Die Hilfsaktion hatte nicht nur im Vetschauer Umland für Aufsehen gesorgt: 20 Flüchtlinge aus der Ukraine waren in den vergangenen Wochen im Ortsteil Ogrosen nach und nach eingetroffen. Dort wurden sie kurzerhand im Pfarrhaus untergebracht. Mehrere Bürger, die Feuerwehr, die Evangelische Kirchengemeinde aus dem kleinen Ort, Pastorin und Gemeindekirchenrat sowie Unternehmen im Umkreis halfen mit. Die Spendenbereitschaft reißt derweil nicht ab.

Vetschau/Ogrosen

Nun geht auch die Vetschauer Kernstadt in die Offensive. Vergangenen Freitag gab es zuletzt eine Abstimmung dazu im Rittersaal des Schlosses, bei der Rathausspitze, Verwaltung, Ehrenamtliche und die großen Wohnungsvermieter zusammentrafen. Im Kern ging es um die Fragen: Wer kann wie und wo helfen? Welche Initiative ist am sinnvollsten? Wer sind meine Ansprechpartner? Welche Wohnungen können angemietet werden?
Am Montag dann die offizielle Bekanntgabe: Vetschau will auf allen Kanälen (städtische Homepage, Aushänge sowie die sozialen Netzwerke) für die Flüchtlingshilfe aufrufen. „Nach dem völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine sind bereits viele Flüchtlinge in Deutschland angekommen, welche auch in Vetschau unsere Unterstützung benötigen“, heißt es in dem Aufruf von Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos).

Direkte Hilfe für Kriegsflüchtlinge vor Ort ist möglich

Während international darum gerungen werde, weiteres Leid und vor allem weiteres Blutvergießen zu verhindern, indem ein dauerhafter Frieden geschaffen wird, können auch die Vetschauer Bürger direkt vor Ort Hilfe leisten.
„Sie können geflüchtete Menschen unterbringen, sich ehrenamtlich engagieren oder Möbel und Textilien spenden. Auch Geldspenden sind möglich“, so Kanzler. Die Stadtverwaltung koordiniert alle städtischen Hilfsaktionen. Der Landkreis kümmert sich um die Zuweisung von Wohnraum sowie die finanziellen Hilfen für die Geflüchteten.
Gebraucht werden vor allem viele Helfer. Für die Betreuung der in Aufbau befindlichen Möbel- und Kleiderkammer („Helferlager“), Hilfe für diverse Transporte und handwerkliche Leistungen beim Malern von kurzfristig herzurichtendem Wohnraum. Außerdem für die Unterstützung der Flüchtlinge bei Behördengängen, Arztbesuchen oder für Übersetzungen. Möglich sind einzelne Erledigungen, aber auch wiederkehrende Hilfen jedweder Art. Mitstreiter sollten sich unter Telefon: 01522-6690616 melden.

Zwölf Wohnungen stehen in Vetschau bereit für Flüchtlinge

„Stand Montag stehen zwölf leere Wohnungen bereit, weitere werden noch hergerichtet und angeboten“, sagt Stadtsprecher Steffen Römelt. Da die Wohnungen aber überwiegend nicht möbliert oder ausgestattet sind, werden auch Sachspenden benötigt: Betten, Kleiderschränke, Tische, Stühle, Regale, Couch, Sofas, Lampen (Deckenlampen, Stehlampen), Bettdecken, Kissen, Bettbezüge, Handtücher und Geschirr.
Die Vetschauer Möbelkammer ist in der Pestalozzistraße 2 am Penny-Markt, ehemaliger Getränkemarkt, erreichbar. Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags, 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr. Telefonisch kann man sich direkt mit der Kleiderkammer unter 01522-6690616 in Verbindung setzen.

Möbel in Vetschauer Möbelkammer zwischenlagern

Eine Möbelspende sollte vorher in der Möbel-/Kleiderkammer angemeldet und abgeklärt werden, ob die Möbel bestenfalls direkt in eine hergerichtete Wohnung gebracht werden können. „Nur falls das nicht möglich ist, können Möbel in der Möbelkammer zwischengelagert werden. Helfen Sie möglichst mit, den Transport abzusichern“, heißt es in dem Aufruf weiter. Ebenfalls werden für eine Erstausstattung Hygieneartikel für Damen und Herren benötigt.
Sämtliche Hilfen werden durch die Stadtverwaltung, Fachbereich Ordnung und Soziales, unter Telefon 035433-77736 oder E-Mail: ordnung-soziales@vetschau.com koordiniert. Bei einem längeren Aufenthalt der Flüchtlinge erfolgt im Einwohnermeldeamt deren Anmeldung. Die Vergabe von Wohnungen nimmt der Landkreis Oberspreewald-Lausitz vor. „Der Landkreis klärt auch die (finanziellen) Leistungsansprüche der Flüchtlinge“, teilt die Verwaltung mit.

