Seelsorge in Lübbenau: Gesprächsbedarf? Pfarrerin Ulrike Garve gibt Einblicke

Pfarrerin Ulrike Garve im Pfarrgarten in Lübbenau. Sie besucht Menschen zu Hause oder trifft sie in der Kirche für Gespräche. Die Seelsorge kann Stabilität und Halt geben für Menschen mit Gesprächsbedarf oder in Krisensituationen. Im Hintergrund sieht man ein Hobby der Pfarrerin: Bienen!
Alexandra LeibmannOb in schwierigen Lebenslagen, bei Verlust von Liebsten oder ein Gespräch über den aktuellen Lebensstand – Seelsorge bietet vielen Menschen Trost und Halt. Die Seelsorge ist das „Kerngeschäft der Kirche“, sagt Ulrike Garve, die seit 2017 Pfarrerin der evangelischen Kirche in Lübbenau ist.
Lübbenauer Pfarrerin sorgt sich um die Seele der Menschen
Ulrike Garve begleitet in ihrer Gemeinde Menschen auf ganz unterschiedliche Weise: von vertraulichen Gesprächen über Hausbesuche bis hin zur Sterbebegleitung. „Es geht darum, für die Menschen da zu sein – dafür zu sorgen, dass die Seele weitermachen kann“, sagt sie.
Seit über 20 Jahren ist die Seelsorge auch wichtiger und großer Bestandteil der Pfarrerausbildung. Die seelische Betreuung war und ist eine der Hauptaufgaben von Pfarrpersonen, „auch wenn sie leider in den Hintergrund rutscht oder nicht mehr so viel nachgefragt wird wie früher“, bedauert Garve.
Verschiedene Formen der Seelsorge – die Notfallseelsorge
„Neulich gab es einen Hausbrand am Ortsrand. Eine Person kam mit Brandverletzungen davon“, erzählt Pfarrerin Garve. Sie beschreibt, wie Krankenwägen, Polizei und Feuerwehr ankamen und jede Rettungskraft in ihrem Tätigkeitsfeld eingespannt war. Von den Einsatzkräften hatte keiner Zeit, emotionale Hilfe für die Betroffenen zu leisten.
Für solche Fälle gibt es die Notfallseelsorge, die mit am Ereignisort ist und die Nachbarn, Angehörigen und die Betroffenen betreut und seelische Unterstützung leisten kann.

Wie kirchliche Notfallseelsorge bei existenziellen Krisen hilft: Wenn durch einen Unfall plötzlich jemand stirbt, bricht für die Angehörigen von einem Moment zum anderen alles zusammen. Ängste, Verzweiflung und Ohnmachtsgefühle können die Betroffenen überwältigen. Dann ist Begleitung gefragt, die Unterstützung leisten kann.
Simone Viere/epdRegelmäßige Hausbesuche
Ulrike Garve besucht Menschen auch zu Hause und über einen langen Zeitraum hinweg. Manche sind einsam und wollen einfach erzählen, was ihnen auf der Seele liegt.
Garve empfindet es als ein Geschenk und Vertrauensbeweis, diese Geschichten hören zu dürfen. „Die Älteren haben schon ganze Leben durchlebt, haben gelitten, haben viel gesehen und erfahren“, sagt die Pfarrerin.
Die Sterbebegleitung
Eine andere Form der Seelsorge ist die Sterbebegleitung. Dabei werden Menschen, die im Sterben liegen, sowie ihre Angehörigen durch den Sterbeprozess begleitet. Es wird getan, was auch immer den Menschen in dem Fall guttut.
Jeder braucht dabei was anderes, erzählt Garve: „Manchen Menschen hilft beten und singen, andere wollen konkret über den Tod reden und wieder andere lieber davon abgelenkt werden.“
Alltagsgespräche
Was Pfarrerin Garve selbst lange gar nicht als Seelsorge verstanden hatte, es aber mittlerweile auch als solche begreift, sind die kleinen alltäglichen Gespräche „zwischen Tür und Angel“, wie sie es sagt. Das seien oft die spontanen und zufälligen Begegnungen draußen, bei denen Menschen einfach etwas loswerden wollen, was ihnen gerade auf der Seele liegt.
Pfarrerin bewahrt Schweigepflicht auch in Extremfällen
Dabei gelte bei all diesen Gesprächen das Seelsorgegeheimnis, erklärt die Pfarrerin. „Was in einem Seelsorgegespräch besprochen wird, bleibt absolut vertraulich.“ Diese Schweigepflicht sei essenziell, um Menschen den Raum zu geben, offen über das zu sprechen, was sie belaste – ohne Angst vor Konsequenzen oder Urteilen.
Selbst wenn jemand in solch einem Gespräch einen Mord gestehen würde, dürften Pfarrerinnen und Pfarrer sich laut Seelsorgegeheimnis damit nicht an die Polizei wenden.
Beichte kann das eigene Gewissen entlasten
Der Ursprung der Seelsorge liegt in der katholischen Beichte. So veraltet die Beichte auch sein mag, sie hat einen guten Zweck: etwas aussprechen, was das eigene Gewissen belastet. Und dabei müssen es nicht Extremfälle wie Gewalttaten sein.
„Menschen suchen schnell die Schuld bei sich. Auch da, wo sie keine haben“, erzählt Garve. Sie erzählt von Gesprächspartnern, welche die eigenen Eltern ins Heim abgeben müssen und deshalb ein schlechtes Gewissen haben. „Dabei trifft niemanden eine Schuld. Man muss die eigenen Belastungsgrenzen anerkennen“, sagt Garve.
Selbst Seelsorger werden?
Wer in der psychosozialen Notfallversorgung tätig sein möchte, kann das erlernen und ehrenamtlich tun. Die Notfallseelsorge wird oft von den evangelischen oder katholischen Kirchen organisiert, manchmal auch in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder der Feuerwehr.
Wer gerne Seelsorger werden möchte, wird anfangs für mehrere Monate im Team seines Landkreises mitlaufen und dadurch Einblick in die Tätigkeit kriegen. Werden die Voraussetzungen zum Seelsorger erfüllt, kann eine mehrwöchige Ausbildung absolviert werden, die vom Landkreis finanziert wird.
Telefon-Seelsorge-Rufnummern
Kirchliche Telefon-Seelsorge in Brandenburg: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222
Nummer gegen Kummer (das Kinder- und Jugendtelefon): 116 111

