhasa Apso aufs Grundstück der Familie Netzker, die vor zwei Jahrzehnten mit der Zucht begonnen hat. „Mitte der 1990er Jahre bin ich über einen Zeitungsartikel auf die Rasse aufmerksam geworden, die als umgänglich, wachsam und anhänglich gilt, aber auch stolz, selbstbewusst, intelligent und manchmal auch als eigenwillig“, beschreibt die Züchterin das Wesen.
Historischen Berichten nach sollen Lhasa Apso bereits 800 vor Christus durch tibetische Klöster oder Höfe von Adligen gesaust sein. „Sie gelten als Glücksbringer“, so das Werchower Paar, dass diese Charakterisierung nur bestätigen kann. Unter ihrem Zwingernamen „Tienschan´s“ haben sie Glücks- und gleichzeitig Erfolgsgeschichte geschrieben, die 1999 mit dem ersten Wurf begann und bis heute anhält.
Erst vor wenigen Tagen haben erneut Welpen den heimischen Zwinger verlassen, um unter anderem im nordrhein-westfälischen Hamm ein neues Zuhause zu finden. Die Nachfrage ist groß, sind Netzkers (neben einer Berliner Züchterin) die einzigen Züchter in den neuen Bundesländern, inklusive Eintrag im Verband für das deutsche Hundewesen (VDH). Mit allen, sich daraus ergebenen Vorgaben, wie jährliche medizinische Untersuchungen, die bei Zuchttieren vorgeschrieben sind.
Erst kürzlich ging es mit einer Nachwuchshündin zur Untersuchung, um eine Zuchtzulassung zu bekommen. „Röntgen, Kniescheiben-Kontrolle oder das Prüfen, ob eventuell Augenkrankheiten vorliegen“, zählt Renate Netzker auf, deren Hundeleidenschaft 1973 mit einem Colli begann. Seit diesem ist für sie ein Leben ohne Hund nicht mehr vorstellbar.
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Herzberg/Cottbus

Lhasa Apso-Hündin bis nach Australien verkauft

An das Abgeben von Welpen haben sich die Netzkers inzwischen gewöhnt. Einige haben ihre Reise nach Slowenien, in die Schweiz, Österreich, den Niederlanden oder Nordamerika angetreten, eine Hündin sogar bis nach Down Under. „Die Australier wollten unbedingt ein Tier aus unserer Linie und haben dafür weder Kosten noch Mühe gescheut“, erzählt Joachim Netzker. Und der erzählt von einem „immensen Schreibkram und zahlreichen Behördenkontakten“.
„Für die erforderlichen Genehmigungen und Überführung haben die neuen Besitzer mal locker 10 000 Euro hingeblättert“, sagt er. Dass die Hündin in Australien bereits mehrere Preise gewonnen hat, wundert das Werchower Züchterpaar nicht wirklich. Selbst haben sie mit ihren Lhasa Apsos große Pokale gewonnen oder Bundes- und Europasiegertitel errungen.
Der größte Erfolg liegt schon einige Jahre zurück, als es 2001 von der Weltausstellung in Amsterdam mit einem Vizeweltmeistertitel zurück in die Lausitz ging. Für Renate und Joachim Netzker ist das ein Beleg, konsequent an ihrem Zuchtziel festzuhalten: Die Ursprünglichkeit des Lhasa Apso mit seinem einzigartigen Charakter und Wesen bewahren, wie auch seine Robustheit und sein natürliches Aussehen.