Geldspenden an den ASB Ortsverband Spreewald

Auch Geldspenden können helfen. „Vermeiden Sie jedoch Zahlungen an die Stadt. Wenn Sie nicht an die großen Hilfsorganisationen spenden wollen, können Sie an den ASB Ortsverband Spreewald zahlen“, so Bengt Kanzler. Mit diesem sei abgeklärt, dass er Geldspenden entgegennehmen und zweckentsprechend vor Ort für in Vetschau ankommende Flüchtlinge verwenden dürfe. Spendenkonto: ASB OV Spreewald e.V., Sparkasse Niederlausitz. IBAN: DE24 1805 5000 3040 0001 00. BIC: WELADED1OSL. Stichwort: Flüchtlingshilfe Ukraine.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Wer private Wohnunterkünfte für ukrainische Flüchtlinge anbieten möchte, kann diese an das Integrationsministerium per E-Mail melden: unterkunftsangebote.ukraine@msgiv.brandenburg.de. „Von dort erfolgt eine Weitermeldung an den jeweils für die Unterbringung zuständigen Landkreis“, sagt Kanzler.

Ukraine-Hilfe auch in Calau

Die Folgen des Ukraine-Krieges haben auch Calau erreicht. „Stand 30. März sind 61 Flüchtlinge aus der Ukraine in der Stadt Calau offiziell beim Einwohnermeldeamt angemeldet. Die Unterbringung erfolgt gegenwärtig auf Zuweisung durch den Landkreis OSL in angemieteten Wohnungen der WBC sowie in einigen Fällen in privat zur Verfügung gestellten Unterkünften“, heißt es in einem Bericht des Calauer Bürgermeisters Werner Suchner (parteilos), den er im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch vorgetragen hat.
Um dem weiter zu erwartenden Zustrom hilfesuchender Menschen aus der Ukraine gut begegnen zu können, fand am Montag im Rathaus ein erstes Arbeitstreffen zwischen verschiedenen Partnern statt. Mit am Tisch waren neben der Stadtverwaltung auch die WBC, die Calauer Wohnungsgenossenschaft, Vertreter der Kirchen, der Freien Jugendhilfe Niederlausitz e.V. sowie der Wohlfahrtsverbände DRK und AWO.

Engmaschiges Netzwerk

„Gemeinsam wurde besprochen, in Zukunft ein engmaschiges Netzwerk aufzubauen, um einerseits Hilfesuchenden eine Anlaufstelle zu bieten. Gleichzeitig sollen die Netzwerkpartner und Einwohnerinnen und Einwohner die Möglichkeit bekommen, sich darüber zu informieren, wie sie helfen können“, erklärt der Bürgermeister weiter.
Mit der Einrichtung eines Spendenkontos hat die Stadt Calau bereits einen ersten wichtigen Schritt in Richtung konkrete Hilfe unternommen. Denn: „Wir wissen aus vielen Gesprächen mit Menschen unserer Stadt, dass sie helfen möchten – auch finanziell. Aber sie wollen, dass ihre Geldspende direkt bei den Geflüchteten ankommt, die in Calau leben. Mit dem Konto ist gesichert, dass die gespendeten Gelder direkt bei den ukrainischen Menschen vor Ort ankommen.“

Daten des Spendenkontos der Stadt Calau

Kontoinhaber: Stadtverwaltung Calau. IBAN: DE91 1805 5000 0380 0515 08.
Sparkasse Niederlausitz, Verwendungszweck: „Calau hilft der Ukraine“.

Meldemöglichkeit für Geflüchtete

Für bis zu 90 Tage ist der Aufenthalt in Deutschland für Ukrainer ohne Visum und Anmeldung möglich. Der OSL-Landkreis empfiehlt den bei Verwandten und Bekannten untergekommenen Geflüchteten, sich in den Meldeämtern der Städte/Kommunen anzumelden.
Sehr viele Flüchtlinge kamen bereits bei Verwandten, Bekannten oder über private Kontakte im Landkreis unter. Spätestens nach 90 Tagen müssen sie sich beim Einwohnermeldeamt anmelden und im Asyl- und Ausländeramt des Landkreises ihren weiteren Aufenthalt regeln.
Das Asyl- und Ausländeramt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz ist erreichbar in 01968 Senftenberg, Dubinaweg 1, per Telefon unter:           (03573) 870-4601, oder per E-Mail:            asyl-auslaenderamt@osl-online.de. Für eine Koordinierung von Initiativen steht die Integrationsbeauftragte des Landkreises zur Verfügung: Kathrin Tupaj, Mail: kathrin-tupaj@osl-online.de, Telefon: 03573 870-1060